Ein Phantasiewesen mit Wuschelmähne nimmt Kindern die Angst vor der Klinik

„Schnobbl“ passt auf

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Mit dem kuschligen „Schnobbl“ hilft Raimond Ehrentraut Kindern, Angst vor einem Krankenhausaufenthalt abzubauen.

Bremen - Von Thomas Joppig. „Schnobbl“ passt auf, damit nichts passiert. Das lernt jedes Kind, bevor es ins Krankenhaus St.-Joseph-Stift kommt. „Schnobbl“ ist ein orange-braunes Phantasiewesen mit Wuschelmähne, sein Erfinder ist ein Pfleger. Mit Hilfe des Kuschelgeschöpfs werden Kinder auf ihren Klinikaufenthalt vorbereitet, um ihnen Ängste zu nehmen.

An die Eindrücke seines ersten Klinikaufenthalts – eine Mandeloperation als Siebenjähriger – kann sich Raimond Ehrentraut noch genau erinnern. Er erzählt von den Lampen, mit denen man ihm in den Mund leuchtete. Von den unheimlichen Instrumenten. Von den Aufforderungen, stillzuhalten. „Ich habe mich völlig ausgeliefert gefühlt“, sagt Ehrentraut. Mittlerweile ist für den 54-Jährigen die Frage, wie sich Menschen im Krankenhaus fühlen, zum Lebensthema geworden. Als Schmerzmanager im St.-Joseph-Stift kümmert er sich darum, dass Patienten bei Schmerzen nach festgelegten Standards behandelt werden.

Doch Schmerzbehandlung ist für den Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin nicht nur eine medizinische Aufgabe. „Es geht auch darum, den Patienten gut auf das vorzubereiten, was mit ihm passiert. Das lindert Ängste und hilft, mit Schmerzen besser zurechtzukommen.“ Doch wie macht man das bei Kindern zwischen zwei und zehn Jahren? Für sie hat Ehrentraut „Schnobbl“ erfunden. „Schnobbl“ ist viel mehr als ein niedliches Kuschelwesen. Hinter der Figur steckt ein ausgeklügeltes Konzept, um kleine Patienten angstfrei auf ihren Klinikaufenthalt vorzubereiten.

Jedes Jahr kommen rund 800 Kinder zwischen zwei und zehn Jahren ins St.-Joseph-Stift. Der fünfjährige Ben ist einer der kleinen Patienten. Vor kurzem sind seine Rachenmandeln entfernt worden. Für Ärzte ein Routine-Eingriff, für Kinder ein Ereignis, das viele Ängste wecken kann. „Kinder erleben einen Krankenhaus-Aufenthalt oft anders als Erwachsene“, sagt Ehrentraut. „Für sie ist nicht nur die Operation etwas Bedrohliches, sondern auch die Atmosphäre im Krankenhaus.“ Hinzu komme oft noch die Sorge der Eltern, die sich auf die Kinder übertrage. „Es ist wichtig, all diese Ängste der Kinder ernstzunehmen und zu mildern.“

Bei Ben ist das offensichtlich geglückt. Er wirkt so, als sei der Krankenhaus-Aufenthalt für ihn eher ein Abenteuer gewesen. „Das war gut“, sagt er, grinst und drückt seinen Plüsch-„Schnobbl“ an sich. Den hat er von der Krankenschwester geschenkt bekommen. „Er nimmt ihn immer noch jeden Abend beim Schlafengehen mit ins Bett“, sagt Bens Mutter Carola Weilhammer. Sie und ihr Mann Frank waren angenehm überrascht, wie durchdacht das Krankenhaus versucht, Kindern die Angst vor dem Klinikaufenthalt zu nehmen. Das liegt auch an der Geschichte rund um „Schnobbl“. Sie wird auf einer Hörspiel-CD erzählt, die Eltern ihren Kindern vor dem Klinik-Aufenthalt vorspielen sollen. Die Story handelt vom Reporter Toni Baroni, der versucht, geheimnisvollen Wesen im Krankenhaus auf die Schliche zu kommen – den „Schnobbls“. Eine spannende Geschichte für Kinder, kombiniert mit Liedern zum Mitsingen. Die Botschaft an die kleinen Patienten: Die „Schnobbls“ passen auf, dass nichts passiert.

In der Klinik weisen dann „Schnobbl“-Aufkleber und Stern-Spuren Kindern und Eltern den Weg. Im Krankenzimmer wartet ein „Schnobbl“ auf dem Bett des Kindes. Im Aufwachraum hören die Patienten nach der Operation die vertraute Musik aus dem Hörspiel. Ehrentraut hat das Konzept erstmalig in Deutschland im St. Joseph-Stift eingeführt. Mittlerweile haben weitere fünf Kliniken die „Schnobbls“ für ihre kleinen Patienten angeheuert. Für sein Engagement erhielt Ehrentraut 2012 im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses die Auszeichnung „Pain Nurse des Jahres“.

www.schnobbl.de

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