Perfektion durch Präzision

Erste Bremer Klinik setzt Roboter bei Knieoperation ein

Demo mit Hilfe: Der Chefarzt der Orthopädie, Adrianus den Hertog (r.), führt den Roboterarm bei einem Schnitt im Knie. Ein Helfer stabilisiert den etwas wackligen Bein-Dummy. Foto: Sussek
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Demo mit Hilfe: Der Chefarzt der Orthopädie, Adrianus den Hertog (r.), führt den Roboterarm bei einem Schnitt im Knie. Ein Helfer stabilisiert den etwas wackligen Bein-Dummy.

Bremen - Nein, Ärzte werden in naher Zukunft bei Operationen nicht durch Roboter überflüssig, und Adrianus den Hertog bevorzugt auch die Umschreibung „technischer OP-Assistent“. Der Chefarzt der Orthopädie an der Paracelsus-Klinik in der Vahr stellte „Mako“ am Mittwochmittag Mitarbeitern und Orthopäden vor. Und vorher Journalisten.

„Mako“, soviel vorweg, soll sich zur großen Hilfe von Ärzten entwickeln. Ersetzen kann er sie aber nicht. „Der Roboter ist nur mein doofer Knecht“, sagt er. Aber „Mako“ ist ein Spezialist auf seinem Gebiet. „Er hilft, Schnitte genauso zu setzen, wie der Operateur sie haben will“, beschreibt den Hertog die Fähigkeiten des neuen Assistenten, „das ist deutlich genauer als gewohnt.“

Er muss es wissen – schließlich haben die Ärzte seiner Fachabteilung jährlich rund 600 Operationen, in denen die Patienten ein künstliches Kniegelenk bekommen. Und genau für diese Operationen wird „Mako“ eingesetzt. Premiere ist am Donnerstag, 5. März. Damit ist die Paracelsus-Klinik die erste in Bremen und umzu, in der „Mako“ zum Einsatz kommt. Bisher war dies in der Paracelsus-Klinik Osnabrück und im Klinikverbund Diakovere (Hannover) der Fall.

3D-Modell und Realität – solche Bilder des Knies sieht der Operateur, das Video der OP wird zur Verdeutlichung eingeblendet.

Und nun eben Bremen. Verletzten Werder-Spielern hilft das in dieser Seuchen-Saison allerdings nicht weiter, weil es eben nicht um Knieoperationen allgemein, sondern allein um den Ersatz eines Kniegelenks geht. „Eine exakte Platzierung des Implantats ist eine wesentliche Voraussetzung für ein gute Funktion des Gelenks“, sagt den Hertog. Nach seinen Angaben ist mit der Toleranz von 0,25 Millimetern (oder einem Grad) die Genauigkeit von „Mako“ fünfmal so hoch wie mit herkömmlichen Techniken. Bisher wird nach einer Röntgenaufnahme mit Schablonen gearbeitet, um Lage und Größe der Implantate zu planen. Was den Operateur wirklich erwartet, sieht er erst am offenen Knie.

Das soll sich ändern. Entsprechend dem übersetzen Motto „mehr wissen, weniger schneiden“ (mit dem der Hersteller auf seinem Demo-Sattelschlepper wirbt) beginnt die OP nicht erst im Operationssaal, sondern mit einem CT (Computertomogramm), mit dessen Hilfe eine dreidimensionale Abbildung erstellt wird. Schritt zwei ist das virtuelle Einpassen des Implantats in dem 3D-Modell. „Man kann so lange spielen, bis man denkt, es ist optimal“, sagt den Hertog. Und dann wird das künstliche Kniegelenk mit Hilfe von „Mako“ genau dort plaziert. Der Roboterarm gibt die „Einflugschneise“ (den Hertog) vor. Das heißt: Geschnitten werden kann nur dort, wo es der Computer, in dem die OP von vorne bis hinten virtuell geplant und durchgespielt wurde, zulässt. Also mehr Sicherheit nicht nur für Operateure. „Genauer kann für die Patienten ja nicht schlechter sein.“

Und ergänzt werden müsste: Für alle Patienten. Denn alle Patienten sollen von der präziseren OP-Methode profitieren. „Sie soll zur Standardversorgung bei uns werden“, so den Hertog – nicht nur für Privatpatienten. „Wenn die Kasse nicht zahlt, ist das unser Problem.“

Apropos Finanzen: Den Preis für „Mako“ gibt der Chefarzt mit einer knappen Million Euro an. Hinzu kämen „nicht unerhebliche Verbrauchskosten“.

Am Anfang dürften die OP-Teams anwachsen, weil ein zusätzlicher Kollege nur mit „Mako“ beschäftigt ist. Auf absehbare Zeit aber, und das ist das Positive auf der Kostenseite, könnte sich die Zahl der erforderlichen Ärzte und Schwestern (bisher insgesamt sechs) reduzieren. Ein Kollege in der Schweiz operiere allein mit einer OP-Schwester und einer „Mako“-Aufsicht, weiß den Hertog zu berichten. Der Preis der Präzision: „Die Operationen (die bislang etwa 45 Minuten in Anspruch nehmen, d.  Red.) werden in Zukunft wohl etwas länger dauern.“

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