Versuchter Totschlag vor Gericht: 24-Jähriger im Musicaltheater über Brüstung geworfen

„Nur knapp dem Tod entkommen“

Bremen - Von Judith ChristiansenBREMEN · 5,24 Meter fiel ein 24-Jähriger in die Tiefe, nachdem er am 30. August 2009 im Bremer Musicaltheater von einer Brüstung stürzte. Zwei gleichaltrige Männer müssen sich seit gestern vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten, denn die Anklage ist überzeugt, dass sie das Opfer im Streit über die Balustrade geworfen haben.

Laut Anklage sollen die beiden 24-Jährigen den Mann nicht nur über die Brüstung geworfen, sondern ihn vorher auch verprügelt haben. Das Opfer erlitt mehrere Faustschläge im Gesicht, brach sich u.a. den Arm und die Hand, trug Brüche im Gesicht und Kopfbereich davon. Außerdem wurde die Halswirbelsäule verletzt.

Einer der beiden Angeklagten wollte gestern keine Angaben machen, der andere ließ von seinem Verteidiger Dr. Helmut Pollähne eine Erklärung abgeben. „Der Nebenkläger wurde das Opfer einer furchtbaren Tat. Er ist, davon muss man ausgehen, nur knapp dem Tod entkommen“, so Pollähne. Sein Mandant bedauere was passiert sei, könne sich aber an die eigentliche Tat nicht erinnern. Er könne die Tat weder abstreiten noch zugeben. „Er weiß, dass er das Geschehene nicht ungeschehen machen kann. Und er weiß, dass er dem Nebenkläger Genugtuung und Entschädigung schuldig ist.“

Vor der Tat hätten die beiden Angeklagten mit einem Bekannten eine Flasche Wodka getrunken und seien dann zu einer Party ins Musicaltheater gegangen. Dort hätten sie noch weiter getrunken. An dem Alkohol soll es auch liegen, dass sich der 24-Jährige nur bruchstückhaft an den Abend erinnere, könne. Er habe eine Rauferei mitbekommen und jemanden erkannt, dem er helfen wollte. „Das nächste, woran ich mich erinnern kann, ist der Sturz des Geschädigten, kurz vor dem Aufprall“, so der junge Mann gestern. „Ich konnte die Höhe gar nicht einschätzen. Ich wusste gar nicht, wie schlimm das jetzt war.“

An dem Tatgeschehen sollen drei weitere Personen beteiligt gewesen sein, die ein eigenes Verfahren erwartet.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 6. Mai, um 9.15 Uhr mit der Aussage des Nebenklägers fortgesetzt. Laut seiner Anwältin Britta von Döllen-Korgel soll der Mann durch den Sturz Dauerschäden davongetragen haben und immer noch unter der Tat leiden. Er sei in therapeutischer und medizinischer Behandlung.

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