Ermittlung in alle Richtungen

Angriff auf Bremer AfD-Chef Magnitz - Politiker verlässt Krankenhaus

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Der Bremer AfD-Landesvorsitzende Frank Magnitz ist am Montagabend angegriffen und schwer verletzt worden.

Bremen - Bremens AfD-Chef Frank Magnitz wird abends in der Stadt plötzlich von Vermummten attackiert und schwer verletzt. Die Ermittler gehen von einem politischen Motiv aus.

Update, 9. Januar, 14 Uhr: Der Bremer AfD-Chef und Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz hat zwei Tage nach dem brutalen Überfall auf ihn das Krankenhaus auf eigene Verantwortung verlassen. Das sagte der stellvertretende Vorsitzende der Bremer AfD, Thomas Jürgewitz, der dpa am Mittwoch. Radio Bremen hatte zuerst darüber berichtet. Magnitz gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte Jürgewitz. Der 66-Jährige war am Montagabend von Unbekannten in Bremen attackiert worden. Dabei hatte er schwere Kopfverletzungen erlitten. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. 

Update, 12 Uhr: Körperverletzung oder versuchter Totschlag
Gefährliche Körperverletzung oder versuchter Totschlag - um welches Delikt es sich bei dem Angriff auf den AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz handelt, ist noch unklar. Das werde noch geklärt, sagte ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft am Dienstag. 

Aus welchem Spektrum diese kommen, sei noch unklar. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Polizeisprecher Nils Matthiesen.

Update, 10.35 Uhr: Polizei bildet Sonderkommission

Nach dem Angriff auf den 66 Jahre alten Bundestagsabgeordneten Magnitz hat die Bremer Polizei eine Sonderkommission zur Aufklärung der Tat gebildet. Unter Federführung des Staatsschutzes arbeitet die Kommission eng mit dem Bundeskriminalamt zusammen.

Außerdem bestätigte die Polizei die ersten Angaben der Bremer AfD, wonach Magnitz von mindestens drei Männern im Durchgang des Theaters am Goetheplatz angegriffen wurde. Sie schlugen mit einem unbekannten Gegenstand gegen den Kopf und flüchteten in Richtung Bleicherstraße.

Inzwischen haben sich zahlreiche Bremer Politiker zu Wort gemeldet und die Tat gegen Magnitz scharf verurteilt. Sie wünschten dem Opfer eine schnelle Genesung.

Handwerker helfen AfD-Chef und alarmieren Rettungswagen

Magnitz kam am Montag vom Neujahrsempfang der Bremer Tageszeitung "Weser-Kurier". In der etwa 250 Meter entfernt liegenden Kunsthalle hatten sich dazu rund 250 Gäste versammelt. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) sprach, auch Chefredakteur Moritz Döbler. Magnitz verließ den Empfang und ging im Dunkeln in Richtung Theater am Goetheplatz, nutzte die Abkürzung durch den weiträumigen Innenhof, offenbar um zum Parkhaus zu gelangen. In einem hohen überdachten Durchgang wurde er überfallen.

Zwei 43 und 54 Jahre alte Handwerker, die in der Nähe ihren Wagen beluden, entdeckten den am Boden liegenden Mann und riefen einen Rettungswagen. Die Feuerwehr alarmierte außerdem die Polizei. Mehrere Streifenwagen fahndeten umgehend nach Verdächtigen. Der Tatort wurde zur Spurensicherung abgesperrt.

Die Polizei fragt nun: Wer hat am späten Montagnachmittag im Bereich des Theaters am Goetheplatz verdächtige Beobachtungen gemacht und kann Hinweise auf die Täter geben? Die Männer waren dunkel gekleidet und trugen Kapuzen bzw. Mützen. Der Kriminaldauerdienst ist erreichbar unter der Telefonnummer 0421/262-3888.

Polizei geht von politisch motivierter Straftat aus

Der Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende der AfD Bremen, Frank Magnitz, ist von mehreren Personen angegriffen und schwer verletzt worden. Der Vorfall habe sich am frühen Montagabend im Bereich des Theaters am Goetheplatz ereignet, teilte die Polizei Bremen mit. 

Aufgrund der Funktion des Geschädigten sei von einer politischen Motivation der Tat auszugehen. Der polizeiliche Staatsschutz und die Staatsanwaltschaft Bremen haben Ermittlungen aufgenommen. Zahlreiche Politiker äußerten sich erschüttert. 

Magnitz von drei Vermummten attackiert

Nach Angaben der Bremer AfD wurde der 66-jährige Politiker von drei Vermummten attackiert. Er liege nun mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht zum Gesundheitszustand des Politikers oder zu Details zum Überfall. 

Die Ermittler suchen nun dringend Zeugen, die sich beim Kriminaldauerdienst unter der Telefonnummer 0421/362-3888 melden können. 

Cem Özdemir und Dietmar Bartsch schockiert

Zahlreiche Politiker aus verschiedenen Parteien haben den Angriff auf den Bremer AfD-Chef Frank Magnitz verurteilt. 

Außenminister Heiko Maas (SPD) schrieb am Dienstag bei Twitter: „Gewalt darf niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein - völlig egal, gegen wen oder was die Motive dafür sind. Dafür gibt es keinerlei Rechtfertigung.“ Wer ein solches Verbrechen verübe, müsse „konsequent bestraft werden“. 

Linke-Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch erklärte, es gebe „keine Rechtfertigung für ein solches Verbrechen“. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir betonte, er hoffe, dass der oder die Täter bald ermittelt und verurteilt werden. „Auch gegenüber der AfD gibt es keinerlei Rechtfertigung für Gewalt. Wer Hass mit Hass bekämpft, lässt am Ende immer den Hass gewinnen.“ 

Der SPD-Politiker Johannes Kahrs erklärte, Extremismus jeder Art sei „Mist“. Kahrs gilt als einer der schärfsten Kritiker der AfD im Bundestag.

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dpa/jdw

Extremisten und Emotionen

Ein Kommentar von Thomas Kuzaj

Vermummte schlagen einen politischen Gegner krankenhausreif – mitten in der Stadt. Mit schweren Kopfverletzungen bleibt er am Boden liegen. Handwerker, die in der Nähe einen Wagen beladen, finden ihn. Szenen aus der Weimarer Republik? Nein, Szenen aus der Gegenwart. Der Angriff auf den Bremer AfD-Chef und Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz zeigt, zu was Zuspitzung und Extrempositionen führen. Da geht es nicht mehr um Argumente, sondern um Emotionen. Da geht es nur noch ums Plattmachen – buchstäblich.

Wenn man nicht mehr miteinander reden kann, hat man ein Problem. Zur Demokratie gehört die Freiheit des Andersdenkenden, um es mal in Anlehnung an ein berühmtes Rosa-Luxemburg-Zitat zu sagen. Das ist anstrengend und zuweilen sehr schwer zu ertragen, besonders im Hinblick auf die AfD. Eine Demokratie muss im Mit- und Gegeneinander der Positionen vieles aushalten. Und sie kann es auch. Gewalt gegen Menschen aber gehört nicht dazu, Angriffe auf die Menschenwürde sind nicht zu tolerieren.

Der Grüne Cem Özdemir liegt richtig, wenn er sagt: „Auch gegenüber der AfD gibt es keinerlei Rechtfertigung für Gewalt.“ Er spricht damit eigentlich bloß eine Selbstverständlichkeit aus. Eine demokratische Selbstverständlichkeit, die im Zeitalter von Zuspitzungen und Extrempositionen schon extra betont werden muss. Traurig.

Ebenso traurig ist es, dass die Bremer AfD ein Schock-Foto des schwerverletzten, blutenden Frank Magnitz veröffentlicht hat. Das zeigt nur, wie die sinnlose Straftat vom Goetheplatz einer Partei, die Extrempositionen vertritt, nun dabei hilft, weiter Emotionen zu schüren, Stimmung zu machen. Von „Attentat“ und „Terroristen“ ist da die Rede – die Wortwahl sagt alles. So gesehen, haben die Täter nicht allein die Menschenwürde verletzt, sondern auch der AfD in die Karten gespielt.

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