Schwestern widmen sich der Gastfreundschaft

Das Birgittenkloster im Schnoor: Das Paradies hinter dem Tor

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Schwester Giovanna ist bereits seit der Gründung des Klosters in Bremen. - Foto: Berit Böhme

Bremen - Von Berit Böhme. Das kleine Birgittenkloster in Bremen ist ein Ruhepol inmitten der Großstadt. Die Übernachtungsgäste wissen die Ruhe und die zentrale Lage im Schnoor zu schätzen. Im Herbst feiert das Frauenkloster seinen 15. Geburtstag.

Die Ursprünge des Ordens reichen aber mehrere hundert Jahre zurück. Schüchtern lugt ein Pärchen durch die Pforte. Schwester Giovanna lächelt ihm zu und deutet einladend auf den Innenhof. „Hier ist von morgens bis abends geöffnet“, sagt sie. Giovanna ist eine von sieben Bremer Birgittenschwestern. Ihr Kloster mitsamt Gästehaus und Kapelle liegt nur einen Steinwurf von Roland und Rathaus entfernt im historischen Schnoorviertel. 

Die Wurzeln des Birgittenordens liegen in Schweden und gehen bis ins 14. Jahrhundert zurück. „Birgitta war eine starke Frau, sie hat offen und deutlich Dinge angesprochen“, sagt Schwester Giovanna. Auch gegenüber Papst und Königen habe sie kein Blatt vor den Mund genommen. Der von ihr gegründete Erlöserorden verschwand im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation.

Orden fast vergessen

Im 20. Jahrhundert war der Orden deshalb fast vergessen. Die Schwedin Elisabeth Hesselblad (1870-1957) machte es sich zur Aufgabe, ihn wiederzubeleben. 1920 legte Hesselblad, die 2016 heiliggesprochen wurde, den Grundstein für einen neuen, moderneren Ordenszweig. Mittlerweile hat der Birgittenorden weltweit 55 Konvente, das Mutterhaus liegt in Rom.

Die Türen des Birgittenklosters im Schnoor stehen Besuchern von morgens bis abends offen.

Das Motto der Nonnen lautet „Amor meus Crucifixus est – Meine Liebe ist der Gekreuzigte“. Stundengebete und Meditation takten den Tag der Schwestern. Sie leben aber nicht in strenger Klausur, sondern nach der uralten Maxime „Ora et labora – bete und arbeite“. „Je nach Standort haben wir verschiedene Aufgaben“, sagt die 40-jährige Mexikanerin Giovanna. In Indien beispielsweise betreiben die Ordensfrauen Kindergärten und Ausbildungszentren. 

Im 2002 gegründeten Kloster in Bremen widmen sie sich der Gastfreundschaft. Das Haus hat Einzelzimmer und Doppelzimmer für insgesamt 17 Gäste; von den Einnahmen leben die Schwestern. „Das ist ein schöner Dienst, den wir machen“, schwärmt Giovanna, die von Anfang an in Bremen dabei ist. Das orangefarbene Birgittenkloster war die erste Klostergründung seit der Reformation in der Hansestadt.

Die auch aus Indien, Polen und Italien stammenden Ordensfrauen kümmern sich persönlich um die Gäste – und das macht für viele den Aufenthalt zu etwas Besonderem. Die Nonnen haben keine festen Aufgaben, sondern rotieren im 14-Tage-Rhythmus. Mal arbeiten sie in der Küche, mal richten sie die Zimmer oder haben Sakristeidienst. Konfessionelle Schranken gibt es nicht. „Wir nehmen alle Gäste auf, auch kleinere Gruppen“, sagt Giovanna.

Gäste kommen oft mehrmals wieder

„Viele kommen mehrmals. Es gibt sogar Gäste, die ein-, zweimal im Jahr kommen.“ So wie Erika Krumbholz, die mit ihren drei Freundinnen ein langes Wochenende an der Weser verbringt. „Die Schwestern sind nett. Man kommt in eine Ruhe“, sagt die Düsseldorferin. „Man geht durch dieses Tor, dann ist man von allem Weltlichen ab.“ Natürlich nicht ganz, ergänzt ihre Freundin und lacht: „Wir trinken abends auch unseren Wein. Es ist wie ein kleines, offenes Paradies“, schwärmen die Urlauberinnen.

Zwischen dem Ordenseintritt und dem „Ewigen Gelübde“ vergehen Jahre. Giovanna trat mit 18 Jahren ein, nach Mexiko lernte sie Häuser in England, Italien und Polen kennen, heute leitet sie das Bremer Haus. Vielerorts leben die Schwestern zurückgezogener als an der Weser. „In Bremen ist es ein bisschen besonders, mitten in der Stadt“, sagt sie. „Hier ist es offen.“ 

Auch an diesem sonnigen Nachmittag schlendern Besucher durch den kleinen Klostergarten, plaudern mit einer zufällig vorbeikommenden Schwester oder halten in der Kapelle für eine Weile inne. Sprachbarrieren gibt es kaum.

Alle Schwestern mehrsprachig

„Wir versuchen immer, die Sprache von dort zu lernen, wo wir sind“, sagt Giovanna. „Und alle Schwestern können Italienisch.“ Denn jede Ordensfrau verbringt eine Weile im römischen Mutterhaus. Rund um die Uhr leben die Frauen übrigens nicht im Kloster, ihnen stehen freie Tage und Heimaturlaub zu. Das schon von der Heiligen Birgitta eingeführte Habit legen sie in ihrer Freizeit aber nicht ab.

Das Kloster entstand nach Plänen des Bremer Architekten Ulrich Tilgner. Er sorgte für helle Räume, warme Farben und schöne Ausblicke auf die Altstadt. Am Ende des kleinen, verwinkelten Klostergartens liegt die Kapelle. Der Tag beginnt dort mit dem Morgengebet um 6.15 Uhr und endet kurz vor 21 Uhr. Die meist auf deutsch abgehaltenen Andachten stehen Übernachtungsgästen und Besuchern gleichermaßen offen.

Die Kapelle ist täglich geöffnet. Das Gästehaus verfügt über sechs Doppel- und fünf Einzelzimmer. Das Kloster ist auch eine Station des „Mönchswegs“. Der Radfernweg startet am Dom und endet auf Fehmarn.

www.birgitten-kloster.de

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