Overbeck-Museum präsentiert Arthur Fitger

Der Fürst des Bürgertums

So malte der „Fürst“ – „Eros und Psyche“ (Öl auf Leinwand, Ausschnitt) von Arthur Fitger. - Foto: Städtische Galerie Delmenhorst

Bremen - Von Thomas Kuzaj. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, als Bremen wuchs und prosperierte, war er zu einem Star des Bürgertums aufgestiegen. Das Bürgertum wollte repräsentieren – und er erfüllte diesen Wunsch nach Kunst und auch Dekoration, traf den Zeitgeschmack, wurde sogar (eigentlich unbürgerlich) als „Bremens Malerfürst“ bezeichnet, was als großes Kompliment gemeint war. Er – das war der Maler und Dichter Arthur Fitger, 1840 in Delmenhorst geboren, 1909 in Bremen gestorben.

Das Vegesacker Overbeck-Museum widmet Fitger nun eine Ausstellung – für ein Haus, das den Bezug zu Worpswede im Namen trägt, die Auseinandersetzung mit einer Reizfigur. Fritz Overbeck (1869 bis 1909) gehörte zu den fünf Gründungsvätern der Künstlerkolonie Worpswede. 1905 verließ er Worpswede, um sich mit seiner Familie in Bröcken bei Vegesack niederzulassen. Im Alten Packhaus an der Alten Hafenstraße 30 ist ihm und seiner Frau Hermine Overbeck-Rohte (1869 bis 1937) seit 1990 das Museum gewidmet.

Arthur Fitger, der „Malerfürst“, war allerdings der „Anti-Worpsweder“, der große Gegner all dieser neuen Künstler mit ihren modernen Ansichten. Die Vegesacker Ausstellung trägt diesen Konflikt schon im Titel: „Arthur Fitger – Bremer Malerfürst und Anti-Worpsweder“.

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 9. April, um 11.30 Uhr. Es sprechen Dr. Katja Pourshirazi, die Leiterin des Overbeck-Museums, und Wolfgang Türk, Dramaturg am Theater Münster. Die Schau dauert dann bis zum 2. Juli. Am Sonntag, 23. April, beginnt um 11.30 Uhr eine Führung mit Museumsleiterin Pourshirazi. Unter dem Titel „Niemals geben Lorbeerreiser Jugendlocken Dir zurück“ spricht Dr. Katharina Erling am Mittwoch, 26. April, um 19 Uhr zum Thema „Fitger und Bremen“.

Und dazu gibt es ja einiges zu sagen. Fitger „prägte als Schöpfer großformatiger Wandgemälde über Jahrzehnte hinweg Bremens Stadtbild“, so Pourshirazi. „Bis heute sind etliche seiner Arbeiten erhalten, zum Beispiel im Bremer Ratskeller und im St.-Petri-Dom.“ Der sprichwörtliche Volksmund lästerte: „Keine Wand, die nicht Fitger mit Malerei bedeckt.“

Denn Fitger erfüllte nicht allein das Repräsentationsbedürfnis, er traf auch den Zeitgeschmack. In seiner Malerei war er dem Historismus verpflichtet, der in jenen Tagen auch in der bürgerlichen Architektur praktisch die Hauptrolle spielte. Fitger schuf üppige und allegorische, mit Bedeutung ebenso wie mit Zierrat aufgeladene Werke. Zugleich wirkte er auch noch als Kunstkritiker auf sein Publikum, seine Auftraggeber und seine Zeit ein.

Das wiederum musste zum Konflikt führen – zum Konflikt mit dem Neuen. Fitgers eigener Stern war schon im Sinken begriffen, als sein harscher und vernichtend gemeinter Verriss der jungen Malerin Paula Becker (1876 bis 1907, zu dieser Zeit noch ohne Modersohn) erschien. Im Dezember 1899 war das. Mit dem Naturalismus der neuen Zeit konnte Fitger nichts anfangen. Zur gleichen Zeit gewann ein Gegengewicht, ein Widerpart, ein einflussreicher Gegner Fitgers an Einfluss – der spätere Kunsthallen-Direktor Gustav Pauli (1866 bis 1938). Er kaufte Arbeiten jener verrissenen Worpsweder Malerin, er sammelte französische wie deutsche Impressionisten.

Die Vegesacker Ausstellung konfrontiert Fitger und Worpswede. „In der Gegenüberstellung mit Werken des Malerpaares Fritz und Hermine Overbeck wird deutlich, warum Fitger die Kunst der Worpsweder Maler nicht gutheißen konnte – zu unterschiedlich sind die hier vertretenen künstlerischen Auffassungen“, sagt Museumsleiterin Poushirazi.

Und: „Betrachtet man die Werke Fitgers und Overbecks heute im Vergleich, so ist kaum vorstellbar, dass die beiden Künstler Zeitgenossen waren. Eine frappierende ,Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen‘ tritt hier zutage – und zugleich eine faszinierende, bedeutsame Episode in der Bremer Zeitgeschichte.“

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