Verkehrskonzept geht nicht auf

Schon mehr als 60 Autos rund um den Freimarkt abgeschleppt: „Das ist keine Erfolgsbilanz“

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Rendezvous am Abschleppwagen: Innensenator Ulrich Mäurer (mit dem Auto gekommen) und Umweltsenatorin Maike Schaefer (mit dem Rad gekommen) am Dienstag an der Findorffseite des Bürgerparks.

Bremen - Schlechte Stimmung in der Eickedorfer Straße in Findorff. Ein Anwohner zeigt auf die Kennzeichen parkender Autos und schimpft: „Syke, Osterholz, Bremerhaven!“ Kein Parkplatz mehr frei – wie so oft zur Freimarktszeit.

Straßen verstopft, Wege blockiert; mancherorts kein Durchkommen für Krankenwagen und Feuerwehr. „Wir müssen das Grundproblem lösen“, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Dienstag in Findorff. Die angestrebte Lösung: „Bis zum nächsten Freimarkt“ soll Anwohnerparken eingeführt werden.

Wie berichtet, gilt schon dieses Jahr ein neues Verkehrskonzept rund um die Bürgerweide – es wird konsequent kontrolliert und abgeschleppt, um wildes Parken zu vermeiden. Den Such- und Schleichverkehr gibt es trotzdem. Und viel Arbeit für die Einsatzkräfte. 725 Autofahrer „von außerhalb“ wurden angesprochen und aus Findorffs Wohnstraßen weggeschickt, 998 Verkehrsverstöße geahndet – sei Freimarktsbeginn. Bis Montagabend wurden zudem mehr als 60 Autos abgeschleppt. „Das ist keine Erfolgsbilanz. Das war notwendig“, so Mäurer.

Und während abgeschleppt wurde, gab es in den Parkhäusern im Herzen Bremens „noch mehrere hundert freie Plätze“, so Umwelt- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne). „Es gibt genug Parkplätze, es gibt genügend Kapazitäten.“ Unter anderem im neuen „City Gate“ vor dem Hauptbahnhof. Wer sein Auto dort abstellt, muss nur noch durch den Bahnhof laufen – dann beginnt das Volksfest-Treiben.

Eng ist´s in den Findorffer Wohnstraßen – wie hier in der Buddestraße kurz vor dem Beginn des großen Besucheransturms auf der Bürgerweide. Im Hintergrund ist das Riesenrad des Freimarkts zu erkennen. 

„Es ist keine Zumutung, vom Parkhaus zum Freimarkt zu gehen“, sagt Mäurer. Aber ein Parkplatz im Parkhaus kostet Geld. „Parkhaus ist deutlich günstiger als abschleppen“, hält Schaefer dem entgegen. Abgeschleppte Autos müssen in Woltmershausen abgeholt werden. Werktags in der Zeit von 7 bis 20 Uhr sind dann 195 Euro fällig. Nach 20 Uhr kostet der Spaß 230 Euro. Noch teurer ist es sonn- und feiertags: 260 Euro. Hinzu kommen zu bestimmten Zeiten weitere Auslösungsgebühren (50 Euro). Hinzu kommt auch noch das jeweils fällige Bußgeld – beispielsweise 30 Euro.

Neben den Parkhäusern bietet Bremen Freimarktsbesuchern auch Park-and-Ride-Möglichkeiten an. Von den Parkplätzen an der Universität (Enrique-Schmidt-Straße, Haltestelle: Uni/NW1) fährt die Straßenbahnlinie 6 praktisch direkt zu den Buden und Karussells des Volksfests.

Sondertarif der BSAG für Freimarktbesucher

Laut Freimarkts-Homepage gilt auf dieser Route ein Sondertarif: „Erwachsene zahlen für die Hin- und Rückfahrt 3,80 Euro. Kinder unter 15 Jahren fahren in Begleitung Erwachsener kostenlos.“ Doch Park-and-Ride wird nicht richtig gut angenommen, obwohl sogar noch weitere Angebote möglich wären, wie Senatorin Schaefer sagt. „Doch das ist vielen zu weit.“ In Zukunft sollen Angebote wie Park-and-Ride – unter anderem im Umland – besser beworben werden, hieß es am Dienstag beim Ortstermin in Findorff.

Alle Informationen zum Freimarkt gibt es auf freimarktlife.de

Und wenn der Freimarkt vorüber ist? „Verkehr ist das zentrale Thema dieser Stadt“, sagt Innensenator Mäurer. „Findorff ist besonders vom Verkehr belastet“, so Umweltsenatorin Schaefer. „Wegen der vielen Messen und Veranstaltungen“ auf der Bürgerweide sei das Park-Thema in Findorff über den Freimarkt hinaus „ein dauerhaftes Problem“, so Mäurer.

Also gelte: „Wir müssen einige Dinge grundlegend verändern.“ In vielen Straßen gehe es „sehr chaotisch“ zu, sagt der Senator. Genau an diesem Punkt soll das geplante Anwohnerparken für Verbesserungen sorgen. Mäurer: „Damit jeder genau weiß, wo er parken kann.“

Kommentar zum Freimarkt-Chaos

Anreize zum Umsteigen schaffen

Von Thomas Kuzaj

Mit dem Auto direkt zu Karussell und „Königsalm“ fahren? Das wird’s nie geben. Findorff durch Anwohnerparken vom alljährlichen Park-Chaos zu befreien – das ist der richtige Weg. Wer aber sagt, die Freimarktsbesucher – gerade jene aus dem Umland – können ja ohnehin bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Bürgerweide kommen, macht es sich dennoch ein bisschen zu einfach.

Nicht allein, weil nicht jeder an Fahrpläne und Fahrtzeiten gebunden sein möchte. Sondern auch, weil längst nicht genug Züge, Busse und Straßenbahnen unterwegs sind. Das gilt nicht nur zur Freimarktszeit, sondern alltäglich im Berufsverkehr – Pendler können ein Lied davon singen, und es ist kein fröhliches Freimarktslied.

Hinzu kommt, dass das Publikum in manchen Bussen und Bahnen auch nicht jedermanns Sache ist. Wer schon mal in einem überfüllten Zug voller feierwütiger Volksfest-Bummler mitgefahren ist, sagt sich womöglich: Das nächste Mal nehme ich doch lieber einen Waggon mit Fußball-Hooligans, das wird auch nicht schlimmer sein.

Oder eben das Auto. Es wird immer Besucher geben, die mit dem Auto zum Freimarkt kommen wollen. Und auch ihnen muss Bremen – in seinem eigenen wirtschaftlichen Interesse – Angebote machen. Park-and-Ride ab Uni, Parken im „City Gate“ vor dem Hauptbahnhof: das genügt nicht.

Es ist nötig, das Angebot des öffentlichen Personenverkehrs deutlich zu verbessern. Dazu gehören nicht nur mehr Züge, Busse und Bahnen, sondern beispielsweise auch sauberere Fahrzeuge – und kürzere Taktzeiten. Wer Menschen zum Umsteigen bewegen will, muss ihnen etwas bieten, muss Anreize schaffen. Das kostet Geld, aber es wäre auch ein Signal.

Apropos Geld. Warum gibt es im Zusammenhang mit Park-and-Ride eigentlich keine kostenlosen Shuttle-Services? Die Kosten dafür könnten Bremen und die Schausteller sich teilen – am Ende haben ja alles was davon. Auch die Besucher, die auf diese Weise fast direkt zu Karussell und „Königsalm“ kommen.

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