Polizei zeigt verstärkte Präsenz

Brennpunkt Viertel: Zuletzt deutlich mehr Gewalttaten als im Vorjahr

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Nach den tödlichen Messerstichen im Viertel ist in Bremen eine Diskussion um das Thema Sicherheit in vollem Gange. Doch bereits vor der Tat hat die Gewalt im Viertel zugenommen.

Bremen - Nach der tödlichen Messerstecherei im Viertel nahe dem Gebiet Ziegenmarkt/Helenenstraße ist eine Debatte um das Thema Sicherheit entbrannt. Eigentlich sei der Bereich Helenenstraße in den vergangenen Jahren unauffällig gewesen, sagt Polizeivizepräsident Dirk Fasse. Das habe sich geändert. Jetzt handele es sich um einen Brennpunkt.

Bereits vor der Messerstecherei Anfang November, bei der ein 20-Jähriger starb und sein Begleiter lebensgefährlich verletzt wurde, hatte die Polizei eine Analyse in Auftrag gegeben. Ergebnis: mehr Kriminalität im Viertel. Zugenommen haben laut Fasse die Diebstähle, aber auch der Raubüberfälle, also explizit Gewaltdelikte. Allein im Oktober seien sechs Überfälle registriert worden.

Die Gewaltdelikte haben den Angaben zufolge im Vergleich zu den Vorjahresmonaten im September/Oktober um 17 Prozent zugenommen – die tödlichen Messerstiche aus dem November (der Tatverdächtige ist weiter auf der Flucht) also nicht mitgerechnet. Teilweise, so Fasse, handele es sich um Antanzdiebstähle, teilweise um direkte Angriffe auf einzelne Besucher. „Die Täter nutzen sowohl die Helenenstraße als auch drei Gaststätten als Rückzugsorte“, sagt Fasse.

Und wer sind die Täter? Nun, da hat die Polizei eine Gruppe junger Männer ausgemacht, berichtet Fasse. Es handele sich um ehemals unbegleitete minderjährige Ausländer (Uma). Diese neue Gruppe von Straftätern trete etwa seit April auf. Sie sei zudem in ständiger Veränderung. Einige junge Männer kämen hinter Gitter, neue tauchten auf, andere zögen weiter. Laut Fasse handelt es sich nicht um die nun volljährigen Uma, die zuvor über viele Monate am Hauptbahnhof immer wieder kriminell aufgefallen waren. Das sei eine andere Gruppe junger Männer. „Wir kennen die Klientel, zum Teil kommen die Männer aus anderen Städten“, so Fasse. Abends seien ihr Ziel oft betrunkene Freier.

Polizei vor allem an Wochenenden öfter unterwegs

Insbesondere am Wochenende setze man nun seit ein paar Wochen abends und nachts auf verstärkte Polizeipräsenz und Personenkontrollen. Das Innenressort prüft derzeit eine temporäre Videoüberwachung sowie die Einrichtung einer Waffenverbotszone wie es sie bereits an der Discomeile gibt.

Nach Polizeiangaben sind die Fallzahlen im Bereich Ziegenmarkt/Helenenstraße aufgrund der umfangreichen Maßnahmen zurückgegangen. Die verstärkte Präsenz, so ein Polizeisprecher am Mittwoch, soll auch trotz des Weihnachtsmarktes beibehalten werden – ein Kraftakt für die Beamten. Die Polizei ist ferner bemüht, „gefühlter Unsicherheit“ zu begegnen. Dabei geht's vor allem um dunkle Ecken, so eine Polizeisprecherin. Aus diesem Grund setzt die Polizei seit mehr als einer Woche sogenannte „Powermoons“ ein, Leuchten, die taghelles Licht ausstrahlen. Das soll Tätern die Rückzugsmöglichkeiten nehmen und Tatgelegenheiten reduzieren, wie es heißt. Allerdings seien die Strahler lediglich eine vorübergehende Lösung. Auf Dauer will die Polizei mit weiteren Behörden ein neues Lichtkonzept umsetzen.

„Powermoons“ nicht „die allerbeste Lösung“

Eine solche Lösung wünscht sich auch Ortsamtsleiterin Hellena Harttung. „Die ,Powermoons‘ erreichen ihre Wirkung, aber sie sind sehr stark. Das ist so nicht die allerbeste Lösung“, sagt sie. Das Viertel sei insgesamt ein schwieriger, dunkler Bereich. „Alles muss gut ausgeleuchtet sein. Auch die Wohnstraßen“, so Harttung weiter.

Unterdessen wird eine Debatte darüber geführt, wie man die Helenenstraße sicherer machen könne. Die Straße ist laut Polizei ein „hervorragender Rückzugsort“ für Täter, da sie im Eingangsbereich durch eine historische Mauer und einen Sichtschutz aus zwei Wänden schlecht einsehbar ist. Dieser Bereich zieht aber nicht nur Kriminalität an, sondern auch Leute, die ihren Müll ablegen oder den dunklen Winkel als Toilette benutzen. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und die Polizei wollen Mauer und Sichtschutz entfernen, die Grünen erstmal mit Anwohnern und Prostituierten sprechen.

Der Beirat Östliche Vorstadt will die Mauer erhalten und wünscht sich eine öffentliche Toilette im Eingangsbereich. „Man könnte die Wand etwas abflachen und die Toilette so platzieren, dass die Ecke hinter der Mauer weg wäre“, sagt Hellena Harttung. Bezüglich des Sichtschutzes will sie mit Fingerspitzenfühl das Gespräch mit Prostituierten suchen.

mko/gn

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