Schwere Zeiten für Diebe und Einbrecher: Mit künstlicher DNA sollen Eigentumsdelikte eingedämmt werden

Pilotprojekt hilft gegen „Dauerleiden“

Polizeibeamtin Andrea Wittrock auf der Suche nach den Microdots, Innensenator Ulrich Mäurer (M.) und der Leiter des SZ Utbremen, Joachim Seek, schauen interessiert zu.

Bremen - Von Ralf Sussek · Mit einem bundesweiten Pilotprojekt will die Bremer Polizei Diebe und Einbrecher abschrecken. Helfen soll dabei eine Flüssigkeit, die als künstliche DNA bezeichnet wird.

Sie ist flüssig, unauffällig und nur bei bestimmtem Lichteinfall sichtbar. In ihr befinden sich zusätzlich winzige, mit Zahlen codierte Kunststoffplättchen („Microdots“). Jeder Fläschcheninhalt hat eine andere Zahlencodierung, ist einzigartig. Die Kunst-DNA kann auf wertvolle Gegenstände ähnlich wie ein Lack aufgetragen werden, allerdings nur als kleine Markierung. Im UV-Licht wird diese Markierung sichtbar. Mittels der Zahlencodierung kann der Gegenstand dann einem Eigentümer zugeordnet werden.

Allerdings nur, wenn dieser sich in einer Datenbank anmeldet. Dort kann er auch beispielsweise den eventuellen Verkauf eines markierten Gegenstandes eintragen.

Seit dem Frühjahr arbeitet das Landeskriminalamt an dem Projekt (wir berichteten). Nun wird es in drei Stufen bis Ende des Jahres umgesetzt: Ab Montag wird die künstliche DNA flächendeckend an Bremer und Bremerhavener Schulen verteilt. Dort werden damit wertvolle Gegenstände wie Computer und Beamer markiert.

Das Computermikroskop macht bei Schwarzlicht die DNA und einen Microdot (schwarzer Punkt auf dem Bildschirm) sichtbar.

Allein im Schulzentrum Utbremen dürften das rund 1 500 Gegenstände sein, schätzt Schulleiter Joachim Seek. Im November erhalten je 1 000 Haushalte in zwei Projektquartieren – in Bremen die Südervorstadt – kostenlose DNA-Sets. Dazu gehören neben der Flüssigkeit Aufkleber, die Diebe und Einbrecher warnen sollen. Denn Abschreckung ist der eigentliche Zweck der künstlichen DNA. Schließlich hat das Land Bremen hohe Raub- und Diebstahlszahlen: 2008 wurden, so Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) gestern, 2876 Wohnungsein- und 10 699 Autoaufbrüche verzeichnet. Ein „Dauerleiden“, wie Mäurer meint.

Nun soll der „Patient“ mit Hilfe der DNA gesunden. Übrigens soll sie auch gegen Räuber eingesetzt werden. In Projektstufe drei könnten diverse Tankstellen mit „DNA-Duschen“ ausgerüstet werden; Räuber werden dann auf Knopfdruck oder automatisch mit der DNA besprüht. Die hält, „so glauben wir“, wie Mäurer gestern unter Gelächter sagte, sechs Wochen auf der Haut, auf in Räumen genutzten Gegenständen unbegrenzt.

Der Einsatz der künstlichen DNA in den Niederlanden und England soll teilweise einen Rückgang von 80 Prozent bei Einbrüchen bewirkt haben. Ein DNA-Set (reicht für 50 bis 75 Gegenstände, mit Warnaufklebern und UV-Lampe und dreijährigem Datenbankzugriff) können laut Polizei und Hersteller alle Bewohner der Postleitzahlgebiete 26, 27 und 28 bis November 2010 zum Vorzugspreis von 75 (statt 120) Euro direkt beim Hersteller SDNA Forensische Markierungstechnologie über das Internet bestellen. Die umständliche Bestellprozedur mit schwer durchschaubaren, zum Teil widersprüchlichen und unzulässigen (Netto-)Preis und Rabattangaben bedürfte jedoch einer Überarbeitung.

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