„Verschwunden“: Das Jacobs-Stammhaus steht noch an der Obernstraße – aber Kaffee wird hier nicht mehr verkauft

Platz für ein wachsendes Unternehmen

Das Jacobs-Stammhaus an der Obernstraße 20. Wo einst Kaffee und Tee zu kaufen waren, gibt es heute Lederwaren und Uhren. - Fotos: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Zugegeben, verschwunden ist es nicht, das Jacobs-Stammhaus an der Obernstraße 20. Sogar der Name ist noch am Geäude zu finden, wenn auch nicht so groß wie einst. Und Kaffee kann man hier nicht mehr kaufen. Das haben Weltmarkt und internationale Konzernentscheidungen längst anders geregelt. Und so ist eben doch etwas verschwunden. Geblieben ist die Erinnerung an das, was gerne hanseatischer Kaufmannsgeist genannt wird – und an das, was daraus erwachsen konnte.

Das Jacobs-Stammhaus an der Obernstraße – heute ist es Thema in unserer Serie „Verschwunden“. Anno 1895 hatte sich Johann Jacobs (1869 bis 1958), Spross einer Borgfelder Bauernfamilie, mit einem „Specialgeschäft in Caffee, Thee, Cacao, Chocoladen, Biscuit“ in der Bremer Innenstadt selbstständig gemacht. Nach zwei Jahren zog er mit seinem Geschäft vom Domshof in die Sögestraße, 1903 dann in die Obernstraße, die sich gerade zur neuen Einkaufsmeile Bremens entwickelte. Kunden konnten hier mit der elektrischen Straßenbahn vorfahren! Die Adresse „Obernstraße“ wurde zum Stammsitz eines stetig wachsenden Unternehmens.

Die Geschäfte liefen so gut, dass Jacobs es sich 1907 erlauben konnte, eine eigene Kaffeerösterei zu eröffnen. Vorher, so heißt es, soll er schon heimlich selbst geröstet haben. Die Rösterei war ein wichtiger Schritt, denn damit hatte er die Produktion so weit unter Kontrolle, dass er Geschmack und Qualität konstant halten konnte – auf Sicht wichtige Bedingungen zur Etablierung eines Markenartikels.

Neue Möglichkeiten industrieller Produktion und neue Wege in der Werbung ließen in jenen Jahrzehnten etliche Marken entstehen – vielfach mit Wirkung bis heute. Die Rösterei erlaubte es Jacobs, aufs Außer-Haus-Geschäft zu setzen. 1913 meldete der Bremer Kaufmann beim Reichspatentamt ein Warenzeichen für seinen Kaffee an.

Fassadenschmuck am Haus.

Apropos 1913 – ein wichtiges Jahr. 1903 war Jacobs zunächst in die Obernstraße 6 gezogen. Das Haus war inzwischen zu klein für Geschäft und Rösterei. Jacobs kaufte das Haus Obernstraße 20 und ließ es umbauen. 1915 zog das Unternehmen um. „Der Erste Weltkrieg unterbrach den Aufstieg, aber nach 1923 entwickelte sich die Firma unentwegt weiter“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011). Im Dezember 1920 konnte Jacobs in seinem Geschäft an der Obernstraße 20 wieder Kaffee verkaufen, ist in dem Band „Jacobs Kaffee. . . wunderbar“ von Svenja Kunze und Alexander Schug (Edition Temmen) zu lesen. 1927 gewann Jacobs mit dem Norddeutschen Lloyd (NDL) „seinen ersten weltweit agierenden Großkunden für Rohkaffee“, wie es auf der Jacobs-Homepage heißt. Auf den berühmten NDL-Schnelldampfern wie „Bremen“ (1929) und „Europa“ (1930) wurde Bremer Kaffee getrunken.

Anfang der 30er Jahre folgte die Einführung der standardisierten Verpackung – eine Idee, die Walther Johann Jacobs (1907 bis 1998), der Neffe des Gründers, aus den USA importiert hatte. Der Kaffee wurde nun nicht mehr lose abgewogen und verkauft. Die einheitliche Verpackung diente zudem als Werbe- und Imageträger. Die Wandlung zur Marke war vollzogen. Jacobs baute eine Großrösterei in der Neustadt. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, das Stammhaus an der Obernstraße 20 sogar vollkommen. Jacobs ließ es 1948 neu aufbauen, nachdem die Rohkaffeelieferungen nach Deutschland wieder begonnen hatten. Heute sind im Haus Ovbernstraße 20 Lederwaren und Uhren zu finden.

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