„Ocean Sampling Day“: Forscher und Bürger nehmen weltweit Wasserproben

Mikrobielle Vielfalt im Meer

+
Der Bioinformatiker Frank Oliver Glöckner mit einer am „Ocean Sampling Day“ genommenen Wasserprobe. Schon ein Tropfen Meerwasser enthält über eine Million Mikroorganismen.

Bremen - Von Viviane Reineking. Morgen ist Sommersonnenwende und damit der längste Tag des Jahres. Nicht zufällig ist es auch der Tag, an dem Wissenschaftler und Bürger auf der ganzen Welt Wasserproben sammeln, um den Geheimnissen der darin enthaltenen Mikroorganismen auf die Spur zu kommen.

„Der Enthusiasmus der Forscher und Bürger am ersten ‚Ocean Sampling Day‘ im vergangenen Jahr hat uns so motiviert, dass wir ihn einfach wiederholen mussten“, sagt Frank Oliver Glöckner von der Jacobs-Universität und dem Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Der Professor für Bioinformatik koordiniert das EU-Projekt „Micro B3“ (B3 für Marine, mikrobielle Biodiversität, Bioinformatik und Biotechnologie), einen Zusammenschluss von 32 akademischen und industriellen Partnern. Ziel des Projektes: die großen Mengen an Daten aus dem Meer für Forscher und Endnutzer verfügbar zu machen und die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung mariner genetischer Ressourcen zu entwickeln.

Am vergangenen „Ocean Sampling Day“ (OSD), der ein Teil des „Micro B3“-Projektes ist, nahmen Wissenschaftler gleichzeitig an über 180 Meeresstationen der Welt Wasserproben – aus subtropischen Gewässern um Hawaii ebenso wie an extremen Orten wie der Framstraße im Nordpolarmeer. Das Ergebnis war nach Angaben der Bremer Forscher der umfassendste, je an einem Tag genommene, marine Datensatz – eine „mikrobiologische Momentaufnahme der Weltmeere“.

Um die riesige Datenmenge aus Temperaturen, Windgeschwindigkeiten, Salzgehalten und den molekularbiologischen Analysen benutzerfreundlich verwalten, analysieren und veranschaulichen zu können, entwickeln die Forscher das „Micro-B3“-System. Die Daten werden gespeichert und in den nächsten Monaten und Jahren mit Hilfe verschiedener Methoden ausgewertet. Letztlich sollen sie ein besseres globales Verständnis für die biologische Vielfalt und Funktion von Mikroorganismen schaffen – auch, um das Wissen über das marine Ökosystem für neue biotechnologische Produkte zu nutzen.

Morgen, Sonntag, geht der OSD in die zweite Runde, um die Datenbasis aus dem vergangenen Jahr zu erweitern. Mittels eines Ausstattungssets für eine Probenentnahme, von dem mehr als 250 Stück vom Max-Planck-Institut an über 20 marine Forschungsstationen weltweit verschickt wurden, können engagierte Bürger nicht nur, wie im vergangenen Jahr, Umweltdaten in einer App sammeln, sondern erstmals wie die Forscher selbst Proben nehmen.

Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, werden alle Proben dank spezieller Ausfuhrgenehmigungen an das Bremer Max-Planck-Institut geliefert. Im vergangenen Jahr hat die Forschungseinrichtung 61 Messungen von Bürgern zurückerhalten, davon eine aus Bremen. „Wir sind schon sehr gespannt, wie viele der Probenkits dieses Jahr tatsächlich zum Einsatz kommen“, so Julia Schnetzer, Koordinatorin des Bürgerwissenschaftsprojektes „My OSD“. „Daraus extrahieren wir die DNA der Mikroorganismen, die wir dann ablesen. Das ist viel Laborarbeit. Die Ergebnisse sind daher erst in rund neun Monaten zu erwarten“, so Schnetzer. Zur Verfügung gestellt werden sie dann öffentlich und für jeden frei nutzbar im Internet.

„Bürger unterstützen damit aktiv die Meeres- und Klimaforschung“, so Glöckner. „Auch 150 marine Forschungsstationen sind nicht allzu viel, wenn man bedenkt, wie groß das marine Ökosystem ist“, so Glöckner. Außerdem erhoffen sich die Forscher ein besseres Verständnis für die Bedeutung der Meere und der darin lebenden Mikroorganismen seitens der Bürger.

Das Datum des 21. Juni war keineswegs zufällig ausgewählt: Die Sommersonnenwende stellt auf der Nordhalbkugel den längsten Tag des Jahres dar. Meeresorganismen haben zumindest in den oberen Schichten die längste Sonnenbestrahlung genossen und waren sehr aktiv, so die Bremer Forscher. Warum es wichtig ist, die Proben weltweit an einem Tag zu sammeln, erklärt Bioinformatiker Glöckner: „Damit schließen wir den Parameter ‚Zeit‘ aus. Wir wollen wissen, wie sich die Biodiversität an einem Tag global verhält, um dann zum Beispiel die nördliche mit der südlichen Hemisphäre vergleichen zu können.“

vr

Gefährliche Sternenjagd für Marc und Jens  - Tag 9 im Camp

Gefährliche Sternenjagd für Marc und Jens  - Tag 9 im Camp

Einzelkritik: Delaney lässt sein Potential aufblitzen

Einzelkritik: Delaney lässt sein Potential aufblitzen

Fieberhafte Suche nach Vermissten an verschüttetem Hotel

Fieberhafte Suche nach Vermissten an verschüttetem Hotel

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

Meistgelesene Artikel

Polizeieinsatz gegen den Drogenhandel: Kontrolle in Spielothek

Polizeieinsatz gegen den Drogenhandel: Kontrolle in Spielothek

Prozess gegen Ferdi M.: Familie und Kollegen des Opfers berichten

Prozess gegen Ferdi M.: Familie und Kollegen des Opfers berichten

Unfall mit Schüler: Observationsbericht belastet 27-Jährigen

Unfall mit Schüler: Observationsbericht belastet 27-Jährigen

Marcel Kalz und Iljo Keisse sind die Könige von Bremen

Marcel Kalz und Iljo Keisse sind die Könige von Bremen

Kommentare