„Ein Menschenrecht“: Neues Bündnis gegen Wohnungsnot will Druck aufbauen

„Obdachlose sind Verlierer“

Auch in Tenever ist bezahlbarer Wohnraum ein seltenes Gut. Die Warteliste für Wohnungen wird immer länger, sagt Joachim Barloschky, Sprecher eines neuen Aktionsbündnisses gegen Wohnungsnot. · Archivfoto: Esser

Bremen - Von Jörg Esser. „Wohnen ist ein Menschenrecht“, sagt Joachim Barloschky. Der Sprecher eines neuen Aktionsbündnisses gegen Wohnungsnot in Bremen verweist auf die Landesverfassung. In Artikel 14 heißt es: „Jeder Bewohner der Freien Hansestadt Bremen hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung. Es ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden, die Verwirklichung dieses Anspruches zu fördern.“

Das Bündnis aus Kirche, Diakonie und Studentenschaft will die Bremer Politiker an diesen Artikel der Landesverfassung erinnern. Sie sollen umsteuern. Und den sozialen Wohnungsbau wiederbeleben. Die Zeit jedenfalls drängt. „Tausende von Bürgern unserer Stadt verzweifeln, weil es ihnen nicht gelingt, eine menschenwürdige und bezahlbare Wohnung zu bekommen“, sagt Barloschky, der jahrelang Quartiersmanager in Tenever war. Dazu zählten Familien mit geringen Einkommen, die zu wenig Platz für ihre Kinder haben, alte Menschen mit knapper Rente, Bürger mit ausländischen Wurzeln, die allein wegen ihres Namens auf den Wartelisten der Wohnungsbauunternehmen ganz hinten landeten, und Studenten, die kein Quartier finden.

Auch im ehemaligen Problemstadtteil Tenever ist bezahlbarer Wohnraum kaum vorhanden. Es gibt laut Barloschky lange Wartelisten für freie Wohnungen. Und zwei „Schrottimmobilien“ in der Neuwieder Straße, die Spekulanten verkommen lassen. In Bremen entstehe fast nur noch Wohnraum für Besserverdienende. „Die Menschen, die sich das nicht leisten können, werden vergessen.“

Zu der steigenden Zahl von Wohnungssuchenden kommen immer mehr Obdachlose. Deren Zahl sei in Bremen 2011 im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf fast 850 gestiegen, sagt der Leiter der diakonischen Wohnungslosenhilfe, Bertold Reetz. „Das sind nur die Leute, die sich melden.“ Man müsse noch eine „Dunkelziffer“ von 200 bis 300 Menschen dazurechnen.

Unter den Wohnungssuchenden wiederum gebe es einen Verdrängungswettbewerb, sagt Reetz. Die Obdachlosen seien die ersten Verlierer. „Der Markt nutzt die Not der Menschen aus“, ergänzt Landesdiakoniepfarrer Michael Schmidt. Dass die nach bezahlbarem Wohnraum Suchenden gegeneinander ausgespielt werden, will das Bündnis verhindern. Druck für einen politischen Aktionsplan soll erzeugt werden. „Wir wollen etwas anstoßen und unsere Forderungen weiter zuspitzen“, sagt Barloschky.

Wer sich engagieren wolle, sei zum nächsten Treffen des Bündnisses am Montag, 4. Juni, um 16.30 Uhr beim Diakonischen Werk (Contrescarpe 101) eingeladen. Am Mittwoch, 4. Juli, ist in der Kirche Unser Lieben Frauen eine Veranstaltung gegen die Wohnungsnot in Bremen geplant, zu der Vertreter aus der Politik eingeladen werden. Sie beginnt um 18 Uhr.

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