„Aus den Akten auf die Bühne“

Szenische Lesung bringt Abenteuer der Polarforscher auf die Bühne

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„Aus den Akten auf die Bühne“: Markus Seuß (l.), Theresa Rose und Michael Meyer spielen in der szenischen Lesung zur Polarforschung im Theater am Leibnizplatz.

Bremen - Von Steffen Koller. Es sind Zeugnisse von Mut, Verzweiflung und schier endloser Weite: Am Montagabend feierte die szenische Lesungsreihe „Aus den Akten auf die Bühne“ mit ihrem neuen Stück Premiere im Theater am Leibnizplatz. Der etwas sperrige Titel „Vom Eis gebissen – Vom Eis begraben. Geschichten aus der deutschen Polarforschung.“ stellt dabei die zwölfte Folge der Reihe dar.

Viel zu oft wird die Phrase „jemanden mit auf die Reise nehmen“ verwendet, ohne dass dabei überhaupt eine phantasievoll ausgeschmückte Gedankenwelt beim Zuschauer entstehen will. Doch die szenische Lesung unter Leitung vom Eva Schöck-Quinteros (Institut für Geschichtswissenschaft, Uni Bremen) und Peter Lüchinger (Bremer Shakespeare-Company) schafft genau das. Sie entführt die Besucher in eine Zeit, in der die Arktis als geheimnisvoller Planet galt. Ein Ort voller Wunder, Weite und Wehmut. Mehr als 1 500 Seiten historischer Dokumente, Fotos und Aufzeichnungen durchforsteten die Macher der Lesung – am Ende steht eine Darbietung, die es tatsächlich schafft, den Zuschauer auf eine Reise mitzunehmen und dabei äußerst viel Wissen zu vermitteln.

Vor fast genau 150 Jahren, am 24. Mai 1868, brachen Kapitän Carl Koldewey und seine elfköpfige Besatzung mit dem Segelschiff „Grönland“ in Richtung Arktis auf. Die Fahrt ging als erste deutsche Polarexpedition in die Geschichtsbücher ein. Trotz allen Ruhms, die diese gefährliche Reise mit sich brachte, war sie doch anfänglich von Euphorie und Aufbruchsstimmung geprägt – und von dem Ziel, als „starkes Deutschland“ dazustehen.

Der daraus resultierende Größenwahn und die Verkennung aller Risiken führte im Zusammenhang mit kaum vorhandener Expertise schnell zu unkalkulierbaren Notlagen. Es sind die großen Geschichten, die die szenische Lesung auf die Bühne bringt, aber auch die kleinen, ganz privaten Erlebnisse und Gedanken der damaligen Besatzung.

Das Ensemble um die Schauspieler Theresa Rose, Markus Seuß, Peter Lüchinger und Michael Meyer schafft es, durch das gekonnte Spiel mit Worten ganze Landschaften entstehen, ganze Szenarien lebendig werden zu lassen. Ob es das Zusammenleben mit Tieren oder einzelnen Expeditionskollegen, die Einsamkeit und Sehnsucht, die Lästereien an Bord oder der stetige Kampf mit der Natur sind – in Kombination mit dem Wissen, dass die Zeilen eben nicht fiktiv sind, entsteht eine Gedankenwelt, der sich kaum ein Besucher entziehen kann. Da fällt es auch kaum ins Gewicht, dass das Bühnenbild lediglich aus einer weißen Wand, großen, weißen Tüchern, Hockern und Tischen besteht.

Bis Mitte der 30er Jahre verfolgt das Stück die Forschungsreisen der damaligen Zeit. So geht es auch um die Erlebnisse des berühmten Wissenschaftlers Alfred Wegener, der es mehrmals wagte, ins „ewige Eis“ aufzubrechen. Tagebucheinträge zeugen von den zermürbenden Monaten weit weg von zu Hause – und von der eisigen Kälte, von der sich bei diesen hochsommerlichen Temperaturen manch Zuschauer wohl eine Portion gewünscht hätte. So gesehen die richtige Abkühlung zur richtigen Zeit, nur auf eine andere Weise.

Weitere Aufführungen finden am Dienstag, 12. Juni, und am Mittwoch, 20. Juni, jeweils um 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz in der Neustadt statt.

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