Der perfekte Moment

Max Raabe und sein Palastorchester begeistern Publikum im Metropol-Theater

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Ganz so, wie man ihn kennt: Max Raabe begeisterte am Sonnabend das Publikum im Metropol-Theater mit Stimme, Ironie und Doppelwitz - und gutem Stil.

Bremen - Von Steffen Koller. Der Anzug sitzt perfekt, dazu ein gut gewähltes Einstecktuch. Die Haare akkurat zur Seite gelegt, die Körperhaltung aufrecht und voller Stolz. Es gibt kaum einen Musiker, der die alte Schule so verkörpert, wie Max Raabe.

Am Sonnabend gastierte er zusammen mit dem Palastorchester im Bremer Metropol-Theater. Das annährend ausverkaufte Haus feierte den Meister der Zurückhaltung mit stehenden Ovationen. Und das vollkommen berechtigt.

Haltung. Es ist genau das, was dem Besucher sofort ins Auge fällt. Max Raabe betritt zusammen mit seinem zwölfköpfigen Orchester die Bühne und allein von der Körpersprache her ist klar: Dieser Mann fühlt sich einer Zeit verpflichtet, in der man den maßgeschneiderten Smoking noch mit Stolz trug. Keine Jogginghose im Supermarkt, stattdessen Etikette und immer eine Prise Selbstironie im Gepäck.

Schlager und Chansons finden weiterhin Publikum

Es sind die Schlager und Chansons der 20er- und 30er Jahre, die der 56-Jährige zusammen mit seinem vor 30 Jahren gegründeten Orchester hochhält. Und die bis heute ein breites Publikum finden. Das beweist einmal mehr das Konzert im Rahmen der Tour „Der perfekte Moment…wird heut´ verpennt“ am Sonnabendabend. 

Mit stehenden Ovationen werden Raabe und seine Musikerkollegen gefeiert. Raabe genießt leise. Keine Gefühlsausbrüche, kein Schnickschnack, vielmehr in sich gekehrt und mit Demut tritt er dem Publikum etwas mehr als zwei Stunden gegenüber.

All das soll nicht bedeuten, dass der Abend von gekünstelter Atmosphäre geprägt ist. Es ist vielmehr die Zurückhaltung, die diesen Mann so faszinierend macht. Immer dann, wenn sein Orchester Soli spielt, lehnt sich der gebürtige Westfale elegant an den Flügel. Den einen Ellenbogen auf die Klappe gelegt, ein Bein über Kreuz nach hinten gewinkelt, lässt er das ins Licht getauchte Schlagzeug, die Violine oder Bratsche in den Vordergrund treten. 

Bestechende Ironie und Doppelwitze

Geschickt schreitet Raabe zum Mikrofon, lässt seine Bariton-Stimme erklingen und erfüllt den ganzen Saal. Ist die erste Hälfte des Konzerts durch Songs aus der Ära um Robert Stolz und der klassischen Musik der Stummfilme geprägt, wird es nach der Pause vitaler, lebendiger. Dann spielt der 56-Jährige Lieder, die an die Traditionen der amerikanischen Bigbands angelehnt sind. Dazu mischen sich Songs, die einen in verrauchte Jazzkeller von New Orleans führen.

Damit nicht genug, besticht Raabe zwar nur selten - aber dann richtig - mit seiner Ironie und dem typischen Doppelwitz, der ihn seit Jahrzehnten ausmacht. Da stört es auch nicht, dass man die etwas popeligen Bilder auf der Leinwand eigentlich hätte weglassen können. Keine platten Sprüche à la Mario Barth, kein plumpes Geschwafel nach Atze-Schröder-Manier. 

Es sind Witze, die langsam, manchmal ganz langsam, um die Ecke kommen. Bei denen es etwas braucht, bis das Publikum den Sarkasmus versteht. Doch dann schlagen sie ein wie eine humoristische Bombe. Die Besucher honorieren diese Art von Witz mit schallendem Applaus - und können letztlich nicht genug bekommen. Zwei Zugaben geben Raabuve und Orchester, dann ist Schluss. Der perfekte Moment wurde definitiv nicht verpennt.

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