Reden der drei kaufmännischen Schaffer

Plädoyers für Mut und Dialog

Bremen - SWB-Vorstandschef Dr. Torsten Köhne, Matthias Ditzen-Blanke (Ditzen-Gruppe/„Nordsee-Zeitung“) und Malte Seekamp (Seekamp-Werbung) – die drei kaufmännischen Schaffer, die die Traditions-Sause dieses Mal ausgerichtet haben. Ein Amt, zu dem allerlei Reden gehören.

In seiner Rede auf „Handel, Schifffahrt und Industrie“ bezeichnete Köhne die seit 2008 andauernde Schifffahrtskrise als „chronisch“. Nicht zuletzt mit Blick auf den Trend zu Riesenschiffen mahnte er Augenmaß an. Außerdem „muss uns beunruhigen, dass die Automobilindustrie als Schlüsselindustrie unseres Landes innerhalb kurzer Zeit global und national ihre hohe Reputation verloren hat“.

In den meisten westlichen Staaten, so Köhne im Rathaus, fühlten sich „die Verlierer der Globalisierung ihrem Schicksal überlassen“. Und weiter: „Das rächt sich nun, indem populistische, autoritäre und protektionistische Bewegungen weltweit Zulauf erhalten. Sie alle sammeln die Unzufriedenen und Abgehängten und stellen die aktuell größte Gefahr für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit und damit den Handel dar.“

Bremen mangele es an „Weitsicht, Fantasie und Mut“, kritisierte Seekamp in seiner Rede auf „Bremen und den Senat“. „Wir haben uns nie so recht erholt von den Krisen der traditionellen Wirtschaftszweige zu Ende des 20. Jahrhunderts.“ In vielen Bereichen müsse mehr getan werden – ein Beispiel: Städtetourismus. „Drei von fünf Gästen kommen hierher, weil sie beruflich in Bremen zu tun haben, nicht etwa, weil sie die Stadt interessant finden.“ Bremen dürfe kein Museum werden, sondern solle „Sehnsuchtsort für Menschen mit Fantasie“ sein.

In seiner Rede auf „Bundespräsident und Vaterland“ sagte Ditzen-Blanke, unser Land brauche „Selbstkritik und Selbstkorrektur“: „Den demokratischen Grundkonsens zu artikulieren, ist schwieriger geworden in einer Gesellschaft, die immer mehr Einzelinteressen kennt, und in einer Öffentlichkeit, die gern das Trennende gegenüber dem Einigenden betont.“

Demokratie sei Gefahren ausgesetzt, so Ditzen-Blanke: „Derzeit versuchen weltweit immer mehr Menschen, durch Intoleranz zu gewinnen. Demokratien der Mitte und des Maßes sind weltweit geschwächt. Populisten, Autokraten und Diktatoren sind global auf dem Vormarsch.“

Ditzen-Blanke: „Wir brauchen für unsere Demokratie die Konkurrenz der Meinungen und Politikangebote – in Reden und Gegenrede und vor allem ohne Einschüchterung und Gewalt. Das Ringen um das richtige Argument bedingt die Begegnung im Dialog. Wer nur auf Kundgebungen geht, um andere am Reden zu hindern, der wendet sich gegen genau die offene Debatte, die er einfordert.“ Die Rolle der Presse sei dabei wichtiger denn je. - kuz

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

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