Die „Corona-Edition“ des Festivals „La Strada“ in Knoops Park

Nur liebe Menschen

Eine merkwürdige Pose für einen Boxkampf. Aber Boga Crackin‘ Pastek (l.) und Galli Royal Pastek von der Gruppe „Compagnie Charlie“ aus Belgien nehmen‘s in Knoops Park mit Humor.
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Eine merkwürdige Pose für einen Boxkampf. Aber Boga Crackin‘ Pastek (l.) und Galli Royal Pastek von der Gruppe „Compagnie Charlie“ aus Belgien nehmen‘s in Knoops Park mit Humor.

Bremen – „Sie sind auch lieb?“ Das fragt Hendrik, der eine triste Uniform trägt und seinen Checkpoint am Einlass der „Corona-Edition“ des Straßentheaterfestivals „La Strada“ in Knoops Park im Bremer Norden aufgebaut hat. Die Besucher merken sofort, dass bei „La Strada“ diesmal so ziemlich alles anders ist als sonst. Zuschauer brauchen Tickets und einen Mundschutz, zumindest am Einlass.

Der belgische Künstler Hendrik tut an der „Grenzkontrolle“ ein Übriges. Der angesprochene Mann an der Spitze bejaht die Frage, ob er auch lieb sei. Hendrik sagt: „Gut. Wir können wegen Corona nur liebe Leute reinlassen.“

Auch bei einem anderen Mann hakt er nach: „Suchen Sie noch? Sie können anrufen, wenn Sie bis heute Nachmittag niemanden gefunden haben.“ Ein interessantes Hilfsangebot, das Hendrik gegenüber dem stillen, etwas verlegen wirkenden Mann noch untermalt. „Blond, brünett, dick oder dünn ist egal?“

„La Strada“ in Corona-Zeiten: Stühle zum Umhertragen

Für jeden der 350 Besucher dieser Vorstellung steht ein leichter Stuhl vor der Bühne der ersten Darbietung bereit, der zu den anderen Veranstaltungsorten im Park mitgenommen wird, wo typisches „La-Strada“-Programm zu sehen ist. Anders als sonst ist auch, dass es einen künstlerischen Begrüßungsservice gibt: This Maag aus der Schweiz und El Goma aus Argentinien empfangen die Besucher und begleiten sie ein Stück in Richtung der Stühle. Natürlich geht es dabei fast immer um Corona und die Sicherheit.

Eine Gruppe kommt, dabei ein Mann mit Glatze. Maag winkt dem Mann mit einem Federschmuck, den er aus einer Kiste holt, läuft zu ihm. „Augen zu“, sagt er – und desinfiziert die Glatze mit einem Spray, setzt den Federschmuck auf. Der Mann geht lachend weiter.

Maag liefert laufend kesse Sprüche, während Goma schweigt, aber die ganze Zeit ebenfalls verrückte Dinge tut. Während ein Senior im Rollstuhl Richtung Veranstaltung fährt, betätigt er einen Joystick, als würde er ihn lenken. Der Senior spielt mit und saust auf Goma zu, der etwas vor ihm wegrennt. Die Künstler verfügen auch über eine Hand, befestigt an einer mehrere Meter langen Angel, mit der sie Besuchern die Hand geben.

„La Strada“: Corona-Schutz ohne erhobenen Zeigefinger

Wichtig sei gewesen, die Schutzmaßnahmen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu präsentieren, sagt „La-Strada“-Sprecherin Frederieke Behrens. Wegen der Beschränkungen kommen im Laufe des Wochenendes insgesamt nur 1 750 Zuschauer in den Genuss des Festivals.

Sieben Künstler beziehungsweise Gruppen sind zu sehen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf Künstlern aus Belgien, die allesamt einen maximal 48 Stunden alten Corona-Test vorlegen mussten.

Das normale Festival – eigentlich Juni im Herzen Bremens – war schon geplant. Dann erzwang der Shutdown die Planung eines ganz neuen Festivals, sagt Behrens. Die Besucher würden sich gut an die Sicherheitsregeln halten. Kai (54) und Barbara (55) aus Bremen freuen sich, dass „La Strada“ stattfindet. Kai sagt, man könne sogar besser sehen als sonst.

Ein Boxring ist aufgebaut. Ein derber Einstieg in das Hauptprogramm scheint zu drohen. Die Künstler der Slapstick-Gruppe „Compagnie Charlie“ aus Belgien machen klar, erst Siesta, dann Boxkampf. Und es erweist sich bereits als schwer, sich passend anzuziehen.

Damit dieser in die Boxhose kommt, nimmt Boxer Boga Crackin‘ Pastek seinen Kollegen Galli Royal Pastek auf den Rücken, beugt sich nach vorne und zieht ihm die Hose hinterrücks an. Der Kampf wird eher ein Boxtanz, der auch etwas an einen Bud-Spencer-Film erinnert. In der wilden Darbietung zeigen die beiden, dass sie akrobatisch fit sind: „La Strada“ pur.

El Goma aus Argentinien als „La-Strada“-Platzanweiser. Mit seinen Maßbändern informiert er zum Thema „Corona-Mindestabstand“.

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