Friedrich Melcher und seine „smarte Frau“

Mit offenen Augen durch die Welt

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Friedrich Melcher zeichnet, wann immer er kann, egal wo. „Für mich ist das eine Notwendigkeit, die einfach raus muss“, sagt er.

Bremen - Von Tido Davids. Friedrich Melcher ist berufskreativ. Als Art-Director hat er jahrelang in großen Werbeagenturen gearbeitet. Nebenbei zeichnete er – vor allem Menschen, die ihm in Erinnerung blieben. Mit einem seiner zahllosen Werke ist der Bremer heute Teil unserer Serie „Mein Kunst-Stück“.

Eigentlich haben Melchers Werke keinen Titel, der Ausdruck „Smarte Frau“ sei viel mehr eine Umschreibung. „Mir geht es darum die Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede der einzelnen Menschen darzustellen und ihren Typus in gewisser Weise einzufangen“, sagt der Künstler. Immer und überall habe er dafür sein Skizzenbuch dabei.

„Fällt mir jemand auf, halte ich dessen markante Besonderheiten darin fest. Das passiert intuitiv“, so Melcher. Was genau den Ausschlag gibt, sei schwer zu beantworten. Beim ausgesuchten Werk wurden Ölkreide und Wasserfarben verwendet, am liebsten zeichnet der 58-Jährige mit Zeichentinte. „Mir gefällt die Reduzierung der Bilder auf das Wesentliche“, so Melcher, „dafür braucht es oftmals keine Farben oder aufwendige Schattierungen.“ Besonders das schnelle Arbeiten mache ihm Spaß. Für ein einzelnes Bild braucht der Bremer meist nur etwa fünf Minuten.

Der gelernte Grafikdesigner war schon immer kreativ. „Als Kind habe ich mich von Modemagazinen inspirieren lassen“, erinnert er sich. Einen kreativen Beruf zu erlernen, sei naheliegend gewesen. Nach dem er Kommunikations-Design in Hamburg studiert hat, war der Bremer jahrelang bei verschiedenen Agenturen tätig, ehe er sich als freier Grafik-Designer selbständig machte.

„Ich betrachte mich selbst als kreativen Dienstleister, der für die Aufgabenstellungen des Kunden möglichst überzeugende Lösungen entwickelt. Als Künstler im klassischen Sinne sehe ich mich nicht“, macht der Bremer deutlich. Deshalb habe er auch keinen Künstler-Alltag: „In erster Linie bin ich selbstständig. Nebenbei unterrichte ich an der Kunstschule Wandsbeck. Und wann immer ich Zeit finde, zeichne ich.“ Vollzeit-Künstler zu werden, habe nie zur Debatte gestanden. Auch, weil die finanziellen Aussichten den 58-Jährigen abgeschreckt haben.

Kunst generell helfe, dem Alltag zu entkommen. „Es gibt unzählige verschiedene Kunstformen. Immer wieder muss sich der Betrachter in neue Dinge hineindenken. Mich reizt das Wechselhafte an der Kunst“, sagt Melcher. Ähnlich wie bei seinen Motiven, ginge es darum die Unterschiede zu feiern. Zwar gebe es Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Kunstformen, wie bei den menschlichen Motiven auch, aber jeder Mensch und jede Kunstform unterscheide sich im Detail. „Weder beim Menschen noch in der Kunst sind Pauschalisierungen angebracht“, sagt Melcher.

Als zeichnerische Vorbilder sieht Melcher unter anderem Karl Arnold (1883 bis 1953), Saul Steinberg (1914 bis 1999) und Pablo Picasso (1881 bis 1973). Alle drei verbinden reduzierte zeichnerische Stilmittel.

Besonders das niederländische Künstler-Duo Ari Versluis und Ellie Uyttenbroek habe mit seinem Foto-Projekt „Exactitudes“ seinen Blick auf die Menschen geschärft, sagt Melcher. Die Künstler fotografieren Menschen, um sie anschließend anhand äußerer Merkmale zu gruppieren. Das Ergebnis sind „identisch“ aussehende Menschengruppen.

Die eigene Kunst habe eine besondere Botschaft. „Ich versuche, die Menschen um mich herum bewusst wahrzunehmen und festzuhalten. Dafür gehe ich mit offenen Augen durch die Welt“, sagt der 58-Jährige. Doch durch die Informationsflut sozialer Netzwerke seien die Menschen häufig überfordert. Trotzdem nutze er dies, um sich auf Instagram unter „friedrich.melcher“ mit anderen Kreativen auszutauschen und seine Arbeiten zu präsentieren.

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