Für die Beratung von Vergewaltigungsopfern fehlt in Bremen Geld

Notruf setzt Notruf ab

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Der Bremer Frauennotruf ist stark nachgefragt. ·

Bremen - Von Georg Kirsche - Angstzustände, Schwierigkeiten, den Alltag überhaupt zu bewältigen bis zu Selbstmord-Gedanken: Die Auswirkungen einer Vergewaltigung können vielfältig sein.

Hilfe bekommen Frauen, die Opfer von einer Vergewaltigung wurden, in Bremen bei der „Psychologischen Beratungsstelle des Notrufs für vergewaltigte Frauen und Mädchen“, dem Frauennotruf.

Niedrigschwellig und umfassend soll dessen Hilfe sein, schneller, mehr auch an Alltäglichkeiten orientiert als eine langfristige Psychotherapie. Wenn eine Frau sich jedoch entschließt, sich Hilfe zu holen, so ist nicht mehr sicher, dass sie diese auch zeitnah bekommt. Schon länger muss der Frauennotruf eine Warteliste führen.

„Bis zu sechs Monaten kann es dauern, bis zu einem Termin für ein persönliches Beratungsgespräch“, sagt Daniela Müller, Psychologin des Frauennotrufes. Aus ihrer Sicht ist es „unverantwortlich“, Menschen, die aufgrund einer massiven äußeren Gewalterfahrung in eine schwere psychische Krise geraten sind, lange Wartezeiten zuzumuten. Wird ihr oder einer ihrer vier Kolleginnen bei der telefonischen Anmeldung klar, dass die Vergewaltigung erst ein paar Tage her ist, dass ein Gerichtstermin ansteht oder die Frau suizidgefährdet ist, setzen sie alle Hebel in Bewegung, sie dennoch zeitnah zu beraten. Ehrenamtlich.

Selbst dann aber kann es noch Tage dauern, bis die Psychologinnen Zeit haben. Mit zwei Vollzeitstellen betreuten sie im vergangenen Jahr 176 Betroffene. 43 Frauen aber konnten sie nicht helfen. Die Nachfrage steigt, in den vergangenen zwei Jahren um 16 Prozent. Der Frauennotruf setzt deshalb nun selbst einen Notruf ab, denn nach Plänen des Gesundheitsressorts soll der Etat wieder nicht erhöht werden.

„Wir bedauern das, aber man müsste dann an anderer Stelle Geld einsparen“, sagt Karl Götz, Sprecherin der Gesundheitssenatorin. Der Anstieg liege vor allem an Klientinnen, deren Fälle schon länger zurückliegen. „Die akute Versorgung ist gewährleistet“, so Götz. Der Frauennotruf selbst bezweifelt das.

Die Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe spricht gar von „mangelnder Fachkenntnis“ im Ressort: „Viele Frauen verdrängen die Vergewaltigung. Auch wenn es nach Wochen oder Monaten zu einer Retraumatisierung kommt, brauchen sie direkt Hilfe, das sind akute Fälle.“

Für Hauffe ist das ambulante Hilfesysteme für Gewaltopfer in Bremen insgesamt unterfinanziert. „Wir haben in Bremen nicht die Situation, dass Opfer zeitnah Hilfe bekommen.“ Das Problem ist eigentlich hinlänglich bekannt. Claudia Bernhard, Frauenpolitikerin der Linken, sprach deshalb von „Lippenbekenntnisse“ von Bürgerschaft und Senat, sich des Themas „Gewalt gegen Frauen“ verstärkt anzunehmen. Wie die Linke forderte die familienpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Sandra Ahrens, eine Etaterhöhung. „Wir brauchen auch zusätzliche Gelder für Frauen mit Migrationshintergrund.“

Auch das bestätigt sich beim Frauennotruf. 40 Prozent der beratenen Frauen haben einen Migrationshintergrund. Eine der Psychologinnen spricht Türkisch und Kurdisch, sie hat eine eigene Warteliste. „Wir mussten aber auch schon Frauen wegschicken, weil wir kein Geld für einen Dolmetscher auftreiben konnten“, sagt Daniela Müller.

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