Leiterin der Untersuchungshaft im Gespräch

JVA Oslebshausen: Handyschmuggel für Insassen nicht besonders schwer

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Kein Hindernis: Die Mauern der JVA Oslebshausen stellen für Handy- und Drogenschmuggler offenbar keine große Hürde dar. 

Sie sind dort verboten – und landen dennoch in rauen Mengen im Gefängnis. 271 Handys wurden in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Oslebshausen im Jahr 2018 bei Insassen sichergestellt. Auch Hikmet K. (31), Kopf einer mutmaßlichen Betrügerbande, gehörte dazu, sagte die Leiterin der Untersuchungshaft am Dienstag vor dem Landgericht Bremen. Allein drei Mobiltelefone fanden Mitarbeiter in seiner Zelle, dazu eine SIM-Karte. Schwer sei das nicht, räumte die Zeugin ein.

Bremen - Landgericht Bremen, kurz vor 9 Uhr. SEK-Beamte bringen Hikmet K. von der JVA Oslebshausen in den Innenhof des Justizgebäudes. Später wird der Mann, dem 14   Betrugstaten zum Nachteil älterer Menschen zur Last gelegt werden, von den schwerbewaffneten Spezialkräften in den Sitzungssaal geführt. Es bestehe Fluchtgefahr, so lautet die Begründung für das streng getaktete Vorgehen. K., der zusammen mit drei weiteren Angeklagten mit der Masche „falscher Polizist“ rund 2,35  Millionen Euro erbeutet haben soll, hatte Fluchtversuche wohl schon aus der U-Haft-Zelle gestartet. Bislang scheiterte er damit. Dass der 31-Jährige überhaupt Kontakt zur Welt außerhalb der Gefängnismauern aufnehmen konnte, verdankte er eingeschmuggelten Handys.

JVA Oslebshausen: Rund 630 Insassen

Besonders schwer hatte es der Angeklagte dabei wohl nicht, sagt die Abteilungsleiterin der Untersuchungshaftstation. „Es gibt diverse Möglichkeiten“, so die 50-Jährige. „Es gibt diverse Lücken.“ Rund 630 Insassen sind in der 1874 fertiggestelltenJVA Oslebshausen inhaftiert, 100   Plätze für Untersuchungshäftlinge gibt es. Dort sitzt K. seit September 2018.

Wie genau die Mobiltelefone in seine Zellen kamen, darüber könne man nur spekulieren, sagt die Zeugin. Durch Besucher, Lieferanten, durch Insassen, die Freigang haben, oder durch Mitgefangene könne K. an die Handys gelangt sein, das wisse niemand so genau. „Das ist einfach nicht aufklärbar. Es gibt tausend Möglichkeiten.“

Personen werfen Handys und Drogen über Zaun

Eine äußerst beliebte und bereits mehrfach beobachtete Variante sei es, dass Personen von außerhalb Handys und auch Drogen über den etwa fünfeinhalb Meter hohen Zaun werfen. Vorteil für die Schmuggler: Direkt neben einem der Zentralgebäude liegt ein öffentlicher Wanderweg. In Zwiebelsäcken, aber auch in Tennisbällen versteckt, landeten die Sachen dann zunächst im Gefängnishof. Dort würden Insassen mit verbogenen Gabeln oder Kleiderbügeln und daran befestigten Laken das Schmuggelgut einfach in ihre Zelle „angeln“. Feinmaschige Gitter vor den Fenstern sollen dies eigentlich verhindern. Doch die Gitter werden häufig zerstört, so die Zeugin. Ähnlich sei es mit Drogen. Auch hier sei der Aufwand „geringer als uns das lieb ist“.

Illegale Drogen: „Spice“ ein großes Problem

In U-Haft bestehe das Problem mit illegalen Substanzen aufgrund der strengeren Sicherheitsvorkehrungen nur im Ansatz, in der Strafhaft sei besonders „Spice“ ein großes Problem. Die Gründe: Das synthetische Cannabisprodukt ist billig, so die Zeugin, und im Urin nicht nachweisbar. „Die Wirkung jedoch ist katastrophal“. „Wenn jemand an Betäubungsmittel rankommen will, kommt er da auch ran“, so ihr Fazit.

Bis zu 100 Insassen hätten zeitgleich Hofgang und würden auch innerhalb des Gefängnisses „Bunker“ nutzen, um so untereinander Dinge auszutauschen. „Wir leben eben nicht auf einer Insel.“

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