Vor 50 Jahren eröffnete Henrich Focke seinen privaten Windkanal

Pionier der Luftfahrt

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Dr. Kai Steffen beim Einbau eines neuen Propellers für den Windkanal. ·

Bremen - Vor 50 Jahren eröffnete der Focke-Windkanal an der Emil-Waldmann-Straße 4. 1961 begann der Bremer Luftfahrtpionier Henrich Focke mit den Arbeiten an seinem privaten Labor, zwei Jahre präsentierte er es am 28. November 1963 einem aerodynamischen und flugtechnischen Fachpublikum.

Nach den Zweiten Weltkrieg kaufte Focke das Wohnhaus mit dem gartenseitigen Flachbau in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofes. Hier errichtete er im hohen Alter von 71 Jahren ein Fluglabor mit Windkanal, um unabhängig von dem Gutdünken anderer zu forschen. Zu dieser Zeit hatte Focke gerade seinen Arbeitsplatz bei den Borgward-Werken verloren, da der Konkursverwalter Semmler den angeblich viel zu teuren Hubschrauberbau sofort stoppte.

In seinem Privatlabor wollte er an den wirklich wichtigen Phänomenen der Aerodynamik forschen, sagt heute Dr. Kai Steffen, der sich der Rettung und Erhaltung des Labors verschrieben hat. Sein Hauptaugenmerk richtete Focke beispielsweise auf die Nachstrompropulsion und die Effekte der Niedergeschwindigkeitsaerodynamik.

Schließlich lag dem Ingenieur die Flugsicherheit durch eine sichere Aerodynamik und hohe Flugstabilitä am Herzen. Offenbar seien seine Ergebnisse so wegbereitend, dass der Flugzeughersteller Airbus bis heute mit seinen Erkenntnissen arbeite, so Steffen.

Nach Fockes Tod 1979 verfiel das Gebäude und der Knaal immer mehr. Erst 1998 bildete sich eine Initiative zur seiner Rettung. Nach einer fünfjährigen Spendensuche begann die Sanierung, ab 2005 bekam auch die Öffentlichkeit Einblicke in den Windkanal. Noch im selben Jahr erhielt der Förderverein „Focke-Windkanal“ den Deutschen Preis für Denkmalschutz.

In den Folgejahren wurde – auch dank vieler Sachspenden der Bremer Wirtschaft – die Anlage aerodynamisch optimiert und damit nach Angabe von Steffen eine der genausten der Republik. Die Zusammenarbeit mit einer Firma aus der Windenergiebranche, die hier regelmäßig Versuche unternehmen wollte, und eine damit einhergehende löangfristige Finanzierung des Denkmals scheiterte Steffen zufolge an Differenzen mit den Erben von Henrich Focke. Dennoch hofft der Verein nach wie vor, mit ihnen eine zukunftsfähige Lösung zu erarbeiten. Und so freut sich der Verein über Spenden, insbesondere um im Winter zu heizen und das Fluglabor bis zum Ende seines Nutzungsvertrages im Jahr 2025 frei zugänglich zu halten.

Morgen, Sonntag, finden von 12 bis 17 Uhr stündlich kostenlose Führungen im Windkanal statt. · vr

http://www.focke-windkanal.de

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