Osterwiese: Schausteller ärgern sich über die Stadt Bremen und wollen klagen

„Tödlich für die Jahrmärkte“

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„Wir fordern erträgliche Rahmenbedingungen“: Schausteller-Versammlung im „Riverboat“. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Es ist im Moment Notstand bei uns.“ Die Schausteller auf der Osterwiese sind sauer. Wie sehr, das machten sie jetzt auf einer Versammlung im „Riverboat“ deutlich. Von Party-Stimmung keine Spur, ganz im Gegenteil. Die Schausteller wollen klagen – gegen Bremen.

Zwei Themen sorgten im Zelt für dicke Luft – die Zulassungsordnung und die Kosten für das neue Stromnetz auf der Bürgerweide. Vor dem Freimarkt im vorigen Jahr hatten die Schausteller der Stadt dafür mit einer Tafel gedankt – warme Worte in plattdeutscher Sprache. In Stein gemeißelt.

Aber wohl nicht für die Ewigkeit. Die Schausteller hätten vor Beginn der Arbeiten für eine Sanierung des Netzes plädiert, sagt Jahrmarkts-Urgestein Carl-Hans Röhrßen, Geschäftsführer des Bremer Schaustellerverbandes, und Angebote dazu eingeholt. Die Sanierung hätte 1,8 Millionen Euro gekostet. „Die Stadt hat diese Angebote verworfen und gesagt, es müsse alles neu gemacht werden.“ Für 5,9 Millionen Euro. Röhrßen: „Es war von vornherein klar, dass die Schausteller nicht in der Lage sind, diesen Betrag aufzubringen und zu finanzieren.“ Doch genau das befürchten sie nun.

Zunächst sei gesagt worden, die Schausteller sollten „150 000 Euro mehr an Miete zahlen“. Die Innenbehörde habe die Summe dann auf 120 000 Euro reduziert. Die Schausteller akzeptieren auch das nicht. Röhrßen: „Bisher zahlen wir 50 000 Euro an Miete für Osterwiese und Freimarkt.“ Mehr gehe nicht. „Wir sind am Ende des Preisniveaus, die Obergrenze ist erreicht. Wir haben schon Karussells, die fünf, sechs Euro nehmen. Wir müssen hier ein Volksfest bleiben. Das ist nicht mehr bezahlbar, wenn die Stadt die Gebühren so erhöht.“

„Rausziehen, rausziehen, rausziehen“ – das sei offenbar das Motto der Stadt, so Rudi Robrahn, der Vorsitzende des Bremer Schaustellerverbandes. „Als erstes werden die Großbahnen wegbrechen. Wenn ein Wochenende auf dem Freimarkt verregnet ist, stimmt bei vielen die Kalkulation nicht mehr. Das Niveau dieser Veranstaltung wird runtergehen. Wir wollen keine Subventionen, aber zumindest erträgliche Rahmenbedingungen.“

Und Bremen profitiere doch von den Volksfesten, die sich volkswirtschaftlich auswirkten über Hotellerie, Einzelhandel, Taxigewerbe. Robrahn: „Man verkennt die Wertschöpfung dieser Veranstaltungen.“

Für den Erfolg der Jahrmärkte müsse auch die Mischung auf dem Rummel stimmen. Früher wussten die Schaustellerverbände, wer sich beworben hat. Heute können sie dazu nur noch auf Grundlage eines anonymisierten Plans Stellung nehmen. Sie protestierten mit juristischer Unterstützung gegen die neue Zulassungsordnung. Röhrßen fasst die Antwort des Innenressorts so zusammen: „Es bleibt so, wie es ist.“ Konsequenz: „Wir wollen dagegen klagen.“

Die Forderung: Transparenz – wie es sie in anderen Städten gebe. „Das anonymisierte Verfahren ist tödlich für diese Veranstaltung“, sagt Robrahn. Er sieht sich „den willkürlichen Entscheidungen der Tagespolitik und dem Nicht-Interesse einiger Verwaltungsangestellter ausgesetzt“.

Die Kritik am Zulassungsverfahren sei im Ressort bekannt, sagt Olaf Bull, Sprecher der Innenbehörde. Gegenwärtig werde mit der Verwaltung beraten, wie Abhilfe zu schaffen sei. Die neuen Gebühren sind Thema der Deputationssitzung am 22. Mai. Schon zuvor werde sich Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) allen Kritikpunkten stellen – bei einem von der SPD organisierten Schaustellerfrühschoppen am 3. April: „Da kommt alles auf den Tisch.“

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