„Opus Einhundert“: 100 Menschen stehen gemeinsam auf der Bühne

Vielfalt bewegt

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Probe für „Matrix“. An den inklusiven und generationsübergreifenden Kulturprojekten von „Opus Einhundert“ nehmen immer mindestens 100 Menschen teil.

Bremen - Von Astrid Labbert. Kunst kann berühren – und sie kann bewegen. „Opus Einhundert“ hat sich das zur Aufgabe gemacht. Das gemeinnützige Unternehmen zweier Bremer Kulturschaffender initiiert riesige Kulturprojekte. Im Mai gehen wieder über 100 Menschen gemeinsam auf die Bühne.

Eine Gruppe Jugendlicher steht auf der Bühne. „Meine Heimat ist...“. Jeder sagt diesen Satzanfang und führt ihn für sich zu Ende. „Da, wo ich zu Hause bin“, sagt einer. „Wo sich das Handy automatisch ins W-Lan einwählt“, meint einer und erntet überraschtes Lachen. Das Publikum besteht an diesem Tag im Saal des Bürgerzentrums Neue Vahr aus 50 Stadtteilbewohnern, die sich so wie die Jugendlichen auf das Mammutprojekt „Matrix“ eingelassen haben: Kinder, Frauen, Männer.

Mehr als 100 Leute werden zur Premiere im Mai auf der Bühne stehen. Mindestens ebenso viele werden drumherum engagiert sein, um die drei Open-Air-Aufführungen von „Matrix – ein Musiktheater über Heimat in Zukunft“ zum Erfolg zu bringen. „Matrix“ ist Tanz, Musik und Schauspiel in einem. Ein Stadtteilprojekt, das Begegnung ermöglichen und Grenzen zwischen Bach, Folklore und Hip-Hop aufweichen will. Und das vom Mitmachen vieler Laien lebt, begleitet von Profis wie dem Blechbläserensemble der Bremer Philharmoniker und eben „Opus Einhundert“. Seit mehr als zehn Jahren organisieren Alexander Hauer und Corinna Bruggaier Musik-, Tanz- und Stadtteilprojekte. 2011 entstand daraus das gemeinnützige Unternehmen. Menschen zusammenbringen, die sonst nichts miteinander zu tun haben, das ist die Idee. „Wir schaffen den Anlass“, sagt der künstlerische Leiter Hauer. „Jeder bringt das ein, was er kann.“ In Hildesheim lief gerade ihr inklusives und generationsübergreifendes Musik- und Tanztheaterprojekt mit der NDR-Radiophilharmonie, in Oldenburg nimmt ein Tanzprojekt Formen an. Und in Bremen biegen die Macher jetzt mit „Matrix“ auf die Zielgerade ein. Hauer ist Schauspieler und besucht seit Wochen die Gruppen bei den Proben und bespricht mit ihnen Szenen, die sie einbringen wollen.

„Wir wussten erst nicht, worauf wir uns einlassen“, sagt der 17-jährige Mehmet, einer der Akteure. Der türkische Chor hat ihm imponiert. Den Chor hatte zum Mitmachen bewogen, „dass unterschiedliche Kulturen zu einem Projekt zusammenkommen und ihre Kultur vorstellen“, sagt Mitglied Fatih Gürsoy. Das wiederum hat bei der 15-jährigen Cassandra das Bild, das sie bis dato von einem Chor hatte, verändert: „Man denkt ja an einen Kirchenchor, ruhig und so“, sagt die Schülerin. Stattdessen erlebt sie eine Truppe mit Darbouka (Trommel), Ud (türkische Laute), Flöte und rhythmischem Klatschen. Was sich Cassandra indes noch nicht vorstellen kann: Wie soll das alles am Ende zusammen aufgehen, in 70 Minuten „Matrix“?

Dieses Wissen haben die „Opus-Einhundert“-Macher voraus. Alexander Hauer und Corinna Bruggaier sorgen nicht nur für den dramaturgischen roten Faden, sondern auch für die Einbindung aller über einen längeren Probenzeitraum. Dass solch ein Mammutprojekt funktionieren kann, haben sie vielfach erlebt und ihre Erkenntnis zum Motto erklärt: „“. Hilfreich ist dabei auch das Mitwirken der Bremer Philharmoniker, die zum zweiten Mal dabei sind. Musiker Marko Gartelmann schaut vom Bühnenrand aus zu. „Das ist ,Work in Progress‘: ergebnisoffen und spannend“, sagt Gartelmann, der Koordinator für Musikvermittlung des Orchesters ist. Die Profimusiker schätzen in Projekten wie diesen die persönlichen Begegnungen und die Chance, Berührungsängste abzubauen. „Klassische Musik kann und muss sich öffnen“, ist Gartelmann überzeugt.

Die Premiere findet am Donnerstag, 21. Mai, 20 Uhr, im Freilufttheater auf dem Marktplatz in der Vahr (Berliner Freiheit) statt. Am Freitag, 22. Mai, ist „Matrix“ um 11 und 20 Uhr zu sehen.

www.opuseinhundert.com

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