„Perfide“ und „skrupellos“ 

Falsche Polizisten: Haftstrafen im Prozess um Millionenbetrug an Senioren

Muss für achteinhalb Jahre ins Gefängnis: der Hauptangeklagte im Betrugsprozess, Hikmet K. (3.v.r.). Er steckte laut Gerichtsurteil als „treibende Kraft“ hinter den Betrugstaten zu Lasten von Senioren. Foto: KOLLER
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Muss für achteinhalb Jahre ins Gefängnis: der Hauptangeklagte im Betrugsprozess, Hikmet K. (3.v.r.). Er steckte laut Gerichtsurteil als „treibende Kraft“ hinter den Betrugstaten zu Lasten von Senioren. 

Bremen - Einer der spektakulärsten Betrugsprozesse ist am Dienstag vor dem Landgericht Bremen mit der Urteilsverkündung zu Ende gegangen. Die vier Angeklagten, die über Jahre mit der Masche „falscher Polizist“ ahnungslose Senioren um ihr Erspartes gebracht hatten, müssen in Haft. Der Hauptangeklagte Hikmet K. (31) wurde zu mehr als acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Hikmet K. lebte in Saus und Braus. Teure Autos parkten vor seinem Haus, er leistete sich Designermode, unterhielt – zumindest offiziell – mehrere gut laufende Firmen. Die Millionen sind weg, die Autos auch. Die Firmen gibt es nicht mehr. Was bleibt für den 31-jährigen Türken, sind achteinhalb Jahre Haft für banden- und gewerbsmäßigen Betrug in 24 Fällen, die der Hauptangeklagte im Prozess um falsche Polizisten nun absitzen muss.

Was bleibt, sind beschämte Menschen, die aus Gutgläubigkeit, aber auch durch immensen Druck der falschen Polizisten um ihr Hab und Gut gebracht wurden. Was bleibt, sind Rentner, die noch heute unter den psychischen Folgen der reihenweise begangenen Betrugstaten leiden, verhöhnt wurden, sich unsicher fühlen, das Vertrauen in andere verloren haben.

Als „Logistiker“ und „Bindeglied“ muss Seref G. (sitzend) für drei Jahre und elf Monate in Haft.

An 46 Verhandlungstagen hatte die Kammer unter Vorsitz von Richter Manfred Kelle Dutzende von Betrugstaten zum Nachteil älterer Menschen zu behandeln. Es wurden Zeugen verhört, deren Vernehmungen, so der Richter, „zum Teil höchst emotional“ verlaufen seien. Es wurden Ermittler gehört, ihre Ergebnisse diskutiert – und letztlich ließen sich auch alle Angeklagten zu den Vorwürfen ein. Während das Gericht die Einlassungen der Angeklagten Seref G. (Türke, 25) und Ingo R. (47, Deutscher) von Reue getragen sah, hätten Marco B. (25, Deutscher) und Hikmet K. eher den Eindruck hinterlassen, dass sie das Geschehene „nicht besonders berühre“. Kelle nannte ihre Geständnisse „floskelhaft“. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sich die vier Männer über mehrere Jahre in unterschiedlicher Beteiligung am Ersparten anderer bereichert. Ihre Opfer kamen dabei unter anderem aus Paderborn, Hamburg, Gifhorn und aus Bremen. Sie waren 57 bis 91 Jahre – und ihnen allen wurde nahezu die gleiche Geschichte aufgetischt: Ihr Hab und Gut sei durch Diebesbanden in Gefahr, machten die Betrüger ihren Opfern weis, schnell müsse es an einen „sicheren Ort“ gebracht werden, es werde von „Polizisten“ abgeholt.

Mehr als zwei Millionen Euro ergaunerten die Männer dadurch. Den Großteil der Beute heimste Hikmet K. ein, der nach Auffassung des Gerichts als „Sicherer“ fungierte und für den Transfer des Geldes zu den Hintermännern in die Türkei verantwortlich war. Seref G., so das Gericht, übernahm die Rolle des „Logistikers“, Marco B. und Ingo R. agierten als „Abholer“. Sie bekamen trotz des größten Risikos, erwischt zu werden, zum Teil nur kleine „Löhne“. Das Geld, gut zwei Millionen Euro, so entschied das Gericht, wird Hikmet K. entzogen, zudem das Vermögen seiner Firmenkonten, auf denen sich ebenfalls mehrere hunderttausend Euro befanden. Zusätzlich muss K., der vier Verteidiger hatte, an eines seiner Opfer 210.000 Euro Schadensersatz zahlen.

Drei Jahre und elf Monate wegen Betrugs in Haft

Seref G. muss genau wie Ingo R. wegen gewerbsmäßigen Betrugs für drei Jahre und elf Monate in Haft, Marco B. für insgesamt dreieinhalb Jahre. Neben den Betrugstaten zum Nachteil älterer Menschen konnte das Gericht einigen Angeklagten auch massenhaften Betrug mit manipulierten Tachoständen und gefälschten Fahrzeugpapieren nachweisen.

Richter Kelle nannte das Vorgehen der Männer „perfide“ und „skrupellos“. Mit ihren Taten hätten sie „ihre Verachtung älteren Menschen“ gegenüber zum Ausdruck gebracht. Im Bereich der Betrugstaten, so Kelle, könne man sich „kaum etwas Verwerflicheres vorstellen“.

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