Die Perspektive wechseln

Psychologin: Ärzten fehlt Schulung zum Überbringen von schlechten Nachrichten

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Workshops und Seminare ergänzen das Kongressangebot des 28. Symposiums Intensivmedizin und Intensivpflege im Bremer Messezentrum.

Bremen - Ärzte sind nach den Erfahrungen der Kommunikationswissenschaftlerin Sybille Jung oft nicht gut darauf vorbereitet, eine schlechte Nachricht zu überbringen. Dabei könne es beispielsweise um eine ungünstige Diagnose gehen, nach der es keine Heilung gebe, sagte die Saarbrücker Expertin. Die Psychologin leitet heute, Mittwoch, den Workshop „Breaking bad news – Überbringen schlechter Nachrichten“ beim dreitägigen Symposium zur Intensivmedizin und -pflege im Bremer Messezentrum. Zur Tagung treffen sich 4 500 Teilnehmer.

Besonders ältere Kollegen seien oft nicht dafür ausgebildet, schlechte Nachrichten mitzuteilen, sagte Jung. Zwar gelinge das Gespräch oft „irgendwie“. Doch es passierten auch schwere Fehler. Ein gelingendes Gespräch stelle die Bedürfnisse des Patienten oder des Angehörigen in den Mittelpunkt, erläuterte Jung. „Das bedeutet für Ärzteschaft und Pflegepersonal einen Perspektivwechsel und macht es nötig, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen.“ Zentral sei beispielsweise aktives Zuhören, um zunächst einmal herauszufinden, wie aufnahmebereit der Gesprächspartner sei und welches Vorwissen er habe. „Die Infos müssen verständlich formuliert werden.“

Gespräche von großer Tragweite sollten nicht alleine geführt werden. So könnten ein Krankenhausseelsorger oder eine Pflegekraft dazu gebeten werden, die dann beim Patienten oder den Angehörigen bleiben könnten, wenn der Arzt gehen müsse. Wichtig sei auch, wo miteinander gesprochen werde. Jung warnte davor, Gespräche dieser Art auf dem Flur zu führen und empfahl einen geschützten Raum. In einer solchen Umgebung könne besser auf die emotionale Situation des Gegenübers reagiert werden. So stünden Menschen, die eine schlechte Nachricht bekämen, unter Schock, was Studien zufolge die Aufnahmefähigkeit von Informationen erheblich einschränke: „Dann ist ein Folgegespräch nötig.“ Jung forderte die Überbringer der Nachricht zudem auf, an sich selbst zu denken und Supervision oder kollegiale Beratung anzunehmen.

epd

Zur Information

4500 Teilnehmer bei Intensivmedizin-Kongress

Am Freitag, 16. Februar, tagt der größte verbandsunabhängige Kongress seines Fachgebiets in Bremen: Am 28. Symposium Intensivmedizin und Intensivpflege im Messezentrum auf der Bürgerweide nehmen 4 500 Experten aus entsprechenden Berufsfeldern teil. Knapp 500 Referenten gestalten das Vortrags-, Workshop- und Fortbildungsprogramm. Das Themenspektrum reicht von der aktuellen Sepsis-Definition über die naturheilkundliche Pflege auf der Intensivstation, Notfälle bei der Geburtshilfe, verletzten Kindern bis zu den Grenzen des medizinisch Möglichen. Auch Organspende ist ein Thema. Würde ein todkranker Patient nach seinem Tod seine Organe spenden? Hat er das selber nie festgelegt, müssen in Deutschland die nächsten Angehörigen entscheiden, was der mutmaßliche Wille des Toten war. So will es die erweiterte Zustimmungsregelung. 2017 sind die Spenderzahlen laut Deutscher Stiftung Organtransplantationen erneut gesunken. Reicht die Gesetzgebung nicht aus, sind Patienten nicht ausreichend informiert? Das sind Fragen, die das Symposium bearbeitet. Drei Institutionen veranstalten die umfangreiche Tagung: der Wissenschaftliche Verein zur Förderung der klinisch angewendeten Forschung in der Intensivmedizin, die Bremer HCCM Consulting sowie die Messe Bremen. 

www.intensivmed.de 

gn

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