Opfer von Überfall erkennt zwei Angeklagte im „Ultra“-Prozess wieder

Prügel auf offener Straße

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Mediengruppe Kreiszeitung

Bremen - Von Steffen Koller. Der „Ultra“-Prozess gegen Valentin S. und zwei weitere Mitangeklagte am Landgericht Bremen kommt so langsam ins Rollen: Gestern berichtete ein mutmaßliches Opfer des Trios von einem brutalen Überfall. Der 36-Jährige erkannte mindestens zwei Angeklagte im Gerichtssaal wieder.

Zögerlich betritt der Mann den Saal 218 des Bremer Landgerichts, es ist spürbar, dass die Geschehnisse vom 30. Mai 2014 noch immer sehr präsent sind. Damals, es war gegen 22 Uhr, geht der 36-Jährige zusammen mit einem Kollegen im Steintorviertel einkaufen. Sie werden angesprochen, ob sie Nazis seien, erinnert sich der Mann. Grund für die Annahme, es handele sich um Mitglieder der rechten Szene, war wohl die Marke der Bauchtasche, die in der Neonazi-Szene sehr beliebt sei. Zwar verneinen beide die Frage, dennoch werden sie kurz nach Verlassen des Supermarktes von sechs bis acht Personen attackiert, erinnert sich das Opfer.

Der 36-Jährige will gerade seinen Einkauf abstellen, „da haben bereits alle auf mich eingeprügelt“, schildert der Zeuge, dem anzumerken ist, dass die Aussage ihm einiges abverlangt. Immer wieder gerät der Mann ins Stocken, er atmet schwer, wirkt nervös. Benommen sackt er am Tatort zu Boden, sein Freund kann zwischenzeitlich fliehen, trotzdem lassen die Täter nicht von ihm ab. „Mein ganzer Kopf war voll mit Fußabdrücken.“ Fast sechs Wochen habe er mit den unmittelbaren Folgen des Überfalls zu kämpfen gehabt. Bis heute ist ein Finger taub, der bei Abwehrversuchen gebrochen ist. „Ich will die Sache endlich abhaken“, sagt er.

Während in den vergangenen drei Verhandlungstagen kaum ein Zeuge eindeutige Hinweise auf mögliche Tatbeteiligungen der Angeklagten geben konnte, war sich der Mann gestern sicher, Valentin S. (21) und Georg S. (23) wiederzuerkennen. Zuvor hatte er nach Hinweisen bei Facebook recherchiert. Und auch dort habe er die beiden Männer wiedererkannt, sagt er. Ob auch Daniel M. (22) beteiligt gewesen war, könne er nicht zweifelsfrei sagen. „Das Gesicht kommt mir bekannt vor.“

Besonders interessant an diesem Fall: Der Freund des Opfers, auf den die Täter es ursprünglich abgesehen hatten, wurde zwei Monate zuvor wegen eines Kleidungsstücks von zwei Männern attackiert (wir berichteten). Dieser Fall soll laut Staatsanwaltschaft auch auf das Konto von zwei der drei Angeklagten gehen. Da der Mann, der in beiden Fällen als wichtiger Belastungszeuge gilt, sich nach Polen abgesetzt hat, wird es für die Staatsanwaltschaft schwer, den Angeklagten auch diese Tat nachzuweisen.

Die drei Männer sind unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen angeklagt. Valentin S. werden insgesamt sieben Straftaten zur Last gelegt, Georg S. und Daniel M. sollen jeweils drei Taten begangen haben. Bislang schweigen alle Männer zu den Vorwürfen, man werde sich „schweigend verteidigen“, betonte Rechtsanwalt Horst Wesemann zu Beginn der Hauptverhandlung. Der Prozess wird am Donnerstag, 18. Februar, fortgesetzt.

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