Engagierte wie der Bremer Gunther Molle ebnen den „Special Olympics“ in Deutschland den Weg

Pionier des Behindertensports

Gunther Molle (82) mit seiner Wassergymnastik-Gruppe im Südbad in der Bremer Neustadt.

Bremen - Von Dieter SellBREMEN (epd) · Bei Gunther Molle steigt die Spannung. Am Montag beginnen in Bremen die nationalen Sommerspiele für geistig behinderte Menschen, die „Special Olympics“, zu denen 4 550 Aktive erwartet werden. Molle gehört zu den Freiwilligen, die das Ereignis vorbereiten.

Molle ist mehr als das: Der 82-Jährige leitet seit längerem ebenfalls ehrenamtlich Wassergymnastik für geistig behinderte Menschen. Als er vor 50 Jahren als angehender Sozialarbeiter in die Behindertenhilfe einstieg, wäre das undenkbar gewesen.

Geistig behinderte Menschen und Sport – und dann noch in der Öffentlichkeit? „Nein, das hat es damals nicht gegeben“, erinnert sich Molle. Heute ist er mit seiner etwa 20-köpfigen Behindertengruppe wöchentlich Gast im Warmwasserbecken des Bremer Südbads. Arme ausschütteln, mit den Beinen strampeln, mit den Händen durch das Becken pflügen: Je höher das Wasser spritzt, desto größer ist der Spaß. „Ich merke, wie nötig die Männer und Frauen die Bewegung haben“, sagt Molle, der vor vielen Jahren die Schwimmlehrer-Prüfung abgelegt hat und seither selbst mit Feuereifer dabei ist.

Vor einem halben Jahrhundert hatte er die Aufgabe, Eltern von den Vorteilen der Bremer Behindertenwerkstatt Martinshof zu überzeugen. Das war nicht einfach, denn die Erinnerung an die systematische Ermordung Behinderter im Nationalsozialismus war noch lebendig. Molle: „Viele behinderte Menschen wurden zu Hause versteckt und weder gefördert noch gefordert. Sie galten ja als bildungsunfähig.“ Der junge Sozialarbeiter ergriff die Initiative und trug seinen Teil dazu bei, dass behinderte Menschen in der Gesellschaft mehr und mehr akzeptiert wurden. So gründete er mit anderen die Lebenshilfe in Bremen. „Wir wollten unter anderem mit Sport in die Öffentlichkeit gehen, um die Isolation behinderter Menschen zu durchbrechen“, denkt Molle zurück.

Das ist auch ein Leitgedanke der internationalen „Special-Olympics“-Bewegung, die 1968 in den USA durch die Politiker-Familie Kennedy gegründet wurde und mittlerweile fast 180 Länder der Erde verbindet. „Durch die Wettbewerbe wollen wir behinderten Menschen mehr gesellschaftliche Anerkennung verschaffen“, sagt der Präsident des deutschen Organisationskomitees, Hans-Jürgen Schulke.

Nach den ersten deutschen Sommerspielen 1998 in Stuttgart werden die nationalen „Special Olympics“ im Zwei-Jahres-Rhythmus organisiert. „In jedem von uns steckt ein Held“ lautet vom 14. bis 19. Juni das Motto in Bremen. 2012 sind die Sommerspiele in München geplant.

Engagierte wie Gunther Molle haben dieser Bewegung den Weg geebnet. „Er hat keine Berührungsängste und sieht sofort, ob es jemandem heute gut oder schlecht geht“, sagt Udo Klee (43), der den gebürtigen Schlesier Molle im Schwimmkurs unterstützt. „Er versteht es, den Teilnehmern Mut zu machen, falls es mal nicht so läuft.“

Das passt zu dem Eid, unter dem die Sportler in Bremen antreten: „Lasst mich gewinnen. Doch wenn ich nicht gewinnen kann, lasst mich mutig mein Bestes geben“. Bis zum 19. Juni sollen etwa 5 000 Medaillen in 20 Sportarten vergeben werden. Die Schwimmwettbewerbe gehören neben Fußball und Leichtathletik zu den Disziplinen mit den meisten Meldungen.

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