Mentoring-Programm: Erfahrene Politikerinnen nehmen Neulinge an die Hand

Politik schmackhaft machen

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Franziska Laudenbach hat am Mentoring-Programm der SPD-Fraktion teilgenommen.

Bremen - Von Irena Güttel. Man könnte meinen, die deutsche Politik ist fest in Frauenhand: In der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel leiten Politikerinnen zentrale Ministerien wie Verteidigung und Arbeit. Frauen sitzen in Parteivorständen und regieren Bundesländer. Doch ein Blick in die Parlamente zeigt ein ganz anderes Bild. Nur 36 Prozent der Bundestagsabgeordneten sind weiblich. Noch geringer ist der Frauenanteil auf Landes- und Kommunalebene. Förderprogramme sollen das ändern: Sie wollen Frauen Politik schmackhaft machen.

Bei Franziska Laudenbach steht an diesem Tag eine Sitzung der SPD-Fraktionsspitze in Bremen auf dem Programm. Gemeinsam mit den Parlamentsreferenten entwickeln die drei Vorsitzenden die politische Strategie für diese Woche: Welche Anträge will die Fraktion im Parlament einbringen? Wie verhält sie sich zu denen der anderen Parteien? Eigentlich alles streng geheim. Eine Externe wie Laudenbach dürfte also gar nicht dabei sein. Doch zur Zeit macht die SPD-Fraktion eine Ausnahme. Drei Wochen lang dürfen 25 Frauen die Abgeordneten bei ihrer Arbeit begleiten.

Mentoring-Programm nennt sich das Ganze. Das bedeutet, dass ein Mentor – in diesem Fall erfahrene Politikerinnen – eine Novizin an die Hand nehmen und ihre Erfahrungen mit ihr teilen. „Wir hoffen, dass sich die Frauen danach weiter politisch engagieren“, sagt die Vize-Chefin der Bremer SPD-Fraktion, Sybille Böschen. „Es ist ja noch immer so, dass Frauen in der Politik unterrepräsentiert sind.“

Interesse an Politik hatte Laudenbach eigentlich schon immer: Sie hat Politik studiert und ist SPD-Mitglied – allerdings bisher nur passiv, wie sie sagt. Nun denkt die 31-Jährige darüber nach, aktiv in die Kommunalpolitik einzusteigen. „Ich möchte etwas in meinem Stadtteil verändern“, sagt sie. Bei dem Mentoring-Programm will sie einen Einblick in das politische Tagesgeschäft bekommen, vor allem um herauszufinden, ob das überhaupt etwas für sie ist.

„Frauen trauen sich oft den Weg in die Politik nicht zu“, sagt Helga Lukoschat von der Organisation EAF Berlin, die sich für mehr Chancengleichheit von Männern und Frauen einsetzt. Die EAF bietet selbst ein bundesweites Mentoring-Programm an, das sich an Einsteigerinnen auf der Kommunalebene wendet. Denn gerade dort gilt Politik noch immer als Männersache: Nur in jedem zehnten deutschen Rathaus sitzt nach einer EAF-Studie eine Bürgermeisterin. Das Programm soll Frauen deshalb auch dabei helfen, wichtige Kontakte zu knüpfen und Netzwerke mit anderen Politikerinnen zu bilden.

Helga Lukoschat hält Mentoring-Programme nur für einen Baustein auf dem Weg zu einem höheren Frauenanteil in der Politik. „Wir brauchen verpflichtende Quoten und moderne Parteistrukturen, die eine Vereinbarkeit von politischem Engagement, Berufs- und Privatleben ermöglichen.“ Langfristig könnte es dann für junge Frauen mehr politische Vorbilder wie Angela Merkel geben.

dpa

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