„Mein Kunst-Stück“ mit Veronika Dobers‘ „Schutzengel“

Der Platz im Weltgefüge

+
Wer seinen Platz im Universum kennt, findet Ruhe, sagt Veronika Dobers. Sie präsentiert in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ ihr Bild „Schutzengel“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Schutzengel“ heißt Veronika Dobers’ Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Hinter Glas und auf schwarzem Grund zeigt es eine menschliche Gestalt, die sich mit einem übergroßen Wesen verbindet.

An „Schutzengel“ wird Veronika Dobers’ Grundthema sichtbar. „Es geht um das menschliche Bemühen, sich im Daseinskampf einem Platz im Universum zuzuordnen“. Wie in „Schutzengel“ wirkt der Mensch in Dobers’ Bildern klein, geradezu kindlich. Anscheinend in Raum und Zeit schwebend, sind die Figuren von übergroßen Pflanzen, Tropfen und Bergen umgeben.

„Jeder Mensch wünscht sich, beschützt zu sein“, sagt Dobers. An einem Platz veror--tet und aufgehoben zu sein, sei ein Bedürfnis, das sich der Mensch gedanklich oder spirituell erfüllen kann. Er könne seinen „Schutzengel“ finden, das sei ein beruhigendes Ur-Vertrauen. In ihrer aktuellen Ausstellung „Physikalische Phänomene“, die bis zum 10. Juli in der Galerie Mitte des Kubo zu sehen ist, geben Bildtitel dem Betrachter eine Hilfestellung.

Dobers gezeigte Technik ist die Hinterglasmalerei. „Für einen normalen Maler ist das hinter Glas malen Wahnsinn“, sagt Dobers. Im Gegensatz zur normalen Malerei müsse der Bildaufbau rückwärts und spiegelverkehrt geschehen. Erst setze man die Konturen, anschließend folgten Schraffuren und am Schluss würden Flächen und Hintergrund ausgemalt. „Das fördert allerdings auch die Konzentration auf einen Gedanken“, sagt Dobers, „da das Wichtigste zuerst gemalt wird.“ Durch das Glas erhalten die Bilder eine tiefe Farbwirkung. Teilweise wirken sie, als besäßen sie eine eigene Lichtquelle.

Auf die Kunst gekommen ist Dobers bereits als kleines Kind. Mit vier Jahren habe sie schon Gedichte gelernt, Lieder gesungen und Bilder gemalt. In Halle an der Saale studierte sie Industriedesign und Architektur. Sie profitierte dabei von den Einflüssen der Bauhaus-Schule für Kunst-, Design- und Architektur, die 1925 nach Dessau zog. Einige Vertreter lehrten auch im benachbarten Halle an der Saale.

Dobers’ heutiges Künstlerleben beginnt um 8 Uhr morgens, egal ob im Atelier oder zur Betreuung von Ausstellungen. „Ich arbeite aber jeden Tag, damit der Faden nicht reißt und sich Ideen nicht verflüchtigen“, sagt Dobers. Es sei die größte Herausforderung, immer wieder gute Ideen zu haben und etwas zu finden, was sich auf die Fläche zu bringen lohnt. In ihrem Atelier bewegt sie sich in einer Fülle von Skizzen und Zeichnungen. „Einfälle kommen in der Regel zufällig, da heißt es kontinuierlich dranzubleiben“, weiß die Bremerin. Nur erzwingen lasse sich nichts.

Kunst hält Dobers für essentiell. „Wenn es nur Wirtschaft, Politik und Sport gäbe, könnten wir einpacken“, sagt sie und lacht. Das Verrückte sei, dass wir uns dessen nur meist nicht bewusst sind. Am ehesten könnten Menschen die Bedeutung der Kunst anhand der Musik nachvollziehen. Fast jeder höre oft und gezielt Musik und weiß, dass sie etwas bewirkt. Durch die Kunst würden Ebenen angesprochen, die sonst verkümmerten. „Kunst gibt die Möglichkeit, über vieles nachzudenken“, sagt Dobers, „sie verändert zwar nicht die Politik, aber sie spricht eine Gefühlsebene an, die das Denken verändert.“

Zu den Künstlern, die für Dobers besonders bedeutend sind, zählen die US-amerikanische Bildhauerin Louise Bourgeois (1911–2010), deren riesige Spinnenskulpturen weltberühmt sind und der japanische Zeitgenosse Keiji Uematsu. Bourgeois versuche ebenfalls die Verbindung zwischen menschlichem Empfinden und der Verbindung zum Universum darzustellen, sagt Dobers. Und auch Uematsu beschäftige sich mit den Kräften des Universums sowie der Balance von Mikro- und Makrokosmos.

Wenn Dobers jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge es an Karin Hollweg – als Anerkennung für deren unermüdliche Unterstützung der Bremer Künstler und Kunstinstitutionen.

Mehr zum Thema:

Besuch in Saudi-Arabien: Merkel sieht Fortschritte mit Riad

Besuch in Saudi-Arabien: Merkel sieht Fortschritte mit Riad

Hexen und Teufel treiben im Harz den Winter aus

Hexen und Teufel treiben im Harz den Winter aus

Vettel muss Bottas Vortritt lassen - WM-Führung ausgebaut

Vettel muss Bottas Vortritt lassen - WM-Führung ausgebaut

FDP verabschiedet Wahlprogramm

FDP verabschiedet Wahlprogramm

Meistgelesene Artikel

Messerstecherei auf Bremer-Disco-Meile

Messerstecherei auf Bremer-Disco-Meile

Firma „Aggregat” produziert in Bremen individuelle Designermöbel

Firma „Aggregat” produziert in Bremen individuelle Designermöbel

Auf dem Weg zur ISS

Auf dem Weg zur ISS

Bremen bekommt Hybridspeicher

Bremen bekommt Hybridspeicher

Kommentare