Für ihre Chastity-Riley-Serie

Simone Buchholz erhält den „Radio-Bremen-Krimipreis“

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Die Vergabe des „Radio-Bremen-Krimipreises“: Moderatorin Hilke Theessen (v.l.), Preisträgerin Simone Buchholz und Radio-Bremen-Intendant Jan Metzger.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Vor einem Medienhaus in Hamburg liegen die übel zugerichteten Leichen von drei Managern in Käfigen. Die Passanten scheinen die Situation gar nicht so unerträglich zu finden.

Eine starke Szene in „Beton Rouge“, dem jüngsten Band in der Chastity-Riley-Serie, für die Simone Buchholz am Mittwochabend den „Radio-Bremen-Krimipreis 2017“ bekam. Der Preis wird seit 2001 verliehen. Er ist mit 2.500 Euro dotiert.

Zur Vergabe des „Radio-Bremen-Krimipreises“ im Rahmen der Kriminacht haben es knapp 100 Besucher ins Goethe-Theater geschafft – trotz Sturmtiefs „Sebastian“ und anschließenden Verkehrschaos. Der ebenfalls eingeladene Autor Volker Kutscher aus Köln ist aber Opfer von Zugausfällen geworden und kommt mit 40 Minuten Verspätung. Ebenfalls zu Gast ist Rose Gerdts-Schiffler, Bremer Krimiautorin, ehemalige Polizeireporterin und derzeit Pressesprecherin im Innenressort.

"Norddeutsche Wetter erscheint immer aufregend, aber nie schlecht"

„Die Stadt Hamburg hat eine eigene Rolle in der Chastity-Riley-Reihe. Es erscheint ein St. Pauli jenseits der Surf- und Party-Folklore“, sagt Radio-Bremen-Redakteurin Martina Bittermann. Vielmehr müssten sich am Ort des Geschehens Außenseiter behaupten. „Sie schreiben mit dem Blick einer Journalistin, finden darüberhinaus poetische Wortkreationen, mit denen Sie das Lebensgefühl von St. Pauli auf den Punkt bringen“, sagt Bittermann zu Buchholz. Danach folgt noch ein kleiner Scherz: „Das norddeutsche Wetter erscheint immer aufregend, aber nie schlecht.“

Radio-Bremen-Intendant Jan Metzger ist offensichtlich fasziniert von dem Gegensatz von der gepflegten Autorin, Journalistin mit striktem Lebenslauf und Abschluss an der Henri-Nannen-Schule und der dargestellten Krimiheldin Chastity Riley. Diese ist Staatsanwältin auf dem Abstellgleis, nachdem sie ihren korrupten Chef überführt hat. Sie macht Kampfsport, klopft markige Sprüche. Und ihre Lieblingskneipe „Blaue Nacht“ auf St. Pauli gehört einem Ex-Knasti, der zudem ihr Geliebter ist. „Ich habe mich gefragt, wie Sie das machen“, sagt Metzger. Die Autorin schmunzelt. „Der Lebenslauf ist natürlich frisiert. Das Studium habe ich abgebrochen und dann gejobbt. Sie müssten mich mal sehen, wenn ich in die Kneipe gehe.“

Hamburg ideal für Krimihandlungen

Buchholz lebt in Hamburg und findet die Stadt ideal für Krimihandlungen. Da sei der Hamburger Hafen mit seinem Trubel und seiner Internationalität. „Das ist die Abteilung ,Stress‘. Und dann hat Hamburg noch diesen Himmel, den Bremen auch hat. Der schreit doch förmlich danach, ein paar Leichen darunter zu legen“, sagt sie. Die Handlungen ihrer Bücher würden durch gebrochene Freaks vorangetrieben. Solche Leute finde man eher in der Großstadt. Protagonistin „Chas“ Riley sei womöglich ein bisschen ein weiblicher Philip Marlowe, sagt Buchholz.

Der Talk offenbart ähnliche Schreiberfahrungen von Buchholz und Gerdts-Schiffler. Wie beide berichten, fangen ihre Figuren irgendwann im Schreibprozess an, ein Eigenleben zu führen. Sie sind sich sogar einig darüber, ab wann es losgeht: ab Seite 100. „Dann hat man die Geschichte voll im Griff“, sagt Buchholz.

Die Preisträgerin erzählt während der Verleihung auch, wie das neueste Buch der Chastity-Riley-Reihe „Beton Rouge“ zu seinem Titel gekommen ist: „Ein Mann, der sehr viel Alkohol im Kopf gehabt haben muss, lief durch unsere Straße. Er hatte zufällig eine Spraydose dabei und sprühte damit die beiden Worte ,Beton Rouge‘ an die Wand. Ich sah das und wusste, das wird der nächste Titel.“ Sie habe recherchiert und nichts mit diesem Namen gefunden, kein Buch, keine Platte oder etwas Vergleichbares.

Eine Aufzeichnung der „Radio-Bremen-Kriminacht“ ist am Dienstag, 19. September, um 21.05 Uhr auf Radio Bremen Zwei zu hören.

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