„Bauen für Bremen – Architektur in der Hansestadt“: Das Polizeihaus

„Optimum an Raumnutzung“

Die Wall-Seite des früheren Polizeihauses mit den beiden Türmen. ·
+
Die Wall-Seite des früheren Polizeihauses mit den beiden Türmen. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj„Eine Trutzburg.“ Das ist oft zu hören, wenn vom früheren Polizeihaus (Am Wall) die Rede ist. Doch „Trutzburg“ beschreibt das Bauwerk nur vordergründig, nur zum Teil.

Von 1906 bis 1908 war es nach Plänen des Berliner Architekten Carl Börnstein, 1868 in Bremen geboren, errichtet worden. Wieso eigentlich? Nun, die Bremer standen damals im Begriff, ihr Rathaus mit der Weserrenaissancefassade um einen Anbau zu erweitern, um das Neue Rathaus (Bauzeit: 1909 bis 1913, Architekt: Gabriel von Seidl). Dem Neuen Rathaus musste das Stadthaus weichen – ein klassizistisches Gebäude, in dem Behörden und Gerichte untergebracht waren. Und die Polizei.

Die also brauchte nun – neben anderen – ein neues Gebäude, und nach Geschmack und Stil der Zeit ein möglichst repräsentatives. „Historisierende Fassadengestaltung und überdimensionierter Baukörper zeugen von dem damaligen Wunsch nach repräsentativen Formen für öffentliche Gebäude“, heißt es denn auch in leicht pikiertem Ton auf einer Tafel, die heute an der Fassade des Bauwerks zu lesen ist. Die „Eingangsseite zum Wall“ markiere „mit zwei Türmen den östlichen Zugang zur Bremer Altstadt“.

Seit 1992 steht Börnsteins Bau unter Denkmalschutz. Und in der Datenbank des Bremer Denkmalpflegers lesen sich die Informationen zum Gebäude schon etwas anders: „Aus dem Zuschnitt des Bauplatzes ergab sich eine an ein Trapez erinnernde Grundfigur, dessen äußere Bebauung den Komplex vollständig geschlossen umschreibt und durch zwei Quertrakte den Hofinnenraum in drei kleinere Höfe unterteilte. Es wurde so ein Optimum an Raumausnutzung erreicht.“

In der Architektursprache entdeckte der frühere Bremer Landeskonservator Dr. Hans-Christoph Hoffmann neben Anklängen der „Wehrhaftigkeit“ – Stichwort: Trutzburg – auch ganz andere Aspekte. So machten „die verputzten Langfronten mit ihrer sparsamen Gliederung durch Erker und Giebelaufbauten den Charakter moderner Verwaltung deutlich“. Nach dem Krieg seien einzelne Architekturelemente entfernt worden, was im Ergebnis die Eingangsfront nun „wesentlich martialischer“ erscheinen lasse.

Detailreich auch der Schmuck im Inneren – vom Treppengeländer über Säulenkapitelle etwa mit der „Eule der Weisheit“ bis zur in den Fußboden eingelassen Bremer „Speckflagge“.

Grundlegende Veränderungen folgten in den Jahren 2002 bis 2004. Nach dem Umzug des Polizeipräsidiums in die Vahr (1999) baute der Bremer Architekt Thomas Klumpp das nunmehr „frühere“ Polizeihaus um. Das Wall-Forum entstand – mit Gastronomie und Geschäften, Tanzfilminstitut und Gerichten. Und vor allem mit der Zentralbibliothek. Von Klumpp stammt – anfangs gemeinsam mit Wolfram Goldapp – auch die postmoderne Wohnbebauung an der Marterburg, die dem früheren Polizeihaus zur Schnoor-Seite hin gegenüberliegt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“
Polizei Bremen sucht mit Phantombild nach Messer-Mann

Polizei Bremen sucht mit Phantombild nach Messer-Mann

Polizei Bremen sucht mit Phantombild nach Messer-Mann
Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz

Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz

Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz
Acht-Millionen-Diebin untergetaucht: Wo ist Yasemin Gündogan?

Acht-Millionen-Diebin untergetaucht: Wo ist Yasemin Gündogan?

Acht-Millionen-Diebin untergetaucht: Wo ist Yasemin Gündogan?

Kommentare