Platz für 120 junge Flüchtlinge

Neue Zeltstadt am Fallturm

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Blick in das Zelt auf dem Stadtwerder. In der Nähe des Fallturms stellt Bremen heute eine weitere Zeltstadt für minderjährige Flüchtlinge auf.

Bremen - Das Bremer Sozialressort wird einen zweiten Zeltstandort für junge Flüchtlinge einrichten. Das sagte gestern Senatorin Anja Stahmann (Grüne). Das Zelt bietet Platz für 120 unbegleitete Jugendliche und soll in der Nähe des Fallturms an der Universität aufgestellt werden.

Den Angaben zufolge werden die Arbeiten zur Einrichtung einer zweiten Zeltstadt heute beginnen. Auf der Freifläche an der Straße „Am Biologischen Garten“ sollen 120 Jugendliche aus der Zentralen Kommunalen Erstaufnahmeeinrichtung (ZKE) vorübergehend untergebracht werden. Grund für die Verlegung ist die zügige Räumung der ZKE in Habenhausen, die das Gesundheitsamt wegen hartnäckigen Befalls mit Bettwanzen dringend empfohlen hatte (wir berichteten). Die ZKE befindet sich in der alten Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung (Zast).

Nach der Räumung soll ein Schädlingsbekämpfer das Gebäude an der Steinsetzerstraße komplett sanieren. Anschließend werden die vorhandenen Teppichböden gegen wischbare Böden ausgetauscht. In ungefähr zwei Monaten können die Jugendlichen dann in die Steinsetzerstraße zurückkehren, heißt es. Bereits Ende der vergangenen Woche waren 35 Jugendliche aus der alten Zast in ein Zelt auf dem Stadtwerder gezogen.

„Die Entscheidung zur Räumung der Erstaufnahmeeinrichtung und zum Aufstellen von Zelten für die Jugendlichen ist uns sehr schwergefallen“, sagte Stahmann gestern. „Angesichts der beengten Lebensverhältnisse in der Steinsetzerstraße sehe ich aber keine Alternative“, betonte sie. Die Senatorin hatte Zelte für Asylbewerber nie ausgeschlossen, sie wollte diese allerdings möglichst vermeiden. Aufgrund des starken Flüchtlingsstroms sei das nicht mehr möglich.

Die aktuelle Zugangssituation verschärfe sich derzeit abermals deutlich. „Die Zahl der in Bremen ankommenden jugendlichen Flüchtlinge erreicht immer neue Höchststände“, sagte Stahmann. Seit 2011 habe sich ihre Zahl Jahr für Jahr verdoppelt, „in diesem Jahr haben wir eine Vervierfachung im Vergleich zum Jahr 2014“. Nach aktuellen Hochrechnungen werden in der ersten Jahreshälfte 575 Jugendliche in Bremen Schutz suchen, in der ersten Jahreshälfte 2014 waren es 134. „Allein im Juni werden mehr als dreimal so viele junge Flüchtlinge erwartet, wie Bremen im ganzen Jahr 2011 aufgenommen hat“, schilderte die Senatorin die Situation.

Im Jahr 2011 hatten laut Stahmann 53 unbegleitete Jugendliche in Bremen Zuflucht gesucht – allein im Juni werden es 162 sein (Hochrechnung auf Basis der ersten 17 Tage mit 92 neu aufgenommenen Jugendlichen). Sie stammen vorwiegend aus Westafrika, Nordafrika, Syrien und Afghanistan. Eine Abschiebung ist nicht möglich.

gn

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