Osterholzer Friedhof bekommt neuen Rundgang

„Ökologisches Paradies“

Ein Blickfang: 1 860 Blattgoldsterne hängen an der Decke unter der Kuppel der Osterholzer Friedhofskapelle, die bei einer Restaurierung von 2003 bis 2006 wieder freigelegt wurde.
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Ein Blickfang: 1 860 Blattgoldsterne hängen an der Decke unter der Kuppel der Osterholzer Friedhofskapelle, die bei einer Restaurierung von 2003 bis 2006 wieder freigelegt wurde.
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Der Osterholzer Friedhof ist 100 Jahre alt geworden – genau genommen am 22. Mai. Der für den Friedhof zuständige Umweltbetrieb Bremen hat jetzt einen Rundgang eingerichtet. Hinweistafeln geben Aufschluss über 15 wichtige Orte und Abschnitte auf dem Gelände. Am Donnerstag haben sich das Bremens Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) und Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU) auf den Weg gemacht.

Um alle 15 Stationen zu erkunden, muss man schon eineinhalb Stunden einplanen. Vor allem, um an den Stationen mit Hinweisschildern etwas zu verweilen und das landschaftliche Panorama des Osterholzer Friedhofs zu genießen, der weit mehr wie ein Park als wie ein typischer Friedhof wirkt.

Gleich hinter dem Friedhofseingang liegt ein wunderbarer Duft in der Luft, verströmt von Linden, die in vier Reihen an einer Allee stehen. Bald ist die Kapelle erreicht. Besonders von innen ist sie ein Blickfang. Beide Türen sind offen. Eine beeindruckende Sichtachse. „Die Anlage war damals total modern. Es wurde von Kritikern gelobt, dass Architektur und Landschaft zusammenpassen wie aus einem Guss“, sagt Christina Ruschin, stellvertretende Sprecherin des Umweltbetriebs Bremen. Hunderte von Menschen finden in der Kapelle Platz. Doch der Zeitgeist hat sich geändert, es kommen weniger Gäste zu den Trauerfeiern. Durch die hohe Kuppel kommt es zu langen Nachhallzeiten. In den 50er und 70er Jahren wurden darum Akustik-Platten eingebaut, die Wandgestaltung verschwand und auch der schön gestaltete Deckenhimmel.

1860 Blattgoldsterne unter der Kuppel

Die Pracht wurde 2003 bei einer erneuten Restaurierung wiederentdeckt und der alte Zustand weitgehend wiederhergestellt. 1860 Blattgoldsterne hängen an der Decke, heute flach, früher sogar dreidimensional.

Der Friedhof weist streng gerasterte Formen auf. 100 000 Gehölze verleihen ihm seit Anbeginn eine natürliche Aura. Die Gräberfelder sind vom Weg aus nicht einzusehen, da sie etwas höher liegen. Schaefer bezeichnet den Friedhof auch als „ökologisches Paradies in der Großstadt“. Sie lobt die Biodiversität und den hohen Erlebniswert für Menschen.

Der erste, der auf dem Osterholzer Friedhof beerdigt wurde, war Wilhelm Berger, Dachdecker und bei Arbeiten am Dach der Friedhofs-Kapelle am 15. Mai 1920, kurz vor der Einweihung tödlich verunglückt. Der Betrieb hat den Grabstein seit 100 Jahren stehen lassen. In diesem Jahr hat Horst Massmann von der Bremer Geschichtswerkstatt Osterholz eine Tafel mit einem Text zum Verstorbenen angebracht.

Historisches Gedenken

Der Osterholzer Friedhof ist auch ein Ort des historischen Gedenkens. Mehr als 6 000 Tote aus zwei Weltkriegen liegen auf fünf Ehrenfelder. An einer Stelle darunter die „Ehrenanlage für deutsche Soldaten und ehemalige KZ-Häftlinge“. Und dort stehen Reihen von Kreuzen und Grabsteinen. Hier liegen deutsche und russische Soldaten nebeneinander. Ein bedrückender Anblick ist auch das Werk „Brüderlichkeit im Tod“ des Bildhauers Paul Halbhuber mit sechs Relieffiguren wie aus einem Totenzug. Imhoff sagt: „Wir müssen überlegen, wie wir die Errinnerungskultur aufrechterhalten können.“

Videos und eine Karte zum Rundweg gibt es unter „www.umweltbetrieb-bremen.de“ in der Rubrik Friedhöfe unter „Wunderbar: 100   Jahr“. Der Osterholzer Friedhof (Haupteingang: Osterholzer Heerstraße 32–34) ist täglich bis 20.30  Uhr geöffnet.

Von Martin Kowalewski

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