Das Jahr 2009 bei der Polizei: Künstliche DNA soll Täter abschrecken / Ex-Schüler bringt Lehrerin um

Ein Pilotprojekt mit „Dusche“

Künstliche DNA soll helfen, Straftäter zu fangen – ein bundesweit beachtetes Bremer Pilotprojekt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· „DNA-Spuren führen zum Täter.“ An bremischen Schulen zum Beispiel kleben inzwischen deutlich sichtbare Hinweisschilder, die auf sie hinweisen – auf die künstliche DNA, die helfen soll, Einbrecher abzuschrecken. Das spektakuläre Bremer Pilotprojekt sorgte in diesem Jahr bundesweit für Schlagzeilen.

Im November wurde die farblose Flüssigkeit kostenlos an 2 000 Haushalte verteilt. Bürger sollen damit ihre Wertsachen markieren. In zwei Stadtteilen in Bremen und Bremerhaven wurden zudem Schilder aufgestellt, die auf die künstliche DNA hinweisen. In der Stadt Bremen ist es die Südervorstadt, die zur Neustadt gehört.

Bremen ist das erste Bundesland, das die Flüssigkeit testet. Sie haftet wie ein transparenter Lack auf den markierten Dingen. Unter UV-Licht wird sie sichtbar. Und sie gilt als einzigartig, als unverwechselbar – wie die menschliche DNA, die nun schon seit Jahren ein wichtiges Werkzeug der Kriminalisten ist. Die künstliche DNA der Bremer Ermittler enthält zudem winzig kleine Plättchen mit einer Nummer („Microdots“), die den jeweiligen Eigentümern zugeordnet ist. Polizisten können die Ziffern mit einem Computermikroskop lesen.

Nach Angaben des Innenressorts von Senator Ulrich Mäurer (SPD) zeigen Erfahrungen aus Großbritannien und den Niederlanden, dass sich die Zahl der Einbrüche und Diebstähle mit Hilfe der künstlichen DNA deutlich senken lässt. Das Land Bremen und private Sponsoren finanzieren das 90 000 Euro teure Pilotprojekt.

Die künstliche DNA soll auch gegen Räuber eingesetzt werden. Kurz vor dem Weihnachtsfest wurden erste Tankstellen mit „DNA-Duschen“ ausgerüstet: Räuber werden auf Knopfdruck oder automatisch mit der DNA besprüht. Die soll sich sechs Wochen lang auf der Haut halten. Bis gestern aber kam noch keine „DNA-Dusche“ zum Einsatz.

Keine künstliche, sondern echte DNA half bei der Aufklärung eines Falls aus Bremen-Nord. Ein 42-jähriger Mann soll am 1. September maskiert über die Terrassentür in die Wohnung einer 21-jährigen Frau in Burgdamm eingedrungen sein. Die Frau wurde gefesselt, mit einem Messer verletzt und vergewaltigt. Auf die Spur des 42-Jährigen kamen die Ermittler nach einem DNA-Massenspeicheltest.

Am 9. Oktober nahmen sie ihn in Burglesum fest. Zuvor hatten sie 953 Speichelspuren gesammelt – jene mit der Nummer 648 führte zu dem Mann. Er zählte zu den Kunden eines Sportstudios, das die Frau regelmäßig besucht hatte. Inzwischen erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Hafenfacharbeiter aus Schwanewede – wegen Vergewaltigung, gefährlicher Körperverletzung sowie des Besitzes kinderpornographischer Schriften.

Überregionale Aufmerksamkeit – und vor allem Anteilnahme – erregte ein Fall aus der Vahr. Zwei damalige Mitarbeiter des Malteser-Hilfsdiensts, ein 32 Jahre alter Fahrer und ein Zivildienstleistender, vergaßen im April ein autistisches Mädchen in einem Kleinbus. Welche Ängste die achtjährige Miriam über Nacht – angeschnallt auf dem Sitz – ausgestanden hat, kann niemand ermessen. Der Fahrer wurde entlassen, der Dienst des „Zivis“ endete kurze Zeit nach dem Vorfall ohnehin; bis dahin wurde er freigestellt. Die Malteser entschuldigten sich mehrfach bei der Familie des Mädchens. Ein juristisches Nachspiel gab es obendrein. Das Amtsgericht erließ Strafbefehle über 320 und 480 Euro.

Fassungslosigkeit löste ein Verbrechen gegen Ende des Jahres aus. Ein ehemaliger Schüler (21) tötete in St. Magnus eine Lehrerin (35) mit mehr als 20 Messerstichen – vor ihrer Wohnung. Bis März dieses Jahres hatte der junge Mann das Gymnasium in Osterholz-Scharmbeck besucht, wo das spätere Opfer ihn im Fach Chemie unterrichtete. Der 21-Jährige war in die Lehrerin verliebt und hatte sie schon seit längerem verfolgt, Dossiers angelegt, einen Peilsender an ihrem Auto befestigt.

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