Orientierung und Zivilcourage

Bremen legt Kriterien für Selbstbehauptungskurse fest

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Trainer Frank Kunze (früher Polizei, heute Sportverein Bremen 1860) und Trainerin Martina Rohland führen einen Befreiungs-Trick vor. Die Faust gibt der Frau mehr Kraft, sich aus dem Griff des Angreifers zu befreien: „Möglichst zum offenen Daumen hin nach oben arbeiten.“ 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Übergriffe und Gewalt in der Familie, im beruflichen Umfeld, auf der Straße – dagegen wollen viele Menschen sich schützen. Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse erleben einen regelrechten Boom. Doch halten all diese Angebote, was die Werbung verspricht? Nein – und auch nicht jeder Kursus passt zu jedem Menschen. In Bremen wurden nun Kriterien entwickelt, die Interessenten und Anbietern zu guten Kursen verhelfen sollen.

„Wir haben 2015 damit begonnen, an Standards zu arbeiten“, sagt Bremens Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe. Soll heißen: „Vor Köln.“ Ziel sei es gewesen, den „Wald“ der vielen Kursangebote „etwas zu sortieren“. Die entwickelten Kriterien sollten „Orientierung“ bieten.

Hauffes Behörde und die Polizei, das Bremer Jungenbüro, der Landessportbund und das Wendo-Netzwerk Nordwest gehören zu jenen, die die Standards erarbeitet haben. Sie liegen nun als 36-Seiten-Broschüre gedruckt und online vor – gemeinsam herausgegeben von der Frauenbeauftragten und der Polizei, verabschiedet von der Deputation für Soziales, Jugend und Sport. Kursanbieter, die öffentliches Geld bekommen, sollen die Kriterien erfüllen. Soweit die Verbindlichkeit.

Auf den 36 Seiten werden Rahmenbedingungen festgelegt und Begriffe definiert. Kampfsportstrategien, heißt es dort beispielsweise, seien „langfristig eine gute Ergänzung zu Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen, können diese aber nicht ersetzen“. Und, ganz grundsätzlich: „Selbstverteidigung setzt Selbstbehauptung voraus.“ Die Kurse müssten von den Lebensumständen und Erfahrungen der Teilnehmer ausgehen – und ihnen unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten vermitteln: Sprache, Körpersprache, Einsatz von Techniken und Mitteln.

„Die Kompetenz, sich selber zu helfen“

Unterschieden werden zudem spezielle Kriterien für unterschiedliche Personengruppen – Mädchen und Frauen, Jungen und Männer, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderung, Menschen zwischen den Geschlechtern. Und so weiter, und so fort. Für einzelne Gruppen sind zudem konkrete Checklisten beigefügt.

Für Polizeipräsident Lutz Müller sind die Standards ein wichtiger Beitrag zur Präventionsarbeit. Es gehe um „die Kompetenz, sich selber zu helfen“. Und die habe sich in den zurückliegenden Jahrzehnten „eher zurückentwickelt“.

Müller: „Sich gegen Übergriffe und Gewalt zu behaupten und anderen Menschen Hilfe zu leisten, ist wirksamer Selbstschutz und fördert zugleich die Zivilcourage – das ist im Interesse eines friedlichen Gemeinwesens und im ganz besonderen Interesse der Polizei.“

Nun werde es darum gehen, die Standards „bekannt zu machen und zu verankern“, so Tina Brinkmann-Lange vom Landessportbund (LSB). „Für den LSB und die Fachverbände zum Beispiel liefern sie die inhaltliche Grundlage für gezielte Fortbildungen unserer Übungsleiter.“

Hier geht es zur Broschüre: www.zgf.bremen.de/sixcms/media.php/13/Selbstbehauptung_web.pdf

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