„#FridaysForFuture“ in Bremen

5000 Demonstranten fürs Klima: „Oma, was ist ein Schneemann?“

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„Grünkohl statt Braunkohle“ – an der Ecke Wall/Herdentor formulieren die Schüler ihren Protest auch mit Humor. Etwa 5000 Demo-Teilnehmer sind auf dem Weg zum Marktplatz.

Bremen – Schätzungsweise 5000 Schüler sind es nach Polizeiangaben zu Spitzenzeiten, die sich am Freitagvormittag in Bremen vom Hauptbahnhof über Herdentor und Schüsselkorb zum Marktplatz bewegen. Die (mit Abstand) bisher größte „#FridaysForFuture“-Demo in der Hansestadt. Nur Schüler dabei? Nein, auch Erwachsene zeigen sich solidarisch und laufen mit. Lehrer und Eltern.

Manche Eltern haben auch Kinder im Vorschulalter an der Hand. Busse und Bahnen müssen ausweichen oder warten; die Polizei begleitet den Zug und regelt den Verkehr. Zwischenfälle gibt es nicht. „Alles ruhig“, sagt eine Polizeisprecherin.

Etliche Schüler haben Transparente entrollt – gegen Kohle, gegen Atomkraft, gegen Fleischkonsum. Alles: für den Klimaschutz. Viele Mädchen und Jungen tragen selbstgemalte und beschriebene Pappen. Sie tragen ihre Argumente buchstäblich auf die Straße, durch die Stadt.

Streik und Demo während der Unterrichtszeit? Das ist nicht unumstritten. Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) findet das politische Engagement der Kinder und Jugendlichen „gut, richtig und wichtig“. Sie sagt: „Das ist lebendige Demokratie. Zum Engagement gehört aber auch, eventuelle ,Klassenbuch-Einträge‘ auszuhalten, denn es besteht Schulpflicht.“ Und wer am Freitagvormittag unentschuldigt dem Unterricht fernbleibt, der schwänzt. Als Ausweg gilt die Empfehlung der Behörde, Demo-Teilnahmen wie Ausflüge zu behandeln (und zu organisieren). Eine „Empfehlung, aber keine Order“, so Ressortsprecherin Annette Kemp.

Am Schüsselkorb bleibt der Zug zwischenzeitlich stehen. Dann geht‘s weiter Richtung Marktplatz.

Auf dem Weg zum Hauptbahnhof sind am Freitagmorgen viele Busse und Bahnen überfüllt – große Schülergruppen steigen ein. In einem Bus aus Horn fragt ein Zwölfjähriger seinen Kumpel: „Tim, was sollen wir denn da gleich rufen?“ Tim weiß es auch nicht. Also werden erwachsene Fahrgäste angesprochen. „Wir gehen zur Demo ,#FridaysForFuture‘.“ Er wisse auch nicht, was man da rufen muss, antwortet ein Mann schulterzuckend. „Lebenslang Grün-Weiß. Das ist immer gut.“

Die Schüler aber sind mit dieser Antwort nicht so recht zufrieden. Am Treffpunkt vor dem Hauptbahnhof steht dann auf den vielen Plakaten und Transparenten, was man rufen soll. Ein Plakat zeigt eine Blumenwiese, darüber ist zu lesen: „Wofür wir stehen ist worauf wir stehen!“ Ältere Teilnehmer zeigen ein Transparent mit der Aufschrift „Oma und Opa für ein enkeltaugliches Klima“. Am Herdentor heißt es: „Lieber Haft als Kohlekraft“ und „Grünkohl statt Braunkohle“. Neben dem Wort „Klima“ ist sehr oft „Zukunft“ zu lesen. In Anspielung auf die Erderwärmung steht auf einem Plakat die Frage: „Oma, was ist ein Schneemann?“

„Buchstaben-Performance“ am Nachmittag auf dem Bremer Marktplatz.

Redebeiträge sind unterdessen oft nur schlecht zu verstehen – die Boxen schaffen es einfach nicht, gegen die Menschenmenge anzukommen. Redner fordern unter anderem kostenlosen öffentlichen Nahverkehr für alle als Beitrag zum Klimaschutz. Auf dem Marktplatz stehen auch Zelte, in denen es Workshops und Seminare zum Klima-Thema gibt. Damit trotz Demo nicht die Bildung ausfällt, heißt es,

Am Nachmittag um 17 Uhr folgte auf dem Marktplatz noch eine „Klima-Mahnwache“, zu der ein Öko-Bündnis aufgerufen hatte – unter anderem dabei: Naturschutzbund, „Greenpeace“ und BUND. Teil der Aktion war eine „Buchstaben-Performance“ zum Thema. Der späte Zeitpunkt wurde gewählt, um „auch Berufstätigen die Teilnahme“ zu ermöglichen, so die Organisatoren.

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