Das Bremer Bismarck-Denkmal bekommt wieder einen festen Sockel

Nummuliten-Kalkstein für den Kanzler

Hoch zu Ross thront der „Eiserne Kanzler“ – der in diesem Fall ein bronzener Bismarck ist – am Dom und blickt in Richtung Marktplatz. Foto: KUZAJ

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Der „Eiserne Kanzler“ wird wieder standfest gemacht. Die Sanierung des Sockelmauerwerks am Bremer Bismarck-Denkmal hat begonnen. Die Arbeiten werden etwa zwei bis drei Wochen dauern, sagt Peter Schulz, Sprecher der Gesellschaft Immobilien Bremen.

Hoch zu Ross thront Otto von Bismarck (1815 bis 1898) auf dem Sockel am Dom – im historischen Herzen Bremens – und blickt in Richtung Marktplatz. Einen zentraleren Standort hat eigentlich nur noch der Roland. Das zeigt, welch hohe Wertschätzung Bismark genossen hat, als das hohe Reiterstandbild errichtet wurde. Der Betrachter ist gezwungen, zu dem Geehrten aufzuschauen.

Enthüllt wurde das Standbild zwölf Jahre nach Bismarcks Tod – anno 1910. Gedacht war es „zur dankbaren Erinnerung an den Reichskanzler Otto von Bismarck“, wie es damals hieß. Ein „Komitee zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals“, zu dem 37 Mitglieder gehörten, hat den Bremer Bismarck gestiftet. Reiterstandbilder waren in der Regel eigentlich regierenden Blaublütern vorbehalten – insofern ist das Bremer Denkmal eine kunsthistorische Besonderheit.

Die Bronzefigur an der Nordwestecke des St.-Petri-Doms ist ein Entwurf des Künstlers Adolf von Hildebrand (1847 bis 1921). Der Bildhauer mit einer Vorliebe für die italienische Renaissance war zu Kaisers Zeiten im ganzen Land bekannt. Der von 1893 bis 1895 gebaute monumentale Wittelsbacher Brunnen in München gilt als eines seiner Hauptwerke.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bremer Bismarck an der Nordseite des Doms eingemauert. 1952 kam er auf seinen Sockel zurück; das war der Wunsch von Bürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD, 1887 bis 1979) gewesen.

Witterungsschäden haben Bismarcks Sockel über die Jahrzehnte so sehr zugesetzt, dass der „Eiserne Kanzler“ gleichsam zum Pflegefall geworden war. Sein Sturz aber sollte unter allen Umständen verhindert werden, schon wegen der kunsthistorischen Bedeutung. Nicht allein die Witterung, auch die „fehlende Abdeckung oben am Sockel“ hat den Stein „stark angegriffen“, so Professor Georg Skalecki, Bremens Landeskonservator. So bekommt der Sockel nun wieder – wie zu Kaisers Zeiten – eine Kupferabdeckung, sagt Immobilien-Bremen-Sprecher Schulz.

Der Sockel selbst „wird mit dem gleichen Steinmaterial saniert“, sagt Denkmalpfleger Skalecki. „Das passende Material haben wir über eine Recherche und durch Amtshilfe der Kollegen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in einem Steinbruch der Gemeinde Burgberg im Allgäu ausfindig gemacht. Es handelt sich um Nummuliten-Kalkstein.“ Der Sockel ist eine Arbeit des Architekten Carl Sattler (1877 bis 1966). Sattler war ein Schwiegersohn des Standbild-Schöpfers Adolf von Hildebrand.

Die Sockel-Sanierung kostet inklusive aller Nebenkosten 92 000 Euro, so Schulz. 31 500 Euro davon kommen aus der Kasse von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht. „Zunächst sollte der Bismarck wegen Überbuchung und der vielen bundesweiten Anträge abgelehnt werden“ erinnert sich Skalecki. Doch der Denkmalpfleger ließ nicht locker. Er setzte sich für Bismarck ein. Skaleckis Standfestigkeit führte zum Erfolg – und trug dazu bei, dass nun das Denkmal wieder standfest gemacht wird.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Trump droht im Aufruhr mit US-Militär

Trump droht im Aufruhr mit US-Militär

Hat Teslas Model Y das Zeug zum Bestseller?

Hat Teslas Model Y das Zeug zum Bestseller?

Das Huawei Matebook X Pro im Test

Das Huawei Matebook X Pro im Test

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Meistgelesene Artikel

Bürgermeister lobt Digitalstrategie

Bürgermeister lobt Digitalstrategie

Drogen, Lügen und ein geklautes Auto: Polizeikontrolle mit Überraschungen in Bremen

Drogen, Lügen und ein geklautes Auto: Polizeikontrolle mit Überraschungen in Bremen

Anders lernen

Anders lernen

Volker Lohrmann: „Wir reden über die breite Masse“

Volker Lohrmann: „Wir reden über die breite Masse“

Kommentare