Das Packhaustheater im Schnoor bringt „Ekel Alfred 2“ heraus

Nostalgie und Aktualität

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Marcus Rudolph (und „Rosa“) auf der Außentreppe des Packhaustheaters im Schnoor. Im Hintergrund das Plakat zum Stück (in dem „Rosa“ nicht mitspielt, wohl aber Marcus Rudolph).

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Das Ekel ist zurück!“ Damit wirbt das Packhaustheater im Schnoor gegenwärtig, und es ist nicht das Dschungelcamp gemeint. Die Fernsehassoziation aber stimmt – nur geht es um einen Klassiker aus den 70ern, um Wolfgang Menges „Ein Herz und eine Seele“. Und eben um die zentrale Figur darin, um „Ekel Alfred“.

Rückblende: 2011 brachte das Theaterschiff, das wie das Packhaus zum Bühnenimperium von Knut Schakinnis gehört, „Ekel Alfred“ erstmals auf die Bühne. Ein Wagnis in mehrfacher Hinsicht – so ist die Vorstellung von der Hauptfigur eng mit dem Schauspieler Heinz Schubert verbunden; regelmäßige Wiederholungen des TV-Klassikers festigen dieses Bild nur. Aber die Sache funktionierte. Und nun kehrt das Ekel zurück.

Damals wie heute verkörpert Marcus Rudolph, Schauspieler und Radio-Bremen-Moderator, Alfred Tetzlaff, den durch und durch reaktionären Kleinbürger und Sozi-Hasser. „Es ist eine Hommage“, sagt Rudolph. „Ich versuche, ganz nah an Schubert heranzukommen. Ich versuche, an ihn zu erinnern, vergleiche mich aber nicht mit ihm.“

Es gibt Sehgewohnheiten, aus denen sich Erwartungen ergeben, und diese will das Packhaus-Team auch bedienen. Ja, die Handlung bleibt in den 70ern. Ja, es geht auch um Nostalgie. Sonst würde es nicht funktionieren, sagt Rudolph. Das Zusammenleben zweier Generationen etwa gebe es so heute nicht mehr, und gerade aus dem Generationskonflikt entwickeln sich ja etliche Handlungsstränge und Konflikte. Und das eine oder andere Element ließe sich gar nicht in die Gegenwart übertragen – wie etwa die Telefonzelle, in der man sich (was möglich, aber nicht erlaubt war) anrufen lassen kann. „Alfred im Taucheranzug in der Telefonzelle – eine Szene, die hat jeder sofort parat“, sagt Rudolph. Auf der Bühne des Packhaustheaters werden die Folgen „Urlaubsvorbereitung“ (eben jene mit dem Taucheranzug) und „Der Sittenstrolch” zu sehen sein.

Aus Zuschauersicht keine große Umstellung, findet Rudolph: „Im Grunde war das ja damals schon abgefilmtes Theater. So funktioiert es auch noch heute, nur eben ohne Fernsehmittel wie Schnitte und Nahaufnahmen. Dafür mit doppeltem Wiedererkennungseffekt. Es wird ein Fernseherlebnis rekonstruiert, und im Fokus steht ein weithin bekannter Typ Mensch. „Jeder kennt Typen wie Ekel Alfred“, sagt Rudolph.

Auf der Bühne funktioniert das auch, weil Wolfgang Menge außerordentlich präzise Texte geschrieben hat. Und weil viele Konflikte, die er beschreibt, doch zeitlos sind – er hatte sie eben in seiner Zeit, in den 70ern, angesiedelt.

Parallelen zur Gegenwart ergeben sich dennoch. Als Menge seine Serie schrieb, hemmten ihn keine Zwänge sogenannter politischer Korrektheit (und hätten es wohl auch nicht vermocht). Er konnte den Charakter, den er beschreiben wollte, so sprechen lassen, wie solche Typen eben reden. Das ist oft hart. Es ist Satire pur. „Alfred ist kein Nazi“, sagt Rudolph. „Aber er hat Angst vor allem Fremden. Wenn wir nach Dresden gucken, ist diese Figur aktuell.“

„Ekel Alfred 2“ (Regie: Erik Voß) hat am Donnerstag, 19. Februar, im Packhaustheater Premiere. Es spielen Martina Flügge, Martina Rüggebrecht, Petra Stockinger, Manuela Stüßer, Marco Linke und Marcus Rudolph.

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