Bremer Verein rettet geschädigte Papageien

Papageiendame Lotta und der Traum vom Fliegen

WIE IN DER NATUR: Die geschädigten Papageien lieben es, in Bäumen, Sträuchern, aber auch auf dem Boden zu sitzen oder herum zu laufen. Fotos (2): kan

Bremen - Papageiendame Lotta sitzt, mit sichtlich gerupftem und ausgefallenem Gefieder, auf einem Ast und wartet. Ihr Partner Festus zittert. Beide Graupapageien befinden sich im Behandlungsraum des Papageienschutz-Centrums Bremen e.V., weil sie schwer krank sind.

Festus verträgt zu hohe Hitze, aber auch zu starke Kälte nicht und leidet unter Bluthochdruck, Stress macht ihm auch schwer zu schaffen. Lotta hat ebenfalls verschiedene Beschwerden, die Biologin Kerstin Frey und Leiterin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Elisabeth Willich-Braune, mit homöpathischen Mitteln behandeln.

Lotta hält sich gerne im großen Fluggehege bei ihren Artgenossen auf, und heute kann sie dort vielleicht wieder einziehen. Aber zuerst kommt die erlösende Türöffnung: Lotta zögert erst, doch dann breitet sie ihre Flügel aus und umkreist laut rufend die Räume des Vereins. Papageien müssen fliegen. Und wenn sie das noch können und in dem Gehege des Vereins ausüben, dann sind auch die Menschen, die sie betreuen, zufriedener. Dafür leben Elisabeth Willich-Braune und Vorstandsvorsitzender Hans-Hermann Braune. „Das ist ein idealistisches Projekt“, sagt die ehemalige Lehrerin. Es soll vor allem aufklären, was mit Papageien in Käfighaltung passiert, soll die Tierquälerei beenden, indem den Menschen klar wird, dass diese Vögel einfach keine Haustiere sind.

Seit 1998 liegt ihnen das Wohl der Tiere am Herzen. In ihren Gehegen geben sie geschädigten Papageien ein neues Zuhause, mehr noch, eine Zuflucht und eine Möglichkeit, so zu leben, wie es ihre Natur verlangt. „Es sind Flug- und Schwarmtiere“, erklärt Elisabeth Willich-Braune. „In freier Natur legen sie zehn bis 15 Kilometer täglich zurück.“

In den beiden Flughallen ist es leise, die Fütterungszeit ist gerade vorbei. Die insgesamt 58 Papageien schlafen. Alle haben ein bewegtes Leben hinter sich, könnten bedrückende Geschichten erzählen, wenn sie dazu in der Lage wären. Denn Papageien können nicht sprechen, auch wenn Menschen ihnen das beibringen wollen. Sie ahmen lediglich die Laute nach, die in ihrer Umgebung häufig vorkommen. Gerade die Bindung an den Menschen, die den privaten Tierhaltern so wichtig ist, verurteilt Willich-Braune scharf. „Papageien sind Wildtiere, sie sind nicht zum Kuscheln und Streicheln da, sondern brauchen ihren Freiraum“, betont sie.

Am besten ist es, die Tiere in ihrer Heimat, also fern von Deutschland in Südamerika oder Afrika, zu lassen. Da es verboten ist, Tiere aus diesen Ländern nach Deutschland zu bringen, werden sie massenhaft gezüchtet. Auch das macht die Leiterin des Fluggeheges unglaublich wütend. Denn die wenigsten Tiere bekommen in privater Haltung ausreichend Platz und Flugmöglichkeiten geschweige denn einen Partner. Papageien müssen zu zweit gehalten werden, sonst verkümmern sie an Körper und Geist. Organische Erkrankungen, Kreislaufbeschwerden, Verhaltensstörungen, Aspergillose, einem Befall der inneren Organe mit Pilzsporen – die Liste ist schier endlos mit den Leiden, die den Vögeln durch falsche Haltung droht.

Eines von vielen erschreckenden Beispielen ist Mucki. Die Gelbwangen-Amazone leidet an einer früheren Fraktur des rechten Flügels und kann deshalb nicht mehr fliegen.

Ihr Partner Fidelio kümmert sich rührend um sie, sitzt dicht neben ihr, streicht ihr über den Kopf, scheint sie beschützen zu wollen. „Wie eine Krankenschwester“, kommentiert die Leiterin. Der über 35 Jahre alte Papagei ist ein Wildfang und wurde bereits 1975 von einem Mitglied des Vereins aus einer Tierhandlung geholt, wo er in einem winzigen Käfig vor sich hin vegetierte. Für dieses Paar können Interessierte auch eine Patenschaft übernehmen.

Im Papageienschutz-Centrum hat das Pärchen seine letzte artgerechte Heimat gefunden. Bäume, Sträucher, ein stark lehmhaltiger Erdboden, weil sich die Vögel auch auf dem Boden gerne aufhalten, eine hohe Luftfeuchtigkeit – und jeden Tag sechs Mal Regen. Die Tiere halten sich im Blätterwerk von Bäumen auf, deren Rinde und Blätter gut verträglich sind: Ahorn, Haselnuss, Hainbuche, Linde, Weide, Pappel und Vogelbeere.

Täglich bekommen die Mitarbeiter im Papageienschutz-Centrum Anfragen, ob sie kranke Tiere aufnehmen können. „Unsere Kapazitäten sind so gut wie erschöpft“, bedauert Elisabeth Willich-Braune. Und die finanziellen Mittel des Vereins sind sehr begrenzt. 4 500 Euro Unterhalt im Monat sind nötig, um alles am Laufen zu halten. Doch Erweiterungen sind dringend notwendig: Eine weitere kleine Halle mit Behandlungsraum, Quarantänestation und ein schöner Raum für flugunfähige Papageien soll jetzt entstehen. Doch es gibt ein organisatorisches Problem. „Wir finden einfach kein Metallbauunternehmen, das eine kleine Halle von 55 Quadratmetern bauen kann“, erklärt Hans-Hermann Braune die Lage. Die meisten Handwerksunternehmen seien auf so etwas nicht spezialisiert. Deshalb seine Bitte: Wer diese Arbeit, natürlich gegen Bezahlung, erledigen kann, möchte sich bei dem Verein melden.

Darüber hinaus können Interessierte beim nächsten Schautag am Sonnabend, 4. Juni, von 14 bis 17 Uhr einen Blick ins Fluggehege werfen und sich über die Tiere informieren (Salzburgerstr. / Asternweg 2a, 28219 Bremen, Tel. 0421 / 16 30 723).

http://www.papageienschutz.de

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