Haarsträubende Geschichten am Sonnabend

„Plietsch un kerngesund“: Freche Reden vom Eiswettschneider

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Frech und stets verspätet: Eiswettschneider Peter Lüchinger an seinem Einsatzort am Punkendeich.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Alle Jahre wieder am Dreikönigstag, da hat er seinen großen Auftritt – Eiswettschneider Peter Lüchinger. Mit Bügeleisen und frechem Mundwerk. So soll es auch dieses Jahr wieder sein bei der traditionellen Eiswettprobe am Punkendeich (Osterdeich, Höhe Sielwall) – am Sonnabend, 6. Januar.

Zugefroren oder nicht? Eine Frage, die längst in den Hintergrund getreten ist. Denn das Ergebnis ist ohnehin klar – und das nicht erst, seit es den Klimawandel gibt: Die Weser „geiht“, sie ist nicht zugefroren. Im Fokus steht das Spektakel, im Fokus steht der Schneider mit seinen satirischen Bemerkungen über die Zustände in Bremen und in der Bundesrepublik.

Und um – wie es die Tradition ja schließlich verlangt – trockenen Fußes über den Fluss zu kommen, wird der Schneider einmal mehr auf die Hilfe der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) angewiesen sein. 

2016 war Rekordspendenjahr

Für die Seenotretter (Sitz: Bremen) wird dann beim 189. Stiftungsfest der Eiswette am Sonnabend, 20. Januar, wieder gesammelt werden – wenn etwa 800 Herren im Congress Centrum (Bürgerweide) zu Kohl und Pinkel zusammenkommen. 2016 sammelten sie 450.000 Euro für die Seenotretter, im vergangenen Jahr sind es insgesamt 450 238,97 Euro gewesen – Rekord.

Die beiden Ehrengäste waren im vergangenen Jahr der frühere Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio und Holger Münch, der Chef des Bundeskriminalamts (BKA). Wer die Ehrengäste am 20. Januar sein werden, will Eiswettpräsident Patrick Wendisch erst in der Woche vor dem 20. Januar bekanntgeben.

Live-Musik von Jonny Glut

Aber jetzt steht ja ohnehin erst einmal die Eiswettprobe an. Hunderte von Zuschauern sind Jahr für Jahr dabei, um das Schneider-Spektakel aus nächster Nähe zu verfolgen. Mal bei Schnee, mal bei Sonnenschein und Minusgraden, mal bei Regen. In diesem Jahr dürften es noch einige mehr werden, wenn das Wetter nicht allzu fürchterlich ausfällt. Denn schließlich fällt der Dreikönigstag ja auf einen Wochenendtag.

Bevor der Schneider Eiswettpräsidium, Notarius Publicus und Medicus Publicus mit seinen kessen Reden und seinen haarsträubenden Geschichten aus der Fassung zu bringen versucht, wird der Musiker Jonny Glut – Erfinder der maritim durchwirkten Musikrichtung „Waterkantry“ – das Publikum am Osterdeich unterhalten. Sein Auftritt beginnt am Sonnabend um etwa 11.30 Uhr.

Weser seit 1947 nicht mehr zugefroren

Die eigentliche Eiswettprobe mit Schneider („Een Snieder plietsch un kerngesund“) und dampfendem Bügeleisen beginnt dann pünktlich um 12 Uhr. So jedenfalls steht es in den Statuten. In Wirklichkeit kommt der Schneider stets zu spät. Und dann braucht er ja noch Zeit für seine Ausreden und frechen Bemerkungen.

Seit 1947 übrigens ist die Weser nicht mehr zugefroren. Schon die Weserkorrektion – sprich: künstliche Begradigung – unter Ludwig Franzius (1832 bis 1903) im ausklingenden 19. Jahrhundert hatte den Fluss schneller gemacht und ein Zufrieren erschwert. 1829, im Gründungsjahr der Wette, war die Eis-Frage auf dem Transportweg Weser noch von grundlegender Bedeutung für Handel und Wirtschaft in Bremen gewesen.

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