Arbeitnehmerkammer: Beschäftigung wächst nicht so stark wie die Wirtschaft

„Nur graues Mittelfeld“

Die Industrie – unser Foto zeigt die Produktion bei Mercedes – trägt das bremische Wirtschaftswachstum. Die Arbeitnehmerkammer beklagt, dass die Beschäftigung nicht in gleichem Maße wächst. - Foto: Daimler AG

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „In der wirtschaftlichen Entwicklung Champions League, beim Beschäftigungswachstum graues Mittelfeld.“ So fasst Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammerkammer, das zentrale Ergebnis des neuen Statistischen Jahresberichts seines Hauses zusammen. Anders ausgedrückt: Bremens Wirtschaft wächst – doch das Wachstum „verliert auf seinem Weg zum Arbeitsmarkt an Schwung“, so die Kammer.

Dem Zahlenwerk zufolge ist Bremens und Bremerhavens Wirtschaft im vergangenen Jahr im Vergleich zu den anderen Bundesländern überdurchschnittlich gewachsen. Das Brutto-Inlandsprodukt wuchs um 2,5 Prozent.

Getragen wurde diese Entwicklung einmal mehr vom verarbeitenden Gewerbe – von der Industrie also. Dies spiegelt sich auch in der überdurchschnittlichen Produktivität wider – mit 50,68 Euro Wertschöpfung je Arbeitsstunde liegt das Land Bremen im Bundesländervergleich auf dem dritten Rang.

Doch, so Schierenbeck: „Wirtschaftswachstum und Produktivität sind Muster ohne Wert, wenn sie nicht zu einer Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen führen.“ Und das tun sie nach der Kammer-Statisik nur bedingt.

Zwar legte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auch im Land Bremen im Jahr 2015 um 1,5 Prozent (oder 4 729 Stellen) zu. Sie bleibe damit aber doch „deutlich hinter dem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent zurück“.

Besonders deutlich werde die Diskrepanz zwischen Wirtschaftswachstum und Beschäftigung beim Blick auf die Industrie. Trotz der hohen Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes für das Wirtschaftswachstum seien hier sogar Arbeitsplätze abgebaut worden, sagen die Kammer-Statistiker – im vergangenen Jahr 333 Stellen. Gleichzeitig bleibt die Industrie mit ihren etwa 54 000 Beschäftigten im Land Bremen der beschäftigungsstärkste Wirtschaftszweig.

Die Kammer-Statistiker haben Bremen nicht allein mit anderen Bundesländern verglichen, sondern – weil der Vergleich von Stadtstaaten und Flächenländern oft hinkt – auch mit 14 weiteren Großstädten.

Ergebnis: „Hier zeigt sich, dass die Beschäftigungsentwicklung in den Städten noch dynamischer verläuft. So konnten Städte wie Berlin, Leipzig, Frankfurt oder Dortmund ihre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um mehr als 2,5 Prozent steigern. Die Stadt Bremen hat hier mit nur 1,6 Prozent Nachholbedarf.“

Elke Heyduck, Geschäftsführerin bei der Arbeitnehmerkammer: „In Großstädten spielen die Dienstleistungen eine ganz zentrale Rolle – und zwar insbesondere die wissensintensiven Dienstleistungen.“ Gemeint sind beispielsweise Werbeagenturen, IT- und Beratungsdienstleister. Die „wissensintensiven Dienstleistungen“ machen in den Großstädten nahezu ein Drittel der Beschäftigung aus. „Bremen liegt hier mit 21,4 Prozent an zweitletzter Stelle“, beklagen die Kammer-Statistiker.

„Bislang betrachtet Bremen die Dienstleistungen nicht als eigenständigen Wirtschaftsbereich, den es zu fördern gilt. Hier muss sich die Praxis ändern – hin zu echter Ansiedlungspolitik für innovative wissensbasierte Unternehmen“, fordert Kammer-Geschäftsführerin Heyduck.

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