Baudeputation genehmigt Mittel

Planung für die Verkehrswende: Autos raus, Räder rein

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So könnte sie aussehen, die Verbindung zwischen Stadtwerder und der Altstadt auf Höhe Tiefer/Osterdeich. 400 000 Euro kosten die konkreten Planungen für die insgesamt vier mögliche Brücken und eine Unterführung.

Bremen - Es wird konkreter in Sachen autofreie Innenstadt: Die Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung hat am Donnerstag beschlossen, nötige Planungsmittel zur Fortschreibung des „Verkehrsentwicklungsplans 2025“ zu bewilligen. 480.000 Euro, so die Vorlage, sollen die konkreten Planungen kosten. Im Kern geht es um vier zentrale Teilstrategien.

Mit dem Beschluss, so Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne), sei der „erste Schritt“ zur Verkehrswende geschafft, ab 2020 sollen erste Maßnahmen geplant werden. In das Konzept, das unter anderem eine autofreie Innenstadt bis 2030 vorsieht und die seit Bekanntwerden auf Widerstand stößt, sollen in mehreren Planungsstufen Bürgerforen, aber auch die Ergebnisse von Online-Befragungen einbezogen werden. Neben der Verbannung des motorisierten Verkehrs zwischen Wallanlagen und Weser (ausgenommen Lieferverkehr), geht es im Verkehrsentwicklungsplan von 2014 um drei weitere zentrale Aspekte: Sperrig formuliert, sollen die Punkte „Abwicklung der stadtregionalen Mobilitätsbedürfnisse“, „Angebots- und Tarifmaßnahmen für Bus und Bahn in Stadt und Region“ und „Steuerung und Ordnung des Parkens“ in Zukunft „zentrale Säulen unserer Klimaschutzpolitik“ darstellen, so Schaefer. Im Klartext: Mehr Menschen sollen auf Bus, Bahn und Rad umsteigen. „Das macht“, meint Schaefer, „die Innenstadt attraktiver und bringt die Verkehrswende voran.“

Wie genau dieser Plan umgesetzt werden soll, damit sollen sich ab Anfang 2020 unter anderem Expertenrunden (ein sogenannter Verkehrsentwicklungsplan-Beirat) beschäftigen. Und das kostet Geld – insgesamt sind die erwähnten 480.000 Euro veranschlagt, von denen Bremen etwa 170.000 Euro zahlt. In der zweiten Hälfte 2020, so der Plan, sollen erste Konzepte vorliegen. Damit Bürger auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder vermehrt das Rad nutzen, sollen zusätzliche Angebote im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) geschaffen und Radstreifen ausgebaut werden.

Welche Instrumente letztlich praktikabel sind und somit umgesetzt werden könnten, sollen entsprechende Untersuchungen zeigen. Im Gespräch sind unter anderem ein 365-Euro-Ticket, also ein Euro pro Tag, oder ein komplett kostenfreier ÖPNV im Stadtgebiet. In der Baudeputation stieß die Vorlage auf (zu erwartende) Gegenliebe. Ralf Saxe (Grüne), sagte, es sei „vernünftig, den erfolgreichen Prozess fortsetzen“. Er schob nach: „Die Verkehrswende funktioniert nicht, ohne das es jemandem wehtut.“

Gemeint waren in diesem Fall Autofahrer, die schon jetzt mit zahlreichen Staus in der City und auf vielen Zufahrtswegen in die Innenstadt zu kämpfen haben. Auf die bezog sich auch Anja Schiemann (SPD). Mit dem Festhalten am Verkehrsentwicklungsplan, der noch unter der früheren rot-grünen Koalition entstanden ist, solle keine Konkurrenzsituation auf Bremens Straßen entstehen, betonte sie. „Es geht nicht darum, Autofahrer zu verteufeln“, so Schiemann. Wie das funktionieren soll, das verriet sie nicht.

Während sich Kunden aus dem Umland oder vom Bremer Stadtrand zukünftig womöglich überlegen, ob sie zum Einkaufen nach Bremen fahren, gibt es für Radfahrer eine gute Nachricht: Ebenfalls beschlossen wurde am Donnerstag, dass die Mittel zur Planung von insgesamt vier neuen Fuß-und Fahrradbrücken über die Weser bewilligt werden. 400.000 Euro – Bremens Anteil läge bei 160.000 Euro – würde die Planung der Bauwerke kosten. Ein möglicher Bau wird aktuell auf insgesamt etwa 35 Millionen Euro geschätzt, wobei der Anteil Bremens bei rund 17 Millionen Euro liegen könnte.

Konkret geht es um Brücken zwischen Habenhausen und Hemelingen, zwei Brücken, die die Neustadt, den Stadtwerder und die Altstadt verknüpfen sollen und eine Verbindung zwischen Woltmershausen und der Überseestadt. Hinzu käme zudem eine Unterführung an der Habenhauser Brückenstraße, heißt es in der Vorlage.

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