Petermann-Premiere: „Auf der Spur des Bösen“ im Bremer Kriminaltheater

Schonungslos und spannend

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Spurensicherung... aber auch die Arbeit des Fallanalytikers beginnt am Tatort: Szene aus „Auf der Spur des Bösen“ im Bremer Kriminaltheater.

Bremen - Von Isabel Niesmann. Um 5.45 Uhr fährt der Nachtzug aus Stuttgart in Bremen ein. Alles scheint normal – bis auf ein Zugabteil: Hier liegt ein toter Mann auf dem Boden. Am Fenster sind Blutspritzer, in der Brust hat er eine Schusswunde und seine durchwühlte Reisetasche liegt neben ihm.

„200 Reisende sind in dem Zug, das heißt: 200 potenzielle Zeugen und 200 potenzielle Täter“, fasst Profiler Axel Petermann (gespielt von Uwe Seidel) die Fakten zusammen.

Das Theaterstück „Auf der Spur des Bösen – Mordfälle, wie das Leben sie schreibt“ von Michael Pundt, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller des Bremer Profilers Axel Petermann, feierte jetzt im Bremer Kriminaltheater (Friesenstraße) Premiere – und nahm die Zuschauer direkt mit an die Tatorte.

Petermann, der als Premierengast im Publikum saß, gilt als erster und bekanntester Fallanalytiker Deutschlands. Regisseur Ralf Knapp inszenierte fünf echte Bremer Mordfälle und zeigte, was diese mit Ermittlern, Angehörigen und Verdächtigen machen.

Einer dieser Fälle ist der des amerikanischen Soldaten Tom How, der tot in dem Nachtzug aufgefunden wird. Petermann bemüht sich, den Fall zu rekonstruieren, versucht herauszufinden, was die Spuren am Tatort über die Psyche des Täters verraten und spielt den möglichen Tathergang durch.

„Keine Tatwaffe, keine Zeugen, keine Verdächtigen, keine Kampfspuren, nur ein Auszahlungsbeleg über 5000 Dollar“, so Petermann. Der Verdacht auf Raubmord liegt nahe. Petermann aber findet heraus, dass es ein Selbstmord war, der wie Raubmord aussehen sollte. Immer wieder wendet er sich direkt an das Publikum, erklärt Vorgehensweisen oder Fachvokabular. Er ist nicht nur Ermittler, sondern auch Familienvater und Kollege, ist sich manchmal selbst unsicher oder frustriert. Sein Team – Tina (Brit Bartuschka), Henry (Mark Derichs) und Guido (Mateng Pollkläsener) – ermittelt, zweifelt und leidet mit ihm.

Bartuschka, Derichs und Pollkläsener übernehmen gleichzeitig mehrere Rollen und wechseln zwischen Tätern, Opfern, Zeugen, Hinterbliebenen und Ermittlern. Die Zuschauer erleben Spannung und den Tod hautnah und schonungslos, können ihn sogar riechen.

Es ist kein Abend der gelösten Fälle, auch ungelöste werden auf der Bühne gezeigt. „90 Prozent der Tötungsdelikte klären wir auf, zehn Prozent nicht. Aber diese zehn Prozent fühlen sich nicht an wie zehn Prozent, sondern so, als ob wir den Opfern etwas schuldig sind“, erzählt Petermann.

Viele Fälle offenbaren menschliche Abgründe. Die Opfer werden teilweise nach langer und minutiöser Planung oder im Alkohol- oder Drogenrausch erwürgt, vergewaltigt oder gefesselt. Petermann: „Ich habe mich oft gefragt: Was ist das Böse?“ Seine Antwort: „Niemand muss ein böser Mensch sein, um Böses zu tun. Menschen verlieren die Kontrolle und bereuen danach.“

Die nächsten Aufführungstermine des Stücks „Auf der Spur des Bösen“ sind am Sonnabend, 27. Februar, um 20 Uhr und am Sonntag, 28. Februar, um 16 Uhr.

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