Mein Kunst-Stück mit Kerstin Schlamann

„Kerzenständer Baumbart“: Phantasie in Ton

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Kerstin Schlamann präsentiert ihre verästelte Tonskulptur „Kerzenständer Baumbart“. 

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Kerzenständer Baumbart“ heißt Kerstin Schlamanns Keramik, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Die verästelte Skulptur lehnt sich an Mythen und Fabelwesen an. Trolle und Drachen besiedeln auch Schlamanns Teekannen und Vasen.

Aus schamottiertem Ton formte Kerstin Schlamann 2018 ihren „Kerzenständer Baumbart“. Die Idee dazu lieferte die Fantasy-Geschichte „Der Herr der Ringe“ mit ihren knorrigen Baumgestalten, Trollen und anderen Wesen. Ein kleiner Troll sitzt auch auf dem Stamm des „Baumbarts“ und spielt Flöte. „Mit Kerzenlicht hat es etwas Magisches und Mystisches“, freut sich Schlamann. Außerdem liebt die Kunsthandwerkerin Bäume. Sie ist gern im Wald. „Das gibt einem Ruhe. Man spürt, wie man einen Bezug zur Natur bekommt und Frieden findet.“

Auf mittelalterlichen Märkten wie dem „Schlachte-Zauber“ oder dem „Mittelalterlichen Phantasie Spectaculum“ verkauft Schlamann ihre phantasievollen Produkte. Dazu zählen Wikingerschiffe, Büchertassen, tönerne Rosenvasen mit Drachen, Zwiebeltöpfe und Baumkerzenständer. Die Gegenstände werden damit ganz nebenbei zu Requisiten des nachgestellten Zeitalters voller Sagen und Mythen.

Die Herstellung der Keramiken erfordert Fingerspitzengefühl. „Für so feine Arbeiten braucht man Geduld und Sorgfalt“, sagt Schlamann. Um auf eine schwere Teekanne noch kleine Figuren zu setzen, müssen der Ton des Korpus und der Figuren die gleiche Feuchtigkeit besitzen. Im eigenen Ofen brennt die Bremerin ihre Objekte bei 1 120 Grad Celsius. „Wenn dabei ein Stück kaputtgeht, dann hat man verloren“, sagt Schlamann. Im Nachhinein lasse sich nichts mehr ausbessern.

Auf die Keramikkunst ist die 1969 in Hoya geborene Künstlerin durch einen Zufall gekommen. Eigentlich wollte sie eine Ausbildung zur „umweltschutztechnischen Assistentin“ machen. Doch dann stieß sie in der Zeitung auf eine Anzeige, in der ein Töpferlehrling gesucht wurde. Sie nahm die Lehrstelle an. Und töpferte danach in Varel, Osnabrück und Bonn. In Höhr-Grenzhausen besuchte sie die Fachschule für Keramikgestaltung und machte ihren Meister. In Koblenz führte sie einen eigenen Laden. Seit elf Jahren lebt und arbeitet sie in Bremen.

Der Arbeitsalltag Schlamanns richtet sich nach dem Bedarf. Im Sommer können die Tage in ihrem Keramikatelier „Erdreich“ lang werden. „Für die vielen Märkte müssen die Brennöfen rechtzeitig fertig werden“, sagt sie. Die Herausforderung des Kunsthandwerkerlebens sei es, damit Geld zu verdienen. „Einige Menschen kennen sich nicht aus und verstehen den Preis nicht, andere wissen um die Arbeit, aber haben das Geld nicht.“ Manchmal sei es mühsam, zu verkaufen und man frage sich, ob sich das noch lohnt. Doch letztlich macht die Arbeit zu viel Spaß.

Ob wir Kunst brauchen? „Kunsthandwerk macht die Welt einfach schöner. Die Dinge machen Freude, und damit ist Kunst sinnvoll.“ Zu den Künstlern, die für die Wahl-Bremerin besonders bedeutend sind, zählen das spanische Multitalent Salvador Dalí (1904 bis 1989) und der Schweizer Alberto Giacometti (1901 bis 1966). Von Dalí besitze sie seit 20 Jahren ein Bild mit als Elefanten gespiegelten Schwänen. „Es wird mir nicht über. Ich freue mich jeden Tag darüber. Denn es gibt so viel darauf zu entdecken.“ Bei Giacometti gefällt der Bremerin dessen Formensprache mit den dünnen hohen Figuren. „Sie sind aufs Wesentliche reduziert und sehr ausdrucksstark“, so Schlamann. Auch Giacometti selbst sei eine interessante Persönlichkeit gewesen. Wenn die Künstlerin jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein „Baumbart“ an den Naturschutzbund (Nabu). „Als Dank und Anerkennung für die Arbeit, die sie dort leisten. Es ist so wichtig, dass sie sich um die Natur kümmern.“

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