Bewährungsstrafe für 25-Jährigen

„Nutzen Sie Ihre Chance“

Bremen - Von Judith ChristiansenBREMEN · Zwei Jahre Freiheitsentzug auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung. So lautete die Strafe, die die Vorsitzende Richterin Dr. Claudia Schilling gestern über den 25-jährigen Bremer am Landgericht verhängte. Der Mann muss außerdem 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und eine ambulante Verhaltenstherapie machen.

Angeklagt war der Mann ursprünglich wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung. „Die Aussagen der Nebenklägerin waren widersprüchlich. Und auch wenn die Gründe dafür nachvollziehbar waren, konnten wir uns nicht darauf gründen“, sagte die Richterin.

Der 25-Jährige war am 31. Oktober 2009 auf dem Freimarkt und der Discomeile unterwegs. Irgendwann verabredete er sich mit seiner Bekannten, und ging mit ihr gemeinsam in eine Discothek. Am frühen Morgen beschloss das Pärchen, die Disco zu verlassen, um Geschlechtsverkehr zu haben. Die Frau soll in ihren ersten Aussagen bei der Polizei gesagt haben, dass der 25-Jährige sie gleich vergewaltigt habe. Doch die beiden waren auf einem Treppenaufgang an der Rückseite des Finanzamts. Dort hängt eine Kamera, und alles, was sich abgespielt hat, wurde aufgenommen.

Nach einiger Zeit hat der Mann Lederhandschuhe angezogen, die Frau in den „Polizeigriff“ genommen, die Hände um ihren Hals gelegt und sie so lange gewürgt, bis sie bewusstlos wurde, so die Anklage. Das Opfer, Nebenklägerin in diesem Prozess, soll bis heute unter den Folgen leiden. Es sei eine Nah-Tod-Erfahrung für das Opfer gewesen, so die Richterin.

„Nutzen Sie Ihre Chance“, sagte die Vorsitzende am Ende der Verhandlung zu dem jungen Mann. „Das werde ich“, antwortete er. Bislang hat der Mann noch keine Bewährung durchgehalten. Doch seine Vorstrafen seien nicht einschlägig. Außerdem habe er inzwischen erfolgreich eine Drogentherapie gemacht. „Er hat uns glaubhaft bekundet, dass er Widergutmachung leisten will.“ Auch nach der Tat schon habe er ihr beim Anziehen geholfen und sie nicht einfach bewusstlos liegen lassen.

Im Laufe des Abends und der Nacht soll er eine ganze Menge harten Alkohol getrunken haben, so dass er zum Zeitpunkt der Tat einen Blutalkoholwert von 2,5 Promille gehabt haben könnte, sagt der Gutachter. Er konnte eine verminderte Schuldfähigkeit also nicht ausschließen.

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