Am Freitag beginnt der Prozess gegen Olaf Latzel wegen Volksverhetzung

Bremen: Pastor vor Gericht

Pastor Olaf Latzel muss sich ab Freitag, 20.November, vor dem Bremer Amtsgericht verantworten. Vorgeworfen wird im Volksverhetzung. 
Archivfoto: epd
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Pastor Olaf Latzel muss sich ab Freitag, 20.November, vor dem Bremer Amtsgericht verantworten. Vorgeworfen wird im Volksverhetzung. Archivfoto: epd

Bremen – Es ist ein Prozess, der auf großes Interesse stößt – bei den Anhängern von Pastor Olaf Latzel (53), bei seinen Kritikern und bei den Medien. Der streng konservative Theologe aus der evangelischen St.-Martini-Gemeinde in der Innenstadt muss sich ab Freitag, 20. November, wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung vor dem Amtsgericht Bremen verantworten.

Aufgrund des großen Interesses und der Corona-Pandemie weicht das Gericht in das Konzerthaus Glocke aus. Beginn ist um 9 Uhr, es gibt nur 30 Plätze für Zuschauer.

Bremer Pastor vor Gericht: Fast 25 000 Follower

Die Staatsanwaltschaft Bremen wirft Latzel vor, er habe sich vor etwa 30 Ehepaaren in einem Eheseminar in seiner Kirchengemeinde im Herbst 2019 über Gender und Homosexuelle in einer Weise geäußert, die den Tatbestand der Volksverhetzung erfülle. Einen Audiomitschnitt des Seminars habe er für jedermann verfügbar auf einer Internetplattform online gestellt. Aufgrund der ihm bekannten hohen Anzahl seiner Follower – aktuell fast 25 000 – müsse sich der Angeklagte über die Reichweite seiner Äußerungen bewusst gewesen sein, heißt es.

Bremer Pastor vor Gericht: Disziplinarverfahren ruht

Latzel hatte im Verlauf des Seminars gesagt, Homosexualität stehe gegen die göttliche Schöpfungsordnung. Er warnte vor einer „Homolobby“: „Überall laufen die Verbrecher rum vom ,Christopher Street Day’. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch.“ Das verunsichere Leute, zerstöre Zivilisation und Kultur. Homosexualität sei todeswürdig und ein Gräuel. Ende April hatte der Pastor erklärt, er habe in dem Eheseminar das Wort Verbrecher lediglich im Zusammenhang mit aggressiven Attacken auf ihn und seine Gemeinde verwendet. Für ihn seien Homosexuelle nicht generell Verbrecher.

Latzel entschuldigte sich für seine Äußerungen, denen unter anderem ein „Kiss-In“ in der Kirche mit rund 50 Homosexuellen vorausgegangen war. Mehrfach gab es Angriffe gegen Olaf Latzel und die Martini-Gemeinde. Es kam zu Schmierereien, Unbekannte bestellten ein Auto auf Latzels Namen. Nach der Anklage wegen Volksverhetzung gab es ein Dienstgespräch mit der Leitung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), Latzel ging in einen längeren Urlaub, bevor er wieder auf die Kanzel stieg. Ein Disziplinarverfahren ruht, bis das Strafverfahren abgeschlossen ist.

St. Martini ist eine von 61 Gemeinden der BEK. Sie ist streng konservativ ausgerichtet und hat etwa 1 200 Mitglieder. Die Gottesdienste werden auch gern von Menschen aus dem Umland besucht. Die Kirche selbst zählt zu den ältesten Sakralbauten in der Hansestadt und wird innen gerade mit Millionenaufwand renoviert.  gn/epd

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