Prozess um versuchten Mord fortgesetzt

Bremen: Angeklagter sieht sich als Opfer

 Der 41-jährige Angeklagte und ein Justizvollzugsbeamter gehen in den Gerichtssaal.
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Will sich nur verteidigt haben: Der 41-jährige Angeklagte (r.), hier zu Prozessauftakt am Bremer Landgericht.

Der Prozess um einen versuchten Mord vor dem Landgericht ist fortgesetzt worden. Der Angeklagte servierte seine Version vom Tathergang. Er sieht sich als Opfer.

Bremen – Eine mutmaßliche Tat, zwei komplett unterschiedliche Erzählungen: Im Prozess gegen einen 41-Jährigen, dem versuchter Mord am neuen Freund seiner Ex-Frau vorgeworfen wird, sagte der Angeklagte am Donnerstag vor dem Landgericht Bremen aus. Seiner Einlassung nach war es nicht er, der den Angriff initiierte, sondern das mutmaßliche Opfer selbst. Er habe sich nur verteidigt und dabei den 33 Jahre alten Mann schwer verletzt.

Nach Angaben des Angeklagten hat sich das Geschehen so zugetragen: Weil der Mann noch persönliche Gegenstände zu seiner Ex-Frau bringen wollte, habe er sich Mitte Oktober 2020 zu deren Wohnung begeben, diese aber nicht angetroffen. So sei er wieder auf dem Rückweg gewesen und eine schmale Seitenstraße entlanggegangen, als er nach kurzer Zeit auf einen Mann samt Hund getroffen sei. Da er „unglaubliche Angst“ vor Hunden habe, schlich er sich seitlich am Mann vorbei, ohne dabei zu bemerken, dass es der neue Freund seiner ehemaligen Partnerin war. Doch innerhalb von Sekunden hätten beide Männer realisiert, wer der jeweils andere war – dann sei die Situation eskaliert.

Der Nebenbuhler habe seinen American-Staffordshire-Terrier-Mix „Two Face“ mit dem Kommando „Fass!“ auf ihn gehetzt, sagte der Angeklagte. Der Hund sei „wie ein Flummi auf und ab gesprungen und wollte mir an den Hals“. Als er dann zu Boden gegangen sei, habe er nur Schatten wahrgenommen, aus seiner Hosentasche „ein kleines Taschenmesser“ gezogen und ziellos um sich gestochen. Dass er den 31-Jährigen dabei schwer verletzte – ein Stich verfehlte nur knapp die Halsschlagader, ein weiterer traf Leber und Zwerchfell – tue ihm zwar sehr leid, eine Tötungsabsicht habe er jedoch nicht gehabt.

Ein Taschenmesser zum Schnitzen

Die Anklage sieht das anders: Zu Prozessbeginn sagte die Staatsanwältin, der Angeklagte habe dem neuen Freund seiner Ex-Frau aufgelauert, ihn von hinten umklammert und ihm ein Einhandmesser in den Hals gestoßen. Dieses Tatgeschehen bestätigte auch das mutmaßliche Opfer Pascal H. gegenüber unserer Zeitung. Wäre sein Hund „Two Face“ nicht gewesen, der den Angreifer in die Hand gebissen habe und ihn letztlich von weiteren Attacken abhielt, würde er heute womöglich nicht mehr leben.

Da der Angeklagte nach eigenen Angaben seit Jahren große Mengen Kokain konsumiere und auch am Tattag etwa drei bis fünf Gramm der Droge, Beruhigungsmittel und Steroide genommen habe, war seine Erinnerung stark getrübt. „Ich kann mich auch irren und es war ganz anders“, gab der 41-Jährige an. Das Messer habe er immer dabei und nicht für den Angriff gezielt eingesteckt. Er schnitze gerne Holz und vertreibe sich so die Zeit.

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