Gericht verurteilt zwei 30 und 33 Jahre alte Männer zu Haft- und Bewährungsstrafen

„Perfide Logistiker“

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Der 33-jährige Hankan C. (l.) ist am Donnerstag zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Rechts neben ihm: sein Anwalt Jürgen Meyer. Im Hintergrund rechts: der 30-jährige Ahmet K., der für drei Jahre und fünf Monate ins Gefängnis muss. Neben ihm: Anwalt Stephan Weinert.

Bremen - Von Steffen Koller. Das Landgericht Bremen hat am Donnerstag zwei Männer im Alter von 30 und 33 Jahren wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu drei Jahren und fünf Monaten Haft sowie zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Den Angeklagten wurde vorgeworfen, Teil einer Bande gewesen zu sein, die ältere Menschen durch Anrufe unter falscher Identität um ihr Vermögen gebracht hatte.

Dabei hätten sie laut Staatsanwalt, der das Vorgehen als „perfide“ bezeichnete, als Bindeglied zwischen Call-Centern und den eigentlichen Abholern fungiert. Wie perfide die Hintermänner dabei mutmaßlich vorgingen, legen Protokolle nahe, die während der Beweisaufnahme verlesen wurden. 

Mix aus aufgebautem Vertrauen und Druck führt zum Nachgeben der Geschädigten

So heißt es in der Aussage einer Frau, ein Mann habe sich als „Kriminalkommissar Wagner aus Lübeck“ ausgegeben und sie darüber informiert, dass die „rumänische Mafia“ im Besitz sowohl ihrer Bankdaten als auch ihrer Unterschrift sei. Die besagte „Mafia“ sei nun im Begriff, ihr Konto zu plündern und sie müsse umgehend ihr gesamtes Vermögen in ein Schließfach bringen, wo es bald abgeholt werde. Um der Frau womöglich Angst zu machen und der Forderung Nachdruck zu verleihen, teilte der vermeintliche Beamte mit, die „Täter“ seien im Besitz von scharfen Waffen.

158.000 Euro verlor die 77-Jährige letztlich – und das Vorgehen schien Methode zu haben, wie weitere Auszüge der Vernehmungen zeigen. Zum Teil mehrmals am Tag sollen die Anrufer sich bei den Senioren gemeldet haben, verlangten laut der Protokolle, dass sich die Betroffenen „abmelden“, sobald sie das Haus verließen und untersagten den Betroffenen jeglichen Kontakt zu „echten Polizisten“. Mal sollen sich die Anrufer als Mitarbeiter von „Interpol Wiesbaden“ ausgegeben haben, mal als Beamte des Bundes- oder Landeskriminalamtes.

Mit einem Mix aus aufgebautem Vertrauen und massivem Druck gelang es den Anrufern, deren Spur ins türkische Izmir führt, in zehn Fällen insgesamt fast eine halbe Million Euro zu ergaunern. Die Angeklagten räumten zu Prozessauftakt ein, als „Logistiker“ zwischen Anrufern und Abholern fungiert zu haben.

„Deal“ zwischen den Verfahrensbeteiligten ausgehandelt

In acht Fällen, die letztlich in das Urteil des 30-jährigen Ahmet K. einflossen, wurden die Senioren dabei um mehr als 350.000 Euro betrogen, so die Staatsanwaltschaft. Der 33-jährige Hankan C. wurde wegen dreier Taten verurteilt. Beide Männer, die türkische Wurzeln haben, sagten aus, sie hätten im Zeitraum von November 2015 bis Dezember 2016 Abholer und entsprechende Fahrzeuge organisiert. Für die Organisation hätte er rund zehn Prozent der Beute erhalten, sagte ein Mann.

Dem Urteil war ein Rechtsgespräch, ein „Deal“, zwischen den Verfahrensbeteiligten vorausgegangen. Gegen ausführliche Geständnisse wurde ein vorher festgelegter Strafrahmen nicht überschritten. Die Verteidiger hatten für den 30-Jährigen eine Höchststrafe von drei Jahren und drei Monaten, für den Hankan C. eine maximal eineinhalbjährige Bewährungsstrafe gefordert. Beide Anwälte kündigten an, keine Rechtsmittel einlegen zu wollen.

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