Mord an Lehrerin aus Bremen-Nord wird seit gestern vor dem Landgericht verhandelt

Opfer ohne Überlebenschance

Ein Justizbeamter nimmt dem wegen Mordes an seiner früheren Lehrerin angeklagten jungen Mann gestern zum Prozessauftakt im Bremer Landgericht die Handschellen ab.

Bremen - Von Judith ChristiansenBREMEN · 13 Monate lang plante der 21-Jährige den Mord an seiner ehemaligen Lehrerin. Er versteckte sich in der Nähe ihrer Wohnung in Bremen-Nord und wartete auf sie. Als die 35-Jährige kam, erstach er sie mit 21 Messerstichen in den Oberkörper.

Seit gestern muss sich der junge Mann wegen dieser Tat vor dem Bremer Landgericht verantworten. Er scheint sich auf den Prozess gefreut zu haben. Aufrecht und mit einem Lächeln auf den Lippen kam er in den Gerichtssaal. Der Mann gestand die Tat: „Ja, ich habe die Frau am 18. Dezember 2009 getötet.“ Das Opfer unterrichtete am Gymnasium in Osterholz-Scharmbeck. Der Angeklagte musste die Schule schon vor der Tat verlassen, weil er nicht zum Abitur zugelassen wurde.

Am Tattag brachte der 21-Jährige einen Peilsender am Auto seiner ehemaligen Lehrerin an und fuhr zu deren Haus. Er hatte einen 265 Seiten langen Fragenkatalog mit über 6500 Fragen zu unterschiedlichen Themengebieten dabei und ein Kampfmesser, mit dem er sie im Anschluss an sein „Verhör“ töten wollte. Für die ganze Prozedur hatte er zwei Tage eingeplant. „Es war der Sinn dieses Verhörs, dass sie in ihrer Persönlichkeit gebrochen wird“, sagte der ehemalige Schüler.

Doch der Plan „ging schief“. Als die Lehrerin nach Hause kam und von dem 21-Jährigen in ihr Haus gedrängt werden sollte, sah sie jemanden auf der anderen Straßenseite und rief: „Hey, Sie, es gibt hier ein Problem. Rufen Sie bitte die Polizei.“ Also gab der 21-Jährige seinen Plan, die Lehrerin zu „verhören“, auf, und stach stattdessen sofort auf sie ein. Staatsanwalt Uwe Picard klagt den Mann zwar wegen Mordes an, geht aber davon aus, dass dieser erheblich vermindert schuldfähig ist, weil er an einer schizotypischen Persönlichkeitsstörung leidet. Das Mordmotiv sei Neid und verschmähte Liebe gewesen. Der 21-Jährige erzählte gestern, dass er den Besitz seiner Lehrerin vernichten wollte, damit sie nicht besitze, was auch er nicht besitzen könne. Offenbar war er auf den Fernseher, das Haus, das Auto, den gesamten Lebensstil seiner Lehrerin neidisch. Zum Schluss habe er nur noch Hass und Verachtung für sie empfunden.

Die Eltern des Opfers sind Nebenkläger in dem Verfahren und saßen gestern im Saal. Als der Angeklagte beschrieb, wie er die Tochter der beiden getötet hat, musste sich die Mutter die Ohren zuhalten. Immer wieder schüttelte sie den Kopf. Die Stimmung im Gerichtssaal war gedrückt. Die Zuhörer waren immer wieder schockiert, wenn der Mann verstörende Einzelheiten seiner Tat schilderte.

Der ehemalige Schüler erklärte, dass er die Frau nur dann nicht umgebracht hätte, wenn sie ihm zwei Millionen Euro gegeben oder auf jeglichen materiellen Besitz, Kosmetik und Sex verzichtet hätte. Dabei sei ihm klar gewesen, dass diese Forderungen utopisch seien. Die Frau hatte keine Chance. Reue zeigte der 21-Jährige kaum. „Es tut mir leid um Eltern und Angehörige, weil die weinen müssen.“ Es habe ihm auch leid getan um seine Lehrerin. Das sei nicht mehr so. „Das Bild, was ich von ihr habe, widerspricht meinen Moralvorstellungen.“

Die Verhandlung wird am 5. Juli fortgesetzt.

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