Weltweite Nachfrage

Der Pflanzen-Roboter: Bremer Innovation bekommt den „Umweltpreis“

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Vollautomatische Anzucht: „Robo-Cut“ – hier der Prototyp im Labor – eignet sich für die Produktion von Zier- und Nutzpflanzen. Das Spektrum reicht von der Orchidee bis zur Kartoffel.

Bremen - Am Anfang stand die Orchidee. Sie ist das klassische Produkt des Bremer Pflanzenherstellers Bock Bio-Science. Inhaberin Friederike von Rundstedt und ihr Mann Stephan von Rundstedt, geschäftsführender Gesellschafter, fragten sich: Lässt sich die Produktion automatisieren. Wenn ja, in welchem Maße? Die Antwort darauf hat ihnen am Dienstagabend den mit 10.000 Euro dotierten „Bremer Umweltpreis“ eingebracht.

Die Antwort, sie heißt „Robo-Cut“ – und ist weltweit gefragt. Acht Jahre Entwicklungszeit und gut zehn Millionen Euro Investitionskosten stecken in der ersten vollautomatischen Produktionsmethode für Zier- und Nutzpflanzen. „Wir haben etwas geschaffen, was es in dieser Form noch nicht gibt“, sagt Stephan von Rundstedt.

„Robo-Cut“ vereint Künstliche Intelligenz und 3-D-Bilderkennung, Robotik und Laserschnitttechnik. Der Laserschnitt wird gebraucht, um Pflanzen, die per Teilung vermehrt werden, zu trennen. Bisher machen das Menschen im Labor. Bock Bio-Science zum Beispiel beschäftigt Labore in Tschechien, Indien und China. Die Produktion in Niedriglohnländern – und die damit verbundenen Warentransporte – wären mit dem „Robo-Cut“-System nicht mehr nötig. Der Roboter ist eine vollautomatische und sterile Produktionszelle. Und er eignet sich eben nicht allein für Orchideen. „Robo-Cut“ vermehrt beispielsweise auch Kartoffeln und Blaubeeren, Dattelpflanzen und Obstgehölze.

Bei Bock Bio-Science in Borgfeld steht bislang ein etwa zwei Meter mal drei Meter mal 2,80 Meter großer Prototyp. Mitte November soll der erste Serien-Roboter in Betrieb gehen. Die technische Innovation wird ihr Unternehmen verändern, das wissen Friederike und Stephan von Rundstedt. „Wir werden vom Pflanzenproduzenten zum Robotikanbieter.“

International gefragt: Friederike und Stephan von Rundstedt von Bock Bio-Science in Borgfeld.

Frühzeitig hatten die Unternehmer erkannt, dass die Antwort auf ihre Ausgangsfragen größer ausfallen würde als ursprünglich gedacht: „Uns wurde klar, dass wir die Technik anbieten müssen. Jetzt reden wir mit unseren Mitbewerbern  – was für ein Change“, sagt Friederike von Rundstedt. Und sie sagt: „Der Markt für ,Robo-Cut‘ ist sehr, sehr groß.“

„Es gibt ein international großes Echo“, so Stephan von Rundstedt. Gerade erst ist das Unternehmerpaar von einer Reise durch die Vereinigten Staaten und Kanada zurückgekehrt. „Dort haben wir potenzielle Kunden für unsere Technologie besucht.“ In Kanada zum Beispiel ging es um Hanfproduktion und Cannabisanbau für medizinische Zwecke. „Robo-Cut“ kann auch Cannabis. Eine Maschine kostet 500.000 Euro, sagt Stephan von Rundstedt. Geplant sei es zunächst, etwa 25 „Robo-Cut“-Maschinen pro Jahr zu verkaufen. Bei der Produktion der Roboter kooperieren die Bremer mit dem Unternehmen DMP Sondermaschinenbau in Lohne (Oldenburg).

„Strahlkraft weit über Bremen hinaus“

„Strahlkraft weit über Bremen hinaus“ habe die Entwicklung von Bock Bio-Science, sagt Ralf Stapp von der Bremer Förderbank BAB, die den „Umweltpreis“ finanziert. „Robo-Cut“ hat sich in dem Wettbewerb gegen 19 Mitbewerber durchgesetzt; sechs Unternehmen waren ins Finale gekommen. In der Jury saßen Wirtschafts- und Kammervertreter, Klimaschützer und das Bremer Umweltressort.

Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) lobt denn auch den Klimaschutzaspekt der Erfindung – und den mit „Robo-Cut“ verbundenen reduzierten Einsatz von Pestiziden. „Das ist ein Super-Beispiel für eine moderne Landwirtschaft“, so die Senatorin weiter. Ein Beispiel, dessen Grundidee von der Orchidee gekommen ist.

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