Martin Günthner (SPD) ist seit 100 Tagen im Amt und möchte ein „Kümmerer für Unternehmen“ sein

Der Philipp Bargfrede des Senats

Plötzlich Senator: Martin Günthner (SPD) nach seiner Vereidigung im Februar in der Bürgerschaft.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· „Ich habe mir vorgenommen, undogmatisch und unideologisch an Themen heranzugehen.“ Martin Günthner (SPD) blickt nun auf seine ersten 100 Tage im Amt des Senators für Wirtschaft, Häfen und Justiz zurück. Er ist der Mann, dem die oppositionelle CDU keine 100-Tages-Schonfrist gewähren wollte.

Ende Februar war Günthner, 34, Nachfolger von Ralf Nagel geworden, der nach Kritik an seiner Amtsführung – ein Vorwurf: mangelnde Präsenz – zurückgetreten war. Günthner ist präsent. Er besucht Unternehmen in Bremen und Bremerhaven, er geht zu seinen öffentlichen Terminen.

Kritiker hatten dem jungen Mann anfangs nicht viel zugetraut. Inzwischen ist so mancher, der ihn erlebt hat, überrascht. Günthner, immer schick im Anzug, ist ein Politiker, der nicht nur in vorgestanzten Phrasen spricht. Um einen Vergleich aus der Welt des Fußballs zu bemühen: Martin Günthner könnte der Philipp Bargfrede der Politik-Saison (sprich: Legislaturperiode) werden – der junge Stammspieler, mit dem niemand gerechnet hat.

Er kam zu einem nicht gerade idealen Zeitpunkt ins Team – 15 Monate vor der Bürgerschaftswahl. Da bleibt nicht viel Zeit, spektakulär Akzente zu setzen. Geld dafür ist ohnehin nicht da. Die Füllhorn-Jahre der großen Koalition, als unter dem Motto „Sparen und Investieren“ vor allen Dingen auch sehr viel investiert wurde, sie sind vorbei.

Günthner weiß dies, und er richtet seine Strategie danach aus. Was kann ein Wirtschaftssenator groß machen in Zeiten leerer Kassen? Er kann ein „Kümmerer für Unternehmen“ sein, sagt Günthner. Und: „Er soll Unternehmen Türen öffnen.“ Was bisweilen auch bedeute, Kontakte zu organisieren, Unternehmer mitein ander ins Gespräch zu bringen. Die Kommunikation spielt bei ihm ohnehin eine zentrale Rolle. Den üblichen politischen Spielchen möchte er sich dabei gern entziehen, reflexhafte Spontanreaktionen auf Provokationen lehnt er ab. Wenn der grüne Umweltsenator von einer City-Maut spricht, gibt sich der SPD-Wirtschaftssenator cool: „Falls wir so groß wie London werden, lohnt sich das.“

Günthner möchte lieber das Gespräch über Bremens wirtschaftliche Stärken voranbringen. Wie ein Moderator. Er weiß, dass im Wirtschaftsalltag vieles von Psychologie und Stimmung beeinflusst wird, und er möchte dieses Wissen nutzen. Bremen dürfe nicht so „verschämt“ von seinen tollen Unternehmen sprechen – auch dann, wenn diese Autos bauen oder gar im Rüstungsgeschäft sind. Da ist es dann, das erklärtermaßen Undogmatische.

Dass Bremen nicht eine, sondern die Stadt der Raumfahrt ist, werde nicht genug „herausgestellt“, sagt der Senator. Dabei müsse Bremen sich profilieren – klar, deutlich, mit nicht zu vielen Themen. Häfen und Logistik, Nahrungsmittel, Industrie – das sind für ihn die zentralen Wirtschaftsthemen. Ein Thema will er jetzt richtig besetzen. Es gelte, die Industrie „stärker in den Fokus“ zu rücken – nach jahrelanger starker Betonung von Dienstleistung und Tourismus. Doch, so Günthner: „Wir können uns nicht alle gegenseitig die Haare schneiden, dadurch wird keine Wertschöpfung erzielt.“ Demnächst werde er also einen Masterplan Industrie vorlegen. „Wir müssen auch deutlich machen, dass Bremen sich freut, so ein großes Mercedes-Werk zu haben.“

WWW.

wirtschaft.bremen.de

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